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BKK-Positionspapier für krassen Systemwandel

15.03.1999
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-PolitikGovi-Verlag

BKK-Positionspapier für krassen Systemwandel

von Karl H. Brückner, Bonn

Die Betriebskrankenkassen (BKK) stellen das Fremd- und Mehrbesitzverbot der Apotheker in Frage, plädieren für Krankenkassenrabatte nach Apothekenumsatzklassen und wollen in bestimmten Fällen Krankenhausapotheken die nachstationäre Versorgung von Patienten ermöglichen. Das geht aus dem "Positionspapier der Betrieblichen Krankenversicherung zur Strukturreform 2000" hervor, das der BKK-Bundesverband vorgelegt hat. Die Betriebskrankenkassen versichern rund neun Millionen Menschen

Gegenwärtig seien "immer noch 23.000 Arzneimittel nicht auf Wirksamkeit geprüft, aber dennoch grundsätzlich verordnungs- und erstattungsfähig", wird in dem 15 Seiten umfassenden Papier kritisiert. Für "umstrittene Arzneimittel" würden mehr als fünf Milliarden DM ausgegeben. Eine Positivliste könne "diesen Mißstand beseitigen und unter Berücksichtigung der Substitutionseffekte zu Einsparungen in Höhe von zwei Milliarden DM führen", rechnet der BKK-Verband vor.

Ferner sprechen sich die Betriebskrankenkassen dafür aus, die Festsetzung von Festbeträgen gesetzlich abzusichern und darüber hinaus "für alle nicht neuartig wirksamen Medikamente" wieder einzuführen. Im Rahmen von Arzneibudgets für Vertragsärzte sollten außerdem Richtgrößen und Arzneimittelrichtlinien "als weitere Elemente der Feinsteuerung und zur Qualitätssicherung wirksam werden".

Darüber hinaus wird eine Dreiteilung des Angebots "in unverzichtbare, umstrittene und sonstige" Präparate für sinnvoll erachtet. Die Zuzahlung für erstattungsfähige Medikamente sollte aufkommensneutral und prozentual zum Apothekenabgabepreis unter Berücksichtigung absoluter Höchstbeträge erfolgen, so der BKK-Verband weiter.

"Die möglichen und sinnvollen Vertriebswege sind offen und auf das Ziel der wirtschaftlichen Versorgung hin zu diskutieren", heißt es zum Thema "Vertriebswege". Zudem seien auch im Apothekenbereich "kostentreibende Angebotsstrukturen zu modernisieren". Insbesondere das Fremd- und Mehrbesitzverbot der Apotheker, das "eine ineffiziente und atomistische Struktur im Arzneimittelbereich konserviert", sei in Frage zu stellen.

Der Krankenkassenrabatt sollte sich nach Auffassung der BKK nach Umsatzgrößenklassen der Apotheken richten. Zudem sei den Krankenhausapotheken, wie bereits von den Ländern gefordert, das Recht einzuräumen, Patienten "in besonderen Fällen, zum Beispiel mit Zytostatikazubereitungen" auch nachstationär versorgen zu dürfen.Top

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