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Frankfurter Wirtschaftstage: Agieren statt reagieren

02.03.1998  00:00 Uhr

-Politik

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Frankfurter Wirtschaftstage:
Agieren statt reagieren

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"Die Zeiten für Apotheken und Apotheker sind nicht rosig", stellte Otto Späth, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbands (HAV), kurz und bündig fest. Budgets, Richtgrößen und Bonusverträge verheißen Umsatzrückgänge in beachtlicher Höhe. Es könne in diesem System etwas nicht mehr stimmen, wenn Ärzte fürchten müssen, für den Einsatz einer wirkungsvollen Therapie bestraft zu werden und gleichzeitig davon profitieren sollen, wenn sie ihre Verordnungen gegen Null fahren. "Wir wehren uns nicht gegen den wirtschaftlichen Einsatz von Arzneimitteln, sondern gegen die Aushöhlung der Qualität der Arzneimittelversorgung", so der HAV-Vorsitzende. Dies habe nichts mit sinnvoller Pharmakotherapie zu tun, sondern ausschließlich mit Sparen unter Qualitätsverzicht.

Solange Bonusverträge modellhaft ohne Beteiligung der Apotheker erprobt werden, soll das qualitative Element offenbar bewußt ausgeschaltet werden, so Späth. Ein hohes Maß an Arzneimittelsicherheit könne nur dann gewährleistet werden, wenn der apothekerliche Sachverstand auf allen Ebenen eingebunden werde.

Als Zeichen für die Leistungsbereitschaft des Berufsstandes führte Späth die hochqualifizierten Möglichkeiten der Arzt- und Arzneimittelinformation an. "Über unsere Rechenzentren stellen wir den Apotheken umfassendes Informationsmaterial über das Verordnungsverhalten der Ärzte zur Verfügung, so daß auch auf dieser Ebene ein Höchstmaß an sicherer Information gegeben ist". Späth bedauerte allerdings, daß die Ärzteorganisationen sehr oft nicht daran interessiert seien, den einzelnen Arzt anhand der Daten, die die Apotheker haben, voll umfänglich über sein Verordnungsverhalten und das wirtschaftliche Volumen seiner Verordnungen zu informieren. Hier müsse Abhilfe geschaffen werden.

Ein Überblick des HAV-Vorsitzenden über das Kongreßprogramm zeigte: Das Angebot wendet sich an aufgeschlossene, entwicklungsfähige Kolleginnen und Kollegen, die im dynamischen Wirtschaftsprozeß nicht stillstehen wollen. Die Selbstmedikation zum Beispiel gehöre in die verantwortungsvolle Hand des Apothekers. Das Arzneimittel dürfe nicht zum willkürlichen Konsumgut werden, das nach den Prinzipien des Sommer- und Winterschlußverkaufs auf den Markt geworfen werde.

Von der Politik erwartet der Berufsstand nach Späths Worten Planungssicherheit in Form von verläßlichen Entscheidungen. Dies gelte für das Verbot des Versandhandels von Arzneimitteln auch aus dem europäischen Ausland, für die Festigung der Arzneimittelpreisverordnung und die Eingrenzung des Zuständigkeitsbereichs der Krankenhausapotheken auf den stationären Bereich. Späth warnte: Eine soziale und ökonomische Demontage der Apotheker komme einer Demontage eines tragenden Teils des deutschen Gesundheitswesens gleich.

PZ-Artikel von Gisela Stieve, Frankfurt am Main
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