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Antibiotika initial bei akuter Otitis media?

16.03.1998
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Govi-Verlag

Antibiotika initial bei akuter
Otitis media?

Rund zehn Prozent der Kinder haben bis zum Alter von drei Monaten mindestens eine akute Mittelohrentzündung durchlebt. Am häufigsten tritt die Erkrankung zwischen dem sechsten und fünfzehnten Lebensmonat auf. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle von Infektionen bei der akuten Otitis media.

Die am häufigsten mit der Erkrankung in Verbindung gebrachten Erreger sind Streptokokken, Branhamella catarrhalis, Haemophilus-Arten sowie einige Viren. Die Rolle dieser Erreger bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Erkrankung wird, wie die Behandlung mit Antibiotika, kontrovers diskutiert. Die Häufigkeit der Anwendung von Antibiotika differiert von Land zu Land; sie liegt beispielsweise in den Niederlanden bei 31 Prozent und in den USA und Australien bei 98 Prozent. In der vorliegenden Meta-Analyse wurde untersucht, inwieweit es mittels Einsatz der Antibiotika möglich ist, die Erkrankung zu beeinflussen.

Hierzu wurden die Daten und Ergebnisse von insgesamt sechs Studien mit Kindern im Alter von 7 bis 15 Monaten ausgewertet. Als Beurteilungskriterien eines Therapieerfolges oder -mißerfolges wurden unter anderem Schmerzen und Taubheit als Folge der akuten Otitis media gewählt. Weiterhin wurden eventuelle Nebenwirkungen der Therapie in die Auswertung einbezogen.

Ergebnisse:60 Prozent der Kinder in der Placebo- und in der Verumgruppe waren nach 24 Stunden schmerzfrei. Zwei bis sieben Tage nach Erstvorstellung beim Arzt ließ sich jedoch in der Verumgruppe eine 41prozentige Risikoreduktion für das Weiterbestehen der Schmerzen zeigen. Weiterhin war es mit Hilfe der Antibiotika möglich, bei den Kindern das Risiko einer kontralateralen Otitis media um 43 Prozent zu reduzieren.

Keinen Einfluß zeigten die Antibiotika auf die Häufigkeit weiterer Erkrankungen oder das Auftreten von Taubheit nach einem Monat. Lediglich nach einer Beobachtungszeit von drei Monaten ließ sich ein Trend zu einer verminderten Taubheit in der Verumgruppe zeigen. Als unerwünschte Begleiterscheinung kam es durch die Antibiotika zu einer Verdoppelung des Risikos, an Erbrechen, Durchfall oder Hautausschlägen zu leiden.

Fazit: Durch die frühe Antibiotikagabe bei der akuten Otitis media läßt sich nur ein geringfügiger Vorteil erzielen. Um bei einem Kind das Auftreten von Schmerzen nach zwei bis sieben Tagen zu verhindern, müssen insgesamt 17 Kinder behandelt werden.

Quelle: Del Mac, D., et al., BMJ 314 (1997) 1526-9.

PZ-Artikel von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden
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