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Vardenafil vor der Zulassung

18.03.2002  00:00 Uhr

EREKTILE DYSFUNKTION

Vardenafil vor der Zulassung

von Daniel Rücker, Mayschoß 

Viagra bekommt Konkurrenz. Der Phosphodiesterase-5-Hemmer Vardenafil soll Männern mit erektiler Dysfunktion zu mehr Standfestigkeit verhelfen. Bayer rechnet mit der Zulassung für Europa für Anfang 2003.

Im Wirkmechanismus gibt es wenig Unterschiede zwischen Sildenafil (Viagra) und der neuen Substanz Vardenafil. Beide Stoffe hemmen die Phophodiesterase (PDE-5). Dadurch steigt die Konzentration von cGMP (cyclischem Guanosinmonophosphat) in der Gefäßmuskulatur. Die Relaxation der Muskelzellen in den Gefäßen, die das Corpus cavernosum versorgen, führt zu einem Bluteinstrom in den Schwellkörper und damit zu einer Erektion. Beide Substanzen wirken nur nach sexueller Stimulation und damit verbundener Freisetzung des Botenstoffs NO. Stickstoffmonoxid führt zur Synthese von cGMP.

Mit Vardenafil will Bayer dem Marktführer Pfizer einen guten Teil des Umsatzes abspenstig machen. Dr. Erwin Bischoff vom Geschäftsbereich Pharma setzt dabei auf die etwas höhere Selektivität von Vardenafil im Vergleich zu Sildenafil. Die Bayer-Substanz hemmt die PDE-6 nicht so stark wie die Pfizer-Substanz. PDE-6 kommt vor allem in der Retina vor. Dies ist ein Grund dafür, dass die Potenzpille bisweilen Sehstörungen verursacht.

In der Wirksamkeit scheinen sich die PDE-5-Inhibitoren nicht wesentlich zu unterscheiden. Wie der Hamburger Urologe Professor Dr. Helmut Porst auf einem Presseseminar in Mayschoß erklärte, haben Sildenafil, Vardenafil und das noch in der Entwicklung befindliche Tadalafil eine Erfolgsquote von jeweils 75 Prozent. Drei von vier Patienten mit erektiler Dysfunktion schaffen nach der Einnahme einen Koitus mit Orgasmus. Leichte Vorteile habe Vardenafil in der Untergruppe der Diabetiker.

Porst warnte davor, Männer bei Misserfolg in die Gruppe der Therapieversager einzuordnen. Erst wenn die Höchstdosis eines PDE-5-Inhibitors in vier bis acht Versuchen keinen Erfolg gezeigt habe, sollte man über andere Therapieoptionen, wie die Injektion von Prostaglandin E-1 in den Schwellkörper oder die Dreifachkombination von Prostaglandin E-1, Papaverin und Phentolamin nachdenken. Schlägt auch dieser Versuch fehl, könne eine Kombination aus Injektionstherapie und PDE-5-Hemmstoff versucht werden.

Etwas besser als die anderen PDE-5-Inhibitoren schnitt Vardenafil in Studien bezüglich der Nebenwirkungen ab. Nach der Einnahme von 20 mg stellten sich bei 15 Prozent der Patienten Kopfschmerzen ein. Bei Sildenafil (100 mg) waren es 30 Prozent, bei Tadalafil (40 mg) litten 23 Prozent unter Kopfschmerzen. Auch andere Nebenwirkungen wie Sodbrennen, Rhinitis oder Farbsehstörungen waren unter Vardenafil seltener als unter den beiden anderen PDE-5-Inhibitoren.

Mit dem Griff zur Potenzpille ist es allein noch nicht getan. Dr. Ulrike Brandenburg, Klinik für Psychiatrie und Psychologie am Universitätsklinikum der RWTH Aachen, hält es für dringend geboten, die Partnerinnen in die Therapie einzubeziehen. So könne das Problem genau analysiert und in einen Zusammenhang mit der Beziehung der Partner gestellt werden. Sexuelle Probleme seien immer auch Beziehungsprobleme. Wenn einem impotenten Mann nur eine Pille in die Hand gedrückt wird, dann stärke dies die Fokussierung auf die organische sexuelle Funktion.

Die Lösung des Problems könne ein Paar nur gemeinsam finden, so Brandenburg. Dabei müssen die Partner ihre Schwierigkeiten erst einmal verstehen. Dann komme es fast immer zu einer angemessenen individuellen Lösung. Diese könne auch die Anwendung einer potenzfördernden Pille sein. Top

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