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Mit uns, Frau Fischer

08.03.1999  00:00 Uhr

-EditorialGovi-Verlag

Mit uns, Frau Fischer

von Hans-Günter Friese
Präsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

Jetzt sind sie da: die Eckpunkte zur Gesundheitsreform 2000, vereinbart zwischen den Arbeitskreisen "Gesundheit" der Fraktionen SPD und Bündnis 90/Die Grünen sowie dem BMG. Sie bilden die Grundlage für das neue Gesetz, zu dem ein Referentenentwurf bis zum Mai vorliegen soll. Die erste Lesung im Deutschen Bundestag ist bereits für Juli geplant. Zuvor soll mit den wichtigsten Verbänden im Gesundheitswesen eine öffentliche Diskussion geführt werden. Mit anderen Worten: Jetzt sind wir gefragt.

Als Experten aus der Praxis können wir dem vorliegenden Eckpunktepapier nicht zustimmen. Das Richtige wollen reicht eben nicht. Wir teilen die Ziele der Gesundheitsreform. Auch wir wollen die Sicherung einer qualitativ hochwertigen, zweckmäßigen und wirtschaftlichen Gesundheitsversorgung, den effizienten Einsatz der Finanzmittel und eine dauerhafte Stabilisierung der Beitragssätze. Aber wir sind der Überzeugung, daß diese Ziele mit den vorgesehenen Maßnahmen des Eckpunktepapiers nicht erreicht werden können.

Da ist zum einen die Grundthese des gesamten Eckpunktepapiers, daß die Wirtschaftlichkeitsreserven des Gesundheitswesens ausreichen würden, die Zukunftsaufgaben der GKV zu bezahlen. Angesichts der demographischen Entwicklung und der notwendigen Innovationen im Gesundheitswesen - auch und gerade bei innovativen Arzneimitteln - erscheint diese These eher praxisfern.

Zum anderen sind einzelne Eckpunkte und vorgesehene Maßnahmen nicht nachvollziehbar. So werfen die konkreten Vorstellungen der Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung Fragen auf. Die Rede ist von einer Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante fachärztliche Versorgung. Damit würde der stationäre Sektor zu Lasten des ambulanten ausgeweitet - das käme einer feindlichen Übernahme durch einen nachweislich kostenintensiveren Sektor gleich und wäre gegen alle Vernunft. Gerade umgekehrt haben es alle Experten im Gesundheitswesen immer gefordert: ambulant vor beziehungsweise statt stationär, wo es möglich ist! Nur so kann die GKV wirklich Kosten einsparen und den Patienten eine wohnortnahe Versorgung bieten.

Auch die beabsichtigte Wirkung eines Globalbudgets und neuer Vertragsgestaltungen durch Krankenkassen auf die Stabilisierung der Beitragssätze muß bezweifelt werden. Das Eckpunktepapier sieht im Kern eine gemeinsame Abrechnung von Leistungserbringern in bisherigen Versorgungsstrukturen und in neuen Netzen vor - hat aber die neuen "Mitverdiener" in der GKV nicht mitgerechnet. Dazu zählen Rückversicherungen, die mit Praxisnetzen Verträge abschließen und auf diesem Wege aus dem Topf der GKV profitieren wollen - zu Lasten der wirklichen Leistungsträger in der GKV.

In der Arzneimittelversorgung soll eine Positivliste mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit bringen, heißt es aus Bonn. Die Realität konfrontiert diesen Vorschlag mit Fakten: Nachdem die Arzneimittel vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen sind, ist ihre Verordnung von Ärzten bereits geregelt durch Arzneimittelrichtlinien und die Negativliste. Eine weitere Positivliste würde nur die Vielfalt an Arzneimitteln reduzieren und nicht die jeweilige Behandlungsnotwendigkeit am Patienten. Die Reaktion der Ärzte ist klar: Wo Patienten Arzneimittel brauchen, stellen sie ihre Verordnung einfach um - auch, wenn's dann teurere Arzneimittel auf Kosten der GKV gibt.

Diese und andere Antworten der Praxis auf weltfremde Gesetzesregelungen wird es geben. Wir Apotheker wollen das nicht, Frau Fischer! Wir wollen praxisgerechte Regelungen unter Einbeziehung unserer Vorstellungen. Wir sind bereit zum Dialog. Top

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