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PZ Nachrichten

08.03.1999  00:00 Uhr
PZ Pharmazeutische ZeitungGovi-VerlagPZ +++ Nachrichten +++   09.03. KBV: Hausärzte verdienen wie Fachärzte
dpa. Die Mehrzahl der Hausärzte verdient nach Darstellung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nicht weniger als niedergelassene Fachärzte. "Die Einkommenssituation der Hausärzte ist nicht so desolat, wie oft behauptet wird", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Winfried Schorre, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstag). Schorre wandte sich gegen die Absicht der Bundesregierung, bei der Gesundheitsreform den Hausärzten künftig einen festen Anteil an den Honoraren der Krankenkassen zu garantieren. Für den 20. März hat die KBV einen Kassenärztetag nach Köln einberufen, um gegen die Pläne der Regierung zu protestieren. Schorre berief sich in der Zeitung auf eine Studie der KBV, die zeige, daß in der Mehrzahl der Fälle der Praxisumsatz der Fachärzte in Westdeutschland jährlich nur 10 000 Mark über dem Umsatz der Hausärzte liege. Hausärzte seien nach der Studie in Westdeutschland auf durchschnittlich 337.000 Mark Praxisumsatz mit den gesetzlichen Krankenkassen gekommen. In den neuen Ländern hätten die Hausärzte 308.000 Mark Kassenumsatz erreicht.

08.03. Dressler gegen Kettenapotheken
PZ. Obwohl die Krankenkassen wieder danach rufen, will die Bundesregierung weder das Versandhandels- noch das Fremd- und Mehrbesitzverbot zur Disposition stellen. "Im Vordergrund steht der Versorgungsauftrag der deutschen Apotheken", sagte der SPD-Sozialexperte Rudolf Dressler auf einer vom Apothekeneinrichter Heitfeld ausgerichteten Veranstaltung. Auch an der Apothekenpflicht für Arzneimittel, "die wirklich welche sind", werde die Regierung nichts ändern. Die flächendeckende Versorgung werde gefährdet, wenn die öffentlichen Apotheken in einen Wettbewerb mit Anbietern gezogen werden, die nicht an der Sicherstellung der Versorgung beteiligt sind. Gegen Kettenapotheken spreche auch die Qualität der Versorgung, die beim Freiberufler höher sei als in der Kette. "Wer Qualitätsverbesserung auf seine Fahnen schreibt und gleichzeitig Kettenapotheken die Tür öffnen möchte, dem fehlt der gesundheitspolitische Sachverstand," so Dressler. Auch die erneut in den Bundesrat eingebrachte Initiative des Landes Berlin, Krankenhausapotheken stärker an bestimmten Bereichen der ambulanten Versorgung zu beteiligen, sieht der SPD-Politiker mit einiger Skepsis. Auch hierbei entstehe ein Wettbewerb mit ungleichen Mitteln. Alternative Vertriebsformen seien auch für Erprobungsmodelle ungeeignet, sagte Dressler. "Wenn die Tür erst einmal einen Spalt weit auf ist, dann geht sie nie wieder zu."

08.03. Jenaer Mediziner züchten Haut aus Haaren
dpa. Am Anfang ist es ziemlich schmerzhaft, Haut aus Haaren zu machen. "Die Haare müssen nämlich ausgerissen werden", sagt Uwe Wollina, Oberarzt der Jenaer Hautklinik. Nur in lebenden Haaren findet er die Zellen, aus denen sich Haut züchten läßt. Was dagegen morgens im Kamm hängt, ist schon abgestorben und für ihn nutzlos. 100 Haare zupft Wollina seinen Patienten aus, damit sie drei Wochen später ein rund 100 Quadratzentimeter großes Hautstück bekommen können. Gebraucht werden die Ersatzhäute vor allem für chronische Wunden. Sie entstehen unter anderem bei Gefäßerkrankungen, Diabetes oder Krankheiten des Fettstoffwechsels. Früher wurde den Patienten Haut von anderen Körperstellen vorsichtig abgezogen und mit allerlei Tricks auf die Wunde verpflanzt. "Die Ergebnisse waren aber relativ frustrierend, da diese Hautstücke nur eine sehr begrenzte Wachstumsfähigkeit haben", sagt Wollina. Inzwischen züchten die Forscher die Ersatzhaut lieber aus Zellen heran, da sie sich besser teilen und über die Wundstelle ausbreiten können. Außerdem sei Haut aus gezüchteten Zellen wesentlich widerstandsfähiger. "Ein Riesenvorteil dieses Verfahrens ist aber vor allem das exzellente kosmetische Ergebnis", sagt Wollina. Diese Züchtung von Keratinozyten, die sowohl in der Haarwurzel als auch in der Oberhaut vorkommen, testen derzeit mehrere deutsche Hautkliniken.

08.03. Raucher leben doppelt gefährlich
dpa. Raucher leben doppelt gefährlich: der regelmäßige Griff zum Glimmstengel ist nicht nur gesundheitsschädlich, sondern erhöht auch die Gefahr des Unfalltodes. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Davis bei einer Analyse von sechs großen internationalen Unfallstudien gekommen, teilte das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg am Montag mit. Demnach gehen Raucher ein eineinhalb mal so hohes Risiko eines unnatürlichen Todes ein wie Nicht- oder Exraucher. Andere Risikofaktoren wie Krankheiten oder Alkohol seien ausgeschlossen worden. Dabei blieben Zigaretten als höchst riskant übrig. Eingang in die Untersuchungen der kalifornischen Wissenschaftler fanden auch Daten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Ludwigshafen. Der Verbrennungsspezialist der Klinik, Günter Germann, meinte dazu: "Ein Drittel der Patienten, die bei uns eingeliefert werden, hat im Bett geraucht." Langfristig betrachtet sei das Rauchen bei einem Fünftel der in die Ludwigshafener Klinik gebrachten Patienten die Unfallursache, meinte Germann. Das Risiko schwerer Brandverletzungen sei höher, weil Raucher "geschädigte Blutgefäße, ein geschädigtes Herz und auch Durchblutungsprobleme im Gehirn" hätten. Die Widerstandskraft des Herz-Kreislauf-Systems gegen ein schweres Trauma wie eine Brandverletzung sei gering. Auch heilten Wunden sehr viel schlechter.

05.03. VFA sieht Positivliste als Innovationshürde
PZ. Die Pharmaindustrie lehnt die von der Koalition prinzipiell beschlossene Einführung einer Liste verschreibungsfähiger Arzneimittel ("Positivliste") in der gesetzlichen Krankenversicherung unverändert ab. Der mittelständisch geprägte Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) wies darauf hin, daß dem Kassenpatienten künftig nur noch eine beschränkte Zahl von Medikamenten zur Verfügung stehen werde. Arznei-Innovationen erhalte er wenn überhaupt erst verzögert, auf bewährte Präparate müsse er teilweise verzichten. Der Bundesfachverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH), der schwerpunktmäßig die Interessen der Selbstmedikationsanbieter vertritt, befürchtet, das Auswahlkriterium "therapeutischer Nutzen" könnte das Ende der besonderen Therapierichtungen, insbesondere der pflanzlichen Medikamente, bedeuten. Der Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller (VFA) kritisiert, die Positivliste drohe zur Innovationshürde zu werden. Der Nachweis von Wirksamkeit, Sicherheit und Unbedenklichkeit liege mit der Zulassung vor. Das zusätzlich vorgesehene Kriterium des "therapeutischen Nutzens", über das ein neues Gremium entscheiden solle, bringe nur Bürokratie und Zeitverzögerung.

05.03. Neuer Therapie-Ansatz bei Diabetes
dpa. US-Forscher haben einen neuen Ansatz zur Behandlung von Diabetes Typ II entdeckt, an dem inzwischen immer mehr Kinder erkranken. Bei Experimenten an Mäusen entdeckten die Forscher ein Enzym, das sie im US-Wissenschaftsmagazin Science (Band 283, Seite 1544) vom Freitag als ideale Zielscheibe künftiger Therapien vorstellen. Das Enzym PTP-1B (Protein-Tyrosin-Phosphatase-1) sitzt sozusagen am Hebel des Insulinhaushalts und reguliert damit auch den Blutzucker und das Körpergewicht. Sie nehmen an, daß es die Andockstelle für Insulin auf der Zelloberfläche blockiert. Brian Kennedy vom Merck Frosst Center für Therapieforschung in Pointe Claire-Doval (Quebec/Kanada) züchtete Mäuse, bei denen er das PTP-1B-Gen ausschaltete. Überrascht stellten er und seine Kollegen fest, daß diese Mäuse trotz extrem fetter und kalorienreicher Ernährung kaum zunahmen. Und sie entwickelten trotz äußerst ungesunder Kost auf Dauer keine Abwehr gegen das körpereigene Hormon Insulin, wie es bei Diabetikern vom Typ II üblich ist. Mit der Entdeckung dieses Enzyms ist bereits der nächste Schritt angepeilt, ein Medikament, das PTP-B1 bei Patienten mit Diabetes Typ II ausschalten würde. Experten sind entsetzt, daß sich der Patientenkreis der Typ-II-Diabetiker zusehends auf jüngere Jahrgänge ausdehnt. Mehrere Untersuchungen zeigen, daß die Zahl von Patienten im Kindes- und Jugendalter in den vergangenen fünf Jahren auf das Dreifache gestiegen war.

05.03. PVC-freie Infusionsbeutel
PZ. Die in Sachsen-Anhalt ansässige Serumwerk Bernburg AG hat eine Produktionsanlage für die Herstellung von Infusionslösungen in PVC-freien Beuteln in Betrieb genommen und hierfür 13 Millionen DM investiert. Die Anlage soll sowohl aufgrund des verwendeten Beutelmaterials Propyflex als auch der eingesetzten Maschinen und der technologischen Komponenten einmalig in Europa sein, wie Vorstand Dr. Helge Fänger vor der Presse ausführte. Propyflex weise die günstigen Eigenschaften von PVC wie geringes Gewicht, Transport- und Lagerfähigkeit sowie leichte Handbarkeit auf, und sei darüber hinaus nicht wasseredampfdurchlässig. Bislang wurden in Bernburg Dialyseprodukte lediglich im Lohnauftrag für andere Pharmaunternehmen hergestellt. Seit Beginn 1999 hat die Tochterfirma Serumwerk Vertrieb ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen. Damit wurde der Einstieg in das Marktsegment Dialyse vollzogen. Im Auftrag der Vertriebstochter stellt das Serumwerk Bernburg nun auch „Dialyselösung Kochsalz-Propyflex-Beutel" her.

04.03. ABDA sieht Fallstricke bei Positivliste
PZ. Die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände erwartet kaum Einsparungen durch die von der Bundesregierung geplanten Positivliste. Zudem sei die Einführung einer Positivliste "mit vielen Fallstricken verbunden, handwerkliche Fehler bei ihrer Einführung würden zu Lasten der Patienten gehen", erklärte ABDA -Präsident Hans-Günter Friese. Wenn man berücksichtige, daß nach der Marktzulassung der Arzneimittel durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Verordnung durch die Kassenärzte bereits durch die Arzneimittelrichtlinien und Negativlisten geregelt sei, ergäben sich ernsthafte Zweifel, ob mit einer Positivliste wirklich, wie von der Bundesgesundheitsministerin vermutet, eine Qualitätsverbesserung erreicht werden könne. Grundsätzlich sei Arzneimittelvielfalt patientenfreundlich, weil damit auch eine therapeutische Vielfalt eröffnet werde. Der Vermutung des SPD-Gesundheitspolitikers Rudolf Dreßler, mit einer Positivliste jährlich Arzneimittelausgaben von 6 bis 7 Milliarden DM einsparen zu können widersprach Friese. Mit einer Positivliste werde nicht die Behandlungsnotwendigkeiten reduziert, sondern das Spektrum der verordnungsfähigen Arzneimittel begrenzt. Dies reduziere aber nicht per se die Ausgaben.

03.03. Regierung einigt sich über Reform
PZ. Die Gesundheitspolitiker der Koalition in Bonn haben sich über die Gesundheitsreform 2000 geeinigt.  Es wird eine Positivliste für Arzneimittel und eine Dreiteilung der entsprechenden Zuzahlung für Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung geben. Vorgesehen ist, daß beim Bundesausschuß Ärzte und Krankenkassen ein Institut "Arzneimittel in der Krankenversicheurng" gegründet wird. Mitglieder sind elf Experten, die vom Bundesausschuß ernannt werden. Beim Bundesgesundheitsministerium wird dazu eine Geschäftsstelle eingerichtet. In der Positivliste selbst sollen auch Medikamente der besonderen Therapierichtungen Phytotherapie, Homöopathie und Anthroposophie aufgenommen werden. Bewußte Ausschlüsse soll es nicht geben. Die Zuzahlungshöhe wurde jedoch noch offengehalten. Sie wird sich höchstwahrscheinlich nach dem Finanzbedarf der Krankenkassen ausrichten. Die baden-württembergischen Apotheker sind über die Ausgestaltung der von SPD und Grünen angekündigten Positivliste von Arnzeimitteln verunsichert. Die Regierung habe sich noch nicht dazu geäußert, ob die Liste nach Wirkstoffen oder nach Handelsnamen gegliedert sein solle, sagte eine Sprecherin des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg am Mittwoch auf Anfrage. Eine Sprecherin der Landesapothekerkammer befürchtet, daß durch die Liste die "bestehende Behandlungsvielfalt hinweggefegt" wird. Bei der Aufnahme von Handelsnamen stellt sich für die Apotheker die Frage der Aktualität.

03.03.Kassen gaben 33,4 Milliarden für Arznei aus
PZ. Für Arzneimittel aus Apotheken haben die gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr 33,4 Milliarden DM ausgegeben, rund 1,4 Milliarden DM mehr als 1997. Je GKV-Mitglied sind die Arzneiausgaben 1998 um 4,8 Prozent gestiegen. Das ergibt sich aus dem vorläufigen Finanzergebnis, das heute in Bonn das Bundesgesundheitsministerium veröffentlicht hat. Die Ausgabenexpansion bei Medikamenten übertraf damit trotz der stark gestiegenen Patientenzuzahlungen die der Leistungs-ausgaben insgesamt deutlich, die nur um 1,8 Prozent zunahmen. Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung legten um 3,4 Prozent je Mitglied zu, die Kassenhonorare für Vertragsärzte um 1,8 Prozent. Mit 5,5 Prozent nahmen die Arzneiausgaben in Westdeutschland mehr als doppelt so stark zu wie in den neuen Bundesländern (1,9 Prozent). Bei knapp 107 Prozent vom Westniveau sind die Arzneiausgaben je Mitglied im Osten aber noch immer höher als im Westen.

03.03. Leukämie oft genetisch bedingt
PZ. Wissenschaftler sind der Ursache für Blutkrebs (Leukämie) einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Ein verändertes Gen soll für rund ein Viertel aller Fälle von Leukämie verantwortlich sein. Das haben Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Harvard Medical School in Boston (USA) herausgefunden. Der Münchner Professor Wolfgang Hiddemann bezeichnete die Entdeckung am Mittwoch als "sensationell". "Das Gen wirkt für die Blutzellenbildung wie ein Schalter", erläuterte der Hämatologe vom Universitätsklinikum Großhadern. Von rund 100 in einem ersten Schritt untersuchten Leukämiepatienten hätten 25 eine veränderte Zusammensetzung des Gens gezeigt. Die Wissenschaftler wollen mit den Erkenntnissen nun eine neue Therapie gegen Leukämie entwickeln: Als Ergänzung zur Bestrahlungstherapie sollen sogenannte Wachstumsfaktoren, die auf das Gen einwirken, eingesetzt werden. "Die Genveränderung kann man jetzt beim Patienten mit Hilfe der Molekularbiologie relativ leicht nachweisen", sagte Hiddemann. Eine genetische Untersuchung zur Früherkennung von Leukämie sei in Zukunft denkbar.
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