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Wirkung von Johanniskraut gegen Placebo belegt

16.03.1998
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-Medizin

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Wirkung von Johanniskraut gegen
Placebo belegt

Hyperforin-reicher Johanniskrautextrakt ist bei leichten bis mittelschweren Depressionen signifikant wirksamer als Placebo; ein Auszug mit geringer Hyperforinkonzentration zeigt zwar auch positive Effekte, aber keine signifikant bessere Wirkung als Placebo.

Dieses Resümee zieht Professor Dr. Gregor Laakmann von der Psychiatrischen Klinik der Universität München aus einer dreiarmigen placebokontrollierten Doppelblindstudie mit 147 leicht bis mittelschwer depressiven Patienten. Diese hatten über 6 Wochen entweder dreimal täglich Placebo erhalten oder dreimal täglich 300 mg Hyperforin-armen, beziehungsweise Hyperforin-reichen Johanniskrautextrakt. Der Hyperforin-arme Extrakt enthielt 0,5 Prozent, der Hyperforin-reiche Auszug etwa 5 Prozent Hyperforin, die Konzentration anderer Johanniskraut-Inhaltstoffe war jeweils gleich.

Jede der drei Gruppen umfaßte 49 ambulante Patienten. Das Durchschnittsalter lag zwischen 49 und 51 Jahren; etwa zwei Drittel der Probanden waren Frauen. Studienziel sei es gewesen, so Laakmann, die Bedeutung des Inhaltsstoffes Hyperforin zu untersuchen.

Hauptzielparameter war die Änderung des HAMD-Scores (Hamilton-Depression-Rating-Score) der Patienten zwischen Tag 0 und Tag 42. Als Begleitzielparameter wurde die Depressivitätsskala zur Selbsteinstufung nach von Zerssen (D-S-Skala) herangezogen sowie der klinische Gesamteindruck (CGI) und das globale Patientenurteil (GPU). Auf allen Untersuchungsebenen sei der Hyperforin-reiche Extrakt (Neuroplant 300) signifikant wirksamer gewesen als Placebo, faßte Laakmann bei einer von Schwabe initiierten Pressekonferenz in Frankfurt zusammen. Man habe die Studie daher zu diesem Zeitpunkt abgebrochen.

Auch der direkte Vergleich zwischen den beiden Johanniskrautextrakten spricht nach Ausssage des Referenten für den Hyperforin-reichen Auszug. Mit diesem habe sich eine höhere Responderrate für Patienten gezeigt, deren HAMD-Score sich um über 50 Prozent gegenüber dem Ausgangsbefund besserte. Außerdem hätten sich Therapievorteile bei deutlich mittelschwer depressiven Patienten mit einem Ausgangs-HAMD >= 22 gezeigt: Der Score verbesserte sich bei diesem Schweregrad durch die Gabe des höher konzentrierten Extraktes etwa doppelt so stark (12,0 versus 6,6 Punkte) wie mit dem Hyperforin-armen Auszug. Die Unterschiede seien allerdings nicht signifikant gewesen. Die Verträglichkeit beider Extrakte war laut Laakmann vergleichbar mit der von Placebo.

Als Behandlungsdauer empfiehlt der Münchner Mediziner zunächst die rund sechswöchige Anwendung. In dieser Zeit sei zu erkennen, ob ein Patient auf ein Johanniskrautpräparat anspricht oder nicht. Non-Responder sollten spätestens nach acht Wochen auf eine andere Behandlung umgestellt werden; Respondern rät Laakmann zur drei- bis sechsmonatigen Weiterbehandlung mit dem Extrakt. Über die Anwendung von Johanniskraut zur Phasenprophylaxe gebe es bisher keine Studie, räumte er ein. Auch zum direkten Vergleich zwischen dem pflanzlichen Antidepressivum und chemischen Wirkstoffen fehlten aussagekräftige Studienergebnisse.

PZ-Artikel von Bettina Neuse-Schwarz, FrankfurtTop

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