Pharmazeutische Zeitung online

Beim Typ-2-Diabetes rechtzeitig auf Insulin umsteigen

15.03.1999
Datenschutz bei der PZ

-PharmazieGovi-Verlag

Beim Typ-2-Diabetes rechtzeitig auf Insulin umsteigen

von Brigitte M. Gensthaler, Bad Mergentheim

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Ersteinstellung mit Insulin bei Typ-2-Diabetiker? "Wenn man mit Diät, körperlicher Aktivität und oralen Antidiabetika der Blutzucker nicht mehr gut kontrolliert werden kann und allgemein vielleicht früher als bisher."

Auf diesen knappen Nenner brachte es Martin Friedel, Assistenzarzt in der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim beim 8. Diabetes-Tag, den die Diabetes-Akademie und die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg am 6. März 1999 anboten. Sein Tip: Steigt der Nüchternblutzucker langsam an, deute dies auf ein Nachlassen der Pankreasfunktion. Bei Nüchternwerten über 126 mg/dl wird ein Diabetes diagnostiziert.

Von etwa vier Millionen Typ-2-Diabetikern in Deutschland spritzen etwa 700 000 Insulin. Durchschnittlich vergehen acht bis elf Jahre von der Diagnose der Stoffwechselkrankheit bis zur Erst-einstellung auf das Hormon. Der Therapieerfolg wird heute am Langzeitblutzucker, dem HbA1C, gemessen. "Gut" ist ein Wert unter 6,5 Prozent, als grenzwertig gelten 7,5; Werte über 7,5 deuten auf eine schlechte Diabetes-Einstellung (nach NIDDM-Policy-Group).

Für Friedel gibt es viele gute Gründe, rechtzeitig auf Insulin umzusteigen. Die exogene Zufuhr kann das Pankreas entlasten und mildert den glucotoxischen Effekt. Der Grund: Beim Typ-2-Diabetes wird das Hormon nach Kohlenhydratgabe zu spät freigesetzt und muß dann die hohen Zuckerspiegel regulieren. Selbst geringe gespritzte Insulinmengen verhindern den ersten Blutzuckeranstieg nach der Mahlzeit. Der Organismus wird sensibler für das Hormon, so daß mitunter für ein bis zwei Jahre eine Kombination von Insulin zur Nacht mit oraler Therapie tagsüber ausreicht. Manchen Patienten erleichtert dies den Einstieg in die "Spritzentherapie".

Wichtigster Pluspunkt: Eine gute Einstellung verbessert die Prognose für den Patienten. Eine möglichst physiologische Insulinkurve erreicht man aber nur mit der intensivierten Insulintherapie, die eine regelmäßige Blutzuckerkontrolle erfordert. Das häufig gehörte Argument "Insulin macht dick" ließ Friedel nicht gelten. In einer Untersuchung in der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim stellte er fest, daß viele Patienten zwischen Diagnose und Insulin-Ersteinstellung Gewicht verlieren. Dies sei Ausdruck des Insulinmangels. Wer viel abgenommen hat, legt auch viel zu; wer wenig Gewicht verloren hat, nimmt wenig zu. . Top

© 1999 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa