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Nichts als Fragen

16.03.1998
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-Editorial

Govi-Verlag

Nichts als Fragen

von Gisela Stieve,
Stellvertretende Chefredakteurin

Im politischen Dialog werden derzeit überwiegend Fragen gestellt. Wie geht es nach der Niedersachsenwahl weiter? Macht Kohl oder zumindestens die CDU noch einmal das Rennen? Kommt schon bald nach der Wahl im September eine neue Gesundheitsreform? Welche Auswirkungen wird die Einführung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion haben? Werden noch mehr Ärzte unter dem Deckmäntelchen der Qualitätszirkel aus den nicht verordneten Arzneimitteln Honig saugen? Was bedeutet eine Weiterentwicklung der Apothekenbetriebsordnung für die Zukunft der praktischen Pharmazie? Wie schlägt sich ab 1. Juli die geänderte Arzneimittelpreisverordnung auf die Ertragslage der Apotheken nieder? Fragen über Fragen.

Jeder einzelne Apotheker an der Basis sollte sich von dieser Flut nicht mitreißen lassen, sondern sich ernsthaft mit den Fragen befassen. Nutzen Sie jetzt die Denkpause, solange die Regierung ihre Geschäfte für diese Legislaturperiode abwickelt und vorwiegend den Wahlkampf vorbereitet. Stecken Sie für sich, ihre Apotheke, ihre Mitarbeiter und die Zukunft des Berufsstandes den Kurs ab.

Nutzen Sie die Chance, Konzepte auszufeilen oder auf regionaler Ebene Gespräche mit amtierenden und potentiellen Gesundheits- und Sozialpolitikern und den anderen Heilberufen zu führen.

Die ABDA schiebt ihr Konzept zur Verbesserung der Arzneimittelversorgung nicht wie eine verbale Kulisse über die politische Bühne in Bonn, hat kürzlich der Sprecher der Geschäftsführung gesagt. Das Programm ist nur glaubwürdig, wenn die Inhalte an der Basis auch umgesetzt werden und für Patienten und Kunden erfahrbar sind. Es nützt nichts, auf hoher politischer Ebene auf die Beratungskompetenz der Apotheker zu verweisen, wenn sie in praxi nicht erbracht wird.

Wir brauchen im Berufsstand jetzt mehr denn je den Blick fürs Wesentliche. Verlieren wir uns nicht in Details, die morgen niemanden mehr interessieren. Die Risiken und Nebenwirkungen der Nabelschau könnten schmerzlich sein. Lassen wir uns von mir aus auch von Trainern und Beratern motivieren. Vergessen wir darüber aber nicht das Kerngeschäft.

Heute wehren wir uns noch gegen Versandhandel und Wettbewerbsverzerrungen. Morgen stehen wir auf dem Marktplatz, auf dem mit Euro gezahlt wird, übermorgen müssen sich die Apotheker fragen lassen, was ihre fachliche Qualifikation und pharmazeutische Leistung ausmacht.

Die Herausforderungen, so umschreibt man gerne eine ungewisse, schwer kalkulierbare, eher düstere Perspektive, kommen nicht überraschend auf uns zu. Sie sollten für sich persönlich auf die Fragen der Zeit Antworten finden und nicht darauf warten, bis es andere tun. Top

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