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16.03.1998
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  16.03. Tolterodin: neu bei Harninkontinenz
PZ. Seit Anfang März ist der Muscarinrezeptorantagonist Tolterodin (Detrusitol) zur Behandlung der motorischen Dranginkontinenz im Handel. Der neue Wirkstoff aus den Forschungslabors von Pharmacia & Upjohn ist offenbar ebenso gut wirksam wie Oxybutynin, dem derzeitigen "Gold-Standard" in der anticholinergen Pharmakotherapie der Dranginkontinenz, aber deutlich besser verträglich. Tolterodin verringert im Vergleich zu Placebo die Häufigkeit der Miktion um 20 Prozent und die des unfreiwilligen Harnverlustes um 45 Prozent, haben Phase-III-Studien ergeben. Bei einer Dosierung von zweimal täglich zwei Milligramm Tolterodin reduziert sich in zwölfwöchiger Therapie die Harnmenge beim Wasserlassen um 35 Milliliter. In einem Beobachtungszeitraum von einem Jahr kam es zu keinem Abhängigkeitsverhalten, die Dosis mußte nicht erhöht werden. Der signifikante Unterschied zwischen Oxybutynin und Tolterodin liegt in der Häufigkeit unerwünschter anticholinerger Nebenwirkungen. Dabei ist Mundrockenheit einer der häufigsten Gründe für einen Therapieabbruch mit Oxybutynin. Bei der Therapie mit dreimal fünf Milligramm Oxybutynin am Tag tritt sie mit einer Häufigkeit von 28 Prozent auf, mit zweimal zwei Milligramm Tolterodin bei vier Prozent und mit Placebo bei zwei Prozent der Patienten. Auch Verstopfung, Akkomodationsstörungen und kardiale Nebenwirkungen treten unter der neuen Substanz deutlich seltener auf als unter Oxybutynin. Firmenaussagen zufolge sei die stärkere Rezeptorbindungsstärke und damit die niedrigere Konzentration der Grund für das günstige Nebenwirkungsspektrum.

16.03. MB-Plasma: Engpaß bei Blutspende droht
dpa. Der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Frankfurt hat jegliches Sicherheitsrisiko im Zusammenhang mit MB-Blutplasma zurückgewiesen. "MB-Plasma ist bisher 1,5 Millionen Mal in Deutschland angewendet worden, ohne daß ein Fall einer Infektion von Aids, Hepatitis-B oder -C nachgewiesen wurde", sagte der ärztliche Direktor des Blutspendedienstes, Professor Dr. Erhard Seifried, und warnte vor einem drohenden Versorgungsengpaß mit Blutplasma in Hessen. Das Regierungspräsidium Kassel hatte dem DRK wegen einer möglichen Hepatitis-Infektion den Vertrieb des MB- oder Methylenblau-Plasmas in Hessen untersagt. Im vergangenen Jahr sei ein Patient "mit hoher Sicherheit" von MB-Plasma mit Hepatitis-C infiziert worden, begründete Präsidiumssprecher Manfred Merz das Verbot. Nach Angaben von Seifried gab es 1995 einen Fall, bei dem möglicherweise Hepatitis-C übertragen wurde. Aber auch nach intensiver Nachforschung sei diese Infektion nicht nachgewiesen worden. Die akute Entscheidung des Regierungspräsidiums hält Seifried "für nicht angebracht". Da 50 Prozent des vertriebenen Blutplasmas in Hessen MB-Plasma seien, drohe ein Engpaß in der Versorgung, warnte Seifried. Zwar würden andere Anbieter wohl die Lücke füllen. Das DRK allerdings gehe mit seinen Sicherheitsmaßnahmen für Blutprodukte weit über das geforderte Maß hinaus.

16.03. Vier-Punkte-Programm gegen Cholera
dpa. Im Kampf gegen die Cholera hat die Hongkonger Regierung heute ein Vier-Punkte-Programm vorgelegt. Es umfaßt unter anderem strikte Einfuhrbeschränkungen für Muschelfleisch und Schalentiere und die Überwachung von Fischrestaurants. Daneben müssen Reisebüros Urlauber über die teilweise unzureichenden hygienischen Bedingungen in südostasiatischen Ländern aufklären. Grund für die Aktivitäten ist eine neue Cholera-Welle in Hongkong mit bislang 41 Erkrankungen. 1997 waren nur insgesamt 14 Cholera-Fälle registriert worden.

 13.03. Unfruchtbarkeit ist eine Krankheit
dpa. Die Unfruchtbarkeit einer Frau ist nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs in München als Krankheit anzusehen. Nach der am Freitag veröffentlichten Entscheidung des 3. Senats ist daher eine künstliche Befruchtung als Heilbehandlung anzusehen. Deshalb seien die Kosten für die Behandlung als außergewöhnliche Belastung steuerlich absetzbar (III R 84/96). Geklagt hatte ein Ehepaar aus Niedersachsen, das Kosten in Höhe von 6825 Mark für eine künstliche Befruchtung steuerlich geltend gemacht hatte. Die Frau litt an einer organisch bedingten Sterilität und konnte auf natürlichem Weg kein Kind empfangen. Das Finanzamt weigerte sich jedoch, die Behandlung als notwendige außergewöhnliche Belastung anzuerkennen. Dagegen urteilten die Richter des Bundesfinanzhofs, die Frau befinde sich in einer Zwangslage, die steuerrechtlich zu berücksichtigen sei. "Das Recht, Nachkommen zu gebären, gehört zum Kernbereich der freien Entfaltung der Persönlichkeit", heißt es in der Urteilsbegründung. Allerdings billigten die Richter dies nur verheirateten Frauen zu.

13.03. Tuberkulose gefährlichste Infektion
dpa. Tuberkulose bleibt die am häufigsten zum Tod führende Infektionskrankheit der Erde. Weltweit sterben jährlich rund drei Millionen Menschen an der Lungenkrankheit, teilte das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK, Berlin) am Freitag in Leipzig mit. 1996 wurden in Deutschland 11.814 neue Tbc-Erkrankungsfälle registriert, knapp 900 Menschen starben daran. Besondere Sorge bereitet den Medizinern die Zunahme von Multiresistenzen. In Deutschland bestehe allerdings noch keine Gefahr, hieß es. Von den Neuerkrankungen machten diese Fälle nur 1,3 Prozent aus. "Aber international sieht das völlig anders aus", sagte Robert Loddenkemper, Generalsekretär des DZK. So liege ihr Anteil in Rußland bereits bei etwa fünf Prozent, die Resistenzen gegen einzelne Medikamente zwischen 25 und 50 Prozent.

13.03. BgVV: Sensibler Bestrahlungsnachweis
dpa. Mit einer neuen Methode des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) kann die Strahlenbehandlung von Lebensmitteln auch bei geringster Dosierung nachgewiesen werden. Das neue Verfahren sei besonders für die Überwachung des hiesigen Bestrahlungsverbotes für Früchte, Gemüse und Kartoffeln geeignet, teilte das Institut am Donnerstag in Berlin mit. In anderen europäischen Ländern ist die Strahlenbehandlung von Lebensmitteln erlaubt, um die Zahl von Keimen darin zu reduzieren. Bei Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch wird ein Auskeimen verhindert. Bei den teilweise extrem niedrigen Dosen sei es bisher nicht immer möglich gewesen, die Strahlenbehandlung sicher nachzuweisen. Bei dem neuen, genauen Verfahren wird die Lichtmenge bestimmt, die Silikatmineralien - mineralische Verunreinigungen in Obst und Gemüse - bei einer Erhitzung von 70 Grad Celsius auf 500 Grad abgeben: Stammen die Mineralien von einer bestrahlten Probe, geben sie wesentlich mehr Licht ab als unbestrahlte.

12.03. AOK: Kritik an Zuzahlung
PZ. Der AOK-Bundesverband hat erneut die erhöhten Arzneimittel-Zuzahlungen kritisiert. Die derzeitige Regelung sei gesundheitspolitisch unsinnig. Wenn Zuzahlungen erhoben würden, müßten sich diese an Qualitätsaspekten orientieren, machte Verwaltungsratsvorsitzender Peter Kirch gegenüber der Presse deutlich. Er sprach sich für ein Drei-Stufen-Modell aus, wie es bereits der Bundesverband der Betriebskrankenkassen und - in ähnlicher Form - der Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller vorgeschlagen hatten. Lebensnotwendige Arzneimittel sollten demnach ganz von der Zuzahlung befreit sein, wirtschaftliche und wirksame Arzneimittel mit höchstens zehn Prozent belastet werden. "Unwirtschaftliche und unwirksame" Medikamente will die AOK über hohe Zuzahlungen ganz vom Markt drängen.

11.03. HMR: Strebt Gewinnmarge von 20 Prozent an
dpa. Hochst Marion Roussel (HMR), die Pharma-Tochter des Hoechst-Konzerns, will bis 1999 auf eine Gewinnmarge von 20 Prozent des Umsatzes kommen. "Alle wichtigen Geschäftsprozesse sind darauf ausgerichtet, die Ziele für 1999 zu erreichen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Hoechst Marion Roussel AG, Richard Markham, am Mittwoch in Frankfurt. Zu den zentralen Zielen gehört auch, jährlich zwei neue Medikamente auf den Markt zu bringen. 1997 ist der Umsatz um sieben Prozent auf 14 Milliarden DM gestiegen. Das Betriebsergebnis blieb jedoch mit 1,65 Milliarden DM um 19 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Im Berichtsjahr seien bedeutende Fortschritte bei der Neuausrichtung von Forschung und Entwicklung erzielt worden, betonte Markham.

11.03. BgVV warnt vor Campylobacter jejuni
PZ. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV), Berlin, weist auf eine bislang unterschätzte Erregergruppe von Lebensmittelinfektionen hin, Bakterien der Gattung Campylobacter. Wie aus einer Auswertung der epidemiologischen Daten aus den neuen Bundesländern, Berlin und dem Saarland hervorgehe, stellen diese in der Öffentlichkeit kaum bekannten Bakterien in der Bundesrepublik Deutschland die nach den Salmonellen zweithäufigste Erregergruppe für durch Lebensmittel ausgelöste Durchfallerkrankungen, so das Institut. Hauptverursacher der 1996 gemeldeten rund 10.000 Campylobacteriosen (zum Vergleich: 32.000 Salmonellosen) sei die Spezies C. jejuni. Das Krankheitsbild der Campylobacteriosen entspricht im wesentlichen einer Salmonelleninfektionen und äußert sich in akutem Durchfall, oft mit Fieber. Während bei Einzel- und Familienerkrankungen vor allem kontaminiertes Geflügelfleisch verantwortlich zu sein scheint, erwiesen sich bei infektionsepidemiologische Untersuchungen des BgVV nach Campylobacterausbrüchen in Großküchen roh oder zu gering erhitzte Milch als Infektionsquelle. Dies führte 1997 zu einem Verbot von roher Milch in der Gemeinschaftsverpflegung.

10.03. Arzneimittelausgaben sind gesunken
vwd. Nach Angaben des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK) sind die Ausgaben für Arzneimittel im vergangenen Jahr in Westdeutschland um 4,1 Prozent und in den neuen Ländern sogar um 6,8 Prozent gegenüber 1996 gesunken. Wesentlicher Grund für die Einsparung ist die drastische Anhebung der Zuzahlungen im Jahr 1997. Nach den Angaben des BKK wurden 1997 im Westen 25,7 Milliarden DM für Arzneimittel ausgegeben. 1996 waren es 26,8 Milliarden DM, 1995 lagen die Ausgaben mit 25,1 Milliarden DM allerdings niedriger als im vergangenen Jahr. In Ostdeutschland gaben die Kassen im Jahr 1997 rund 6,2 Milliarden DM für Medikamente aus. Niedriger lag der Betrag zuletzt im Jahr 1993 mit 5,7 Milliarden DM. Großen Anteil an dieser Entwicklung hat die zweimalige Erhöhung der Zuzahlung, die Patienten zu Medikamenten leisten müssen. Die Patienten zahlten im vergangenen Jahr 5,5 Milliarden DM der Arzneimittelausgaben selbst; im laufenden Jahr dürften es über sieben Milliarden DM werden.

10.03. Gewalt gegen Senioren nimmt zu
PZ. Ein Problem, das Apotheker aus Gesprächen mit älteren Kunden kennen: Viele Senioren haben Angst, Opfer von Gewalt zu werden. Zu Recht, zeigt eine Studie der Bonner Initiative "Handeln statt Mißhandeln" (HsM). Rund 36 Prozent der etwa 1000 Befragten wurden in den letzten fünf Jahren Opfer von Gewalt in der Öffentlichkeit. Die häufigsten Delikte sind dabei Einbruch (43 Prozent), Betrug (37 Prozent) und Handtaschenraub (32 Prozent). Über Mißhandlungen durch Familienangehörige, insbesondere durch ihre Ehepartner, berichteten rund elf Prozent der über 60jährigen. Die meisten von ihnen, knapp 70 Prozent, wurden seelisch mißhandelt. Tätlich angegriffen oder eingesperrt wurden etwa 20 Prozent. Gewalt in Pflegeheimen und Kliniken wird in der Erhebung kaum genannt. Die Bonner Initiative geht allerdings davon aus, daß dort vieles im argen liegt. Professor Dr. Rolf D. Hirsch, Gründer von HsM und Leiter der gerontopsychiatrischen Abteilung der Rheinischen Landesklinik: "Der Personalschlüssel von einer Pflegekraft auf 2,8 Patienten - in der Realität oft eins zu vier - ist per se schon Gewalt. Not herrscht dabei aber nicht nur bei den Opfern, sondern auch bei den Tätern."Top

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