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Fluoridtherapie bei Osteoporose

02.03.1998  00:00 Uhr

-Medizin

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Fluoridtherapie bei Osteoporose

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<"Die unbehandelte Osteoporose stellt in vielen Fällen ein Ticket ins Alters- oder Pflegeheim dar." So drastisch beschreibt Professor Dr. Helmut W. Minne, Bad Pyrmont, die möglichen Folgen der Knochenerkrankung, die keineswegs nur ältere und alte Frauen betrifft. Über 1,8 Millionen Frauen und 0,8 Millionen Männer in Deutschland leben mit Wirbelkörpereinbrüchen.

Jährlich erleiden bis zu 150.000 Menschen einen Oberschenkelhalsbruch, der die Fähigkeit, ein selbständiges Leben zu führen, erheblich einschränken kann. Innerhalb des ersten Jahres sterben 12 bis 20 Prozent der Patienten. Unbehandelt kommt die Osteoporose nicht zum Stillstand; die Deformierung der Knochen nimmt kontinuierlich zu. Je mehr Deformierungen, umso höher ist der Anteil an Patienten, die in ihrem täglichen Leben auf Fremdhilfe angewiesen sind. Nach Minnes Ansicht wäre die Hälfte der Oberschenkelhalsbrüche vermeidbar durch Hüftprotektoren, Anpassung der Lebensverhältnisse und der Wohnung sowie pharmakologische Maßnahmen.

Ein Stufenschema zur Therapie der Osteoporose sieht als Basis eine ausreichende Calcium- und Vitamin-D-Versorgung vor. Körperliche Aktivität stabilisiert Knochen und Bewegungsapparat. Hinzu kommen antiresorptive und osteo-anabole Arzneimittel. Bei den anabolen Stoffen haben derzeit nur die Fluoride praktische Bedeutung, erläuterte Professor Dr. Johann Diederich Ringe, Leverkusen, bei der Einführungspressekonferenz einer Fluorid-Calcium-Brausetablette (Fluoril® 600/10, Novartis Pharma).

Heute werde eine Tagesdosis von 15 bis 20 mg Fluoridionen empfohlen. Das Ion wird aus Monofluorphosphat (MFP) besser resorbiert als aus Fluorid; MFP ist zudem besser magenverträglich. Die Brausetablette, die 500 mg Calcium- und 10 mg Fluoridionen enthält, wird zweimal täglich unabhängig von den Mahlzeiten genommen.

Dem Manko der Fluoride, daß bei hochdosierter Gabe zwar die Knochendichte um 8 bis 12 Prozent pro Jahr steigt, jedoch minderwertiger Knochen gebildet wird, will man mit der Dosis begegnen. Ein moderater Anstieg der Knochendichte um 4 bis 6 Prozent jährlich sei günstiger. Ringe empfahl, die Fluoridgabe immer mit Calcium zu kombinieren; dies soll verhindern, daß der neugebildete Knochen untermineralisiert wird. Die Therapie ist nach drei bis vier Jahren zu beenden. Ferner ist die Fluoriddosis bei eingeschränkter Nierenfunktion anzupassen. Bekommt der Patient Schmerzen an den unteren Gliedmaßen, besonders im Sprunggelenk, soll die Therapie für einige Wochen unterbrochen werden.

Die Fluorid/Calciumgabe ist keine Konkurrenz zur Hormonersatztherapie bei Frauen in der Postmenopause. Für Dr. Jutta Semler, Berlin, ist sie dann indiziert, wenn die Frauen Hormone nicht vertragen, ablehnen oder Kontraindikationen bestehen. Mögliche Einsatzgebiete sieht sie ferner bei Frauen, bei denen die Menopause mehr als zehn Jahre zurückliegt, bei erkrankten Männern und bei sekundärer, meist Corticoid-induzierter Osteoporose.

PZ-Artikel von Brigitte M. Gensthaler, München
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