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Bonn in Baden-Baden

15.03.1999
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-EditorialGovi-Verlag

Bonn in Baden-Baden

von Hermann S. Keller
Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands (DAV)

n sieben Wochen ist es soweit: In Baden-Baden findet am Donnerstag und Freitag, den 6. und 7. Mai 1999, das 36. DAV-Wirtschaftsforum statt. Es beginnt am ersten Tag mit der Eröffnungsveranstaltung und Seminarangeboten. Highlight am zweiten Tag ist das standespolitische Infotainment zur Gesundheitspolitik.

Als Gäste unseres Infotainments haben wir unter anderen Rudolf Dreßler, stellvertretenden Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, eingeladen und Franz Knieps, Geschäftsführer im AOK-Bundesverband, aus dem Dr. Hermann Schulte-Sasse ins Bundesministerium für Gesundheit gewechselt ist. Sie werden aktuell berichten über den Stand der Gespräche in der Regierungskoalition zur Gesundheitsreform 2000: Eckpunkte, Detailregelungen und Fahrplan der Reform.

Noch ist uns in der Praxis unklar, was die neue Gesundheitsreform bringen wird. Vermeintliche Rezepte zur Mobilisierung von Wirtschaftlichkeitsreserven werden vorgeschlagen und wieder dementiert. Allein die These, eine Verbreiterung der Finanzbasis in der GKV sei nicht notwendig, wirft bei uns Praktikern Fragen auf. Derzeit können von rund 30 000 Krankheiten nur etwa ein Drittel adäquat behandelt werden. Zwei von drei Patienten leiden, weil die Forschung noch keine Arzneimittel oder/und andere Behandlungsmöglichkeiten entdeckt hat. Wir stehen also erst am Anfang von enormen Produkt- und Prozeßinnovationen für die Patienten.

Fortschritt ist notwendig - und die Investition macht sich bezahlt, wenn durch verminderte krankheitsbedingte Fehlzeiten in Betrieben die Produktion wieder läuft. In diesem Sinne ist eine zukunftsoffene Gesundheitspolitik immer auch erfolgreiche Arbeitspolitik.

Statt Innovationen in die Zukunft hören wir aus Bonn nur die Stichworte Positivliste, sektorübergreifendes Globalbudget und integrierte Versorgungsformen. Diese Richtung der neuen Gesundheitspolitik ist für uns noch wenig transparent. Mit anderen Worten: Wie soll die Positivliste letztlich aussehen, wer bestimmt, was auf diese Liste kommt und wann wird sie wie aktualisiert? Und das Globalbudget: Wer will wie die neuen sogenannten integrierten Versorgungsformen steuern? Sind sie am Ende wirklich wirtschaftlicher und gewährleisten sie eine hohe Versorgungsqualität? Wer kontrolliert das? Was verbirgt sich konkret unter der Öffnung von stationär zu ambulant?

Unsere Bonner Gäste werden uns Rede und Antwort stehen in Baden-Baden. Und Sie haben die Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen. Ich appelliere an alle Kolleginnen und Kollegen, diese Gelegenheit zu nutzen! Kommen Sie nach Baden-Baden und berichten Sie aus Ihrer Apotheke! Machen Sie der Politik klar, wie es in der Praxis wirklich aussieht, was Bonusverträge zu Lasten der Arzneimittelversorgung und der Patienten bedeuten! Reden Sie mit! Wir verschaffen Ihnen Gehör bei der Politik - direkt und konkret 7. Mai 1999 in Baden-Baden. Es ist Ihre Chance! Top

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