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Horstmann: mehr aktive Beratung als bisher üblich

16.03.1998
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-Politik

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Horstmann: mehr aktive Beratung
als bisher üblich

Apotheker müssen ihre Rolle als aktive Arzneimittelberater stärker als bisher wahrnehmen. Das riet Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Axel Horstmann (SPD) den Gästen der Fastenspeise, einem traditionellen Politforum, zu dem der Apothekerverband Nordrhein alljährlich einlädt. Dazu gehöre auch, daß in jeder Apotheke die Möglichkeit zur vertraulichen Beratung der Kunden und Patienten gegeben sein muß.

Wie notwendig die Diskussion um Beratung in der Apotheke ist, belegen nach Horstmanns Worten zwei Zahlen: die Hälfte der Arzneimittel wird nicht korrekt, ein Drittel überhaupt nicht eingenommen. Wirtschaftliche Arzneimittelversorgung bedeute aber, daß die Medikamente effizient eingesetzt werden. Wünschenswert seien Qualitätsstandards, die auf Ergebnisqualität ausgerichtet sind, damit das Verständnis der Patienten über ihre Arzneimittel verbessert werde. Der Minister fragt sich sogar, ob die moralischen Appelle zur Beratung ausreichen oder ob nicht besser durch ordnungspolitische Reformen Anreize zur Beratung gegeben werden sollten. Die Frage der Honorierung werde bereits berufsintern diskutiert. Aus der Sicht des Ministeriums sei allerdings ein finanzielles Mehr für Arzneimittelversorgung nicht möglich.

Zur Frage, ob jede Apotheke heute noch ein Labor zur Prüfung der Ausgangsstoffe und zur Herstellung von Rezepturen braucht, gebe es im Ministerium noch keine abschließende Meinung. Dort stelle man sich allerdings die Frage, ob nicht die Einzelanfertigung von Arzneimitteln kostengünstiger, effektiver und qualitativ besser auch woanders organisiert werden könne.

Einen kritischen Blick warf Horstmann auf das Erscheinungsbild der Apotheken, das Auskunft über das Selbstverständnis des Apothekers gebe. Die zu Hunderten in der Sichtwahl vorrätig gehaltenen Arzneimittel würden zu Mehrgebrauch einladen und seien zudem nicht immer von diätetischen Arzneimitteln und apothekenüblichen Waren strikt getrennt. So könne der Verbraucher das Arzneimittel als eine Ware besonderer Art nur schwer erkennen. Für die Zukunft der Apotheke sei es förderlich, wenn sie sich auf ihre Kernkompetenz konzentriere und Nebensächlichkeiten vermeide. "Der Heilberuf ist für die Arzneimittelversorgung in Zukunft unverzichtbar", so Horstmann.

Im Sinne des Verbraucherschutzes sprach sich der Minister eindeutig gegen den Versandhandel mit Arzneimitteln aus. Ohne ärztliche Kontrolle und qualifizierte Abgabe in den Apotheken insbesondere von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sei der notwendige Verbraucherschutz nicht gegeben.

Horst Nettesheim, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein, wies darauf hin, daß in Apotheken mehr Bundesbürger beschäftigt sind als in der gesamten Pharmaindustrie. Er dankte dem Minister, daß er im Bundesrat die nordrheinischen Vorstellungen zur Arzneimittelpreisverordnung unterstützt habe. Sie sei die Voraussetzung für die Tätigkeit der öffentlichen Apotheken im zukunftsträchtigen Wachstumsmarkt Gesundheitswesen.

PZ-Artikel von Gisela Stieve, Düsseldorfs
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