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Hoechst will Fusion mit Rhône Poulenc schneller durchziehen

22.03.1999
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-Wirtschaft & HandelGovi-Verlag

Hoechst will Fusion mit Rhône Poulenc schneller durchziehen

von Erdmuthe Arnold, Frankfurt am Main

In einem wesentlich knapperen Zeitrahmen soll die geplante Fusion mit Rhône Poulenc abgewickelt werden. Dies war die zentrale Botschaft des Vorstandsvorsitzenden der Hoechst AG, Jürgen Dormann, in der Bilanzpressekonferenz am 18. März 1999 in der Jahrhunderthalle Hoechst. Geschehen soll dies jedoch ohne Nachteil für die Aktionäre. Insbesondere für das Industriegeschäft wird im laufenden Geschäftsjahr erneut ein schwieriges Jahr erwartet. Alle anderen Aktivitäten werden nach den Unternehmensberechnungen jedoch ein gu-tes Ergebnis bringen.

Seinen Ausführungen stellte Dormann den Satz voran: "Die Rücksichtsnahme auf unsere Gesprächspartner und insbesondere auf unserere Mitarbeiter verbietet es, laufende Gespräche über die Medien zu kommentieren." Auch seien die strengen Regeln der Börsenaufsicht zu beachten.

"Der Deal ist perfekt"

Selbst auf Fragen der Journalisten ließ sich Dormann nur insofern aus der Reserve locken, als er sagte: "Der Deal platzt nicht. Es wird weiter gearbeitet. Alle Aktivitäten – mit Ausnahme von Celanese – bringen 1999 ein positives Ergebnis." Die gerade erst in der Herbst-Pressekonferenz angekündigte Trennung von dem in der Unternehmenstochter Celanese zusammengefaßten Industrie- und Chemiegeschäft soll dagegen nicht so schnell erfolgen (die PZ berichtete in Heft 48/98, Seite 61). Zwar soll Celanese zusammen mit Ticona weiterhin zu einer eigenständigen Gesellschaft fortentwickelt und "von Hoechst wie ein virtuelles Unternehmen geführt" werden, wie Dormann darlegte, doch soll diese Transaktion – wegen der beschleunigten Fusion mit Rhône-Poulenc (RP) – optimiert und neu überdacht werden. Denn wegen eines erheblichen Preisdrucks im Industriegeschäft, vor allem aus Fernost, blickt der Vorstand "mit großer Sorge für Celanese in die Zukunft". Ein Verscherbeln einzelner Firmen kommt für Dormann nicht in Betracht, da die Werte den Aktionären zustehen.

Über die entsprechend angepaßten Entscheidungsvorlagen soll nunmehr in den noch anzuberaumenden außerordentlichen Sitzungen des Aufsichtsrats Ende April/Anfang Mai und der Hauptversammlung abgestimmt werden. Vermutlich dürfte der Aufsichtsrat anläßlich der ordentlichen Hauptversammlung am 4. Mai in Frankfurt am Main tagen.

Integrationsprozeß im vollen Gang

Derweil, so Dormann, sind die Integrationsvorbereitungen für Aventis Pharma im vollen Gang: Zusammen mit dem Fusionspartner seien bereits 600 Führungspositionen benannt worden. 240 Arbeitsgruppen in den Bereichen Pharma und Landwirtschaft formulierten derzeit die Aufgaben und Ziele. Und einer dpa-Meldung vom 18. März zufolge liegen die Architektenpläne für den Bau der Zentrale in Schiltigheim bei Straßburg bereits vor.

Ausgewählt worden sei das 96 Hektar große Gelände wegen der günstigen Autobahnanbindung nach Paris und Frankfurt, zitiert dpa einen Sprecher aus dem Rathaus in Schiltigheim. Mit dem Bau soll nach der Zustimmung der Aktionäre im Juli begonnen werden, so daß das geplante Gebäude mit einer Arbeitsfläche von 9700 Quadratmeter bereits im Oktober 1999 bezugsfertig sein könnte.

Aventis Pharma nimmt Sitz in Frankfurt

Aventis Pharma wird nach der Fusion ihren Sitz in Frankfurt am Main haben, nicht jedoch im Industriepark Höchst, sondern im Poseidon-Hochhaus direkt gegenüber der Frankfurter Messe, wo bereits heute die Zentrale von Hoechst Marion Roussel (HMR) in gemieteten Räumen angesiedelt ist. Ausschlaggebend hierfür war die zentrale Lage der Main-Metropole mit ihrem vielseitigen kulturellen Angebot und den Begegnungsstätten, wie Pharma-Vorstandsmitglied Horst Waesche am Rande der Bilanzpressekonferenz sagte. Entgegenkommen will Aventis-Pharma damit den noch anzuheuernden internationalen Managern.

Der Gesundheitssektor des Life-Science-Unternehmens Aventis wird nach Dormanns Ausführungen mit etwa 4,6 Prozent am Weltmarkt für verschreibungspflichtige Arzneimittel knapp hinter US-Merck den zweiten Platz unter den führenden Pharmaanbietern einnehmen. Insgesamt sollen sich bei der künftigen Aventis Pharma mehr als 60 vielversprechende Präparate in der klinischen Entwicklung befinden. Außerdem bringt RP laut Dormann mit Lovenox, Taxotere und durch ständig neue Ausbietungen Wachstumsprodukte in die Ehe ein. Die HMR-Tochter erwartet ihrerseits die Zulassung für eine Reihe neuer Medikamente in wichtigen Indikationen, so etwa Refludan gegen instabile Angina pectoris, ein genaktiviertes Erythropoetin gegen Anämie, ein ZNS-Präparat (M100907) gegen Schizophrenie, Ketolid gegen Atemwegserkrankungen, das Insulin Glargine, weiter ein inhalierbares Insulin und Flavopiridol gegen Krebs.

Das vereinte Aventis, davon ist Dormann überzeugt, wird starke Marktstellungen etwa in den Bereichen Herz-Kreislauf, Atemwegserkrankungen, Allergien, Krebsbekämpfung, Infektion und Diabetes sowie bei Impfstoffen und Plasmaprodukten einnehmen und mit einem Forschungs- und Entwicklungsbudget von jährlich 4 Milliarden DM über das höchste in der Branche verfügen. Als besondere Stärke strich Dormann schließlich "die ausgeprägte weltweite Vertriebsstruktur" heraus.

Schrumpfung noch nicht beendet

1999 wird Hoechst aufgrund der aktuellen Struktur und der 1998 getätigten Unternehmensverkäufe noch einmal mächtig schrumpfen. Finanzvorstand Klaus Jürgen Schmieder rechnet mit einem Umsatz von 30 Milliarden DM. Dennoch wird im Life-Sciences-Geschäft ein zweistelliger Zuwachs des operativen Ergebnisses erwartet. Anhand der Zahlen für das Jahr 1998 verwies Schmieder unter anderem auf die Erträge aus dem Verkauf oder die Übertragung von Geschäftsbereichen, die das Jahresergebnis um 64 Millionen DM erhöhten, genau wie auf die deutlich verringerte Steuerquote (30 nach 44 Prozent im Vorjahr) und Finanzschuld (Rückgang um 4,1 Milliarden auf 12,5 Milliarden), die 1999 noch um mindestens 2,7 Milliarden DM zurückgehen soll.

Hauptversammlung soll Aktienkauf bewilligen

Von der Hauptversammlung am 4. Mai wollen sich Vorstand und Aufsichtsrat den Erwerb eigener Aktien bis zu 10 Prozent des derzeitigen Grundkapitals genehmigen lassen, um diese entweder gezielt zu plazieren, als weiteres Finanzierungsinstrument für mögliche Akqusitionen zu nutzen oder aber das Grundkapital von Hoechst zu reduzieren beziehungsweise die Führungskräfte der Hoechst-Gruppe in der Vergütung stärker an die Hoechst Aktie zu binden. Top

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