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Die Zukunft sichern und gestalten

02.03.1998  00:00 Uhr

-Editorial

Govi-Verlag

Die Zukunft sichern und gestalten

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von Christoph Beck
Präsident der Landesapothekerkammer
Baden-Württemberg


Die Zukunft sichern und gestalten, dieses Ziel haben sich Vorstand und Vertreterversammlung der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg zu Beginn der Wahlperiode im Jahre 1994 gesetzt. Die Kammer soll ihre Mitglieder nicht in erster Linie in ihren beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten einschränken, sondern neue Chancen für sie suchen und eröffnen. Mit dieser Intention haben wir im Frühjahr 1997 auch die Einladung des Sozialministeriums Baden-Württemberg angenommen, über eine Neugestaltung der Apothekenüberwachung zu diskutieren.

Kollege Dr. Hermann Vogel, Präsident der Bayerischen Apothekerkammer und Vizepräsident der Bundesapothekerkammer, hat an dieser Stelle (PZ Nr.9 vom 26. Februar 1998) den Stand der Diskussion bei der Bundesapothekerkammer zu diesem Thema wiedergegeben. Seine Worte lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Was die Handlungsempfehlungen für die Apotheker Baden-Württembergs angeht: Vielen Dank und allen Respekt, Herr Kollege, ich bin aber sicher, Vorstand und Vertreterversammlung unserer Kammer werden die richtigen Entscheidungen treffen und die nötigen Schritte unternehmen!

Wir sind mit der Arbeit unserer ehrenamtlichen Pharmazieräte in Baden-Württemberg sehr zufrieden und wünschen uns keine Änderung dieses Systems. Wir wollen auch keine Einführung von Gebühren für die Apothekenbesichtigung - sie ist bisher kostenlos. Das Land beabsichtigt jedoch für die Zukunft die Einführung von Gebühren.

Zum bisherigen zeitlichen Ablauf. Der Vorstand der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg hatte dem Ministerium bereits im September 1997 mitgeteilt, daß er die Übertragung der bisher von den Regierungspräsidien wahrgenommenen Aufgaben auf die Kammer "für den falschen Weg" hält. Im Dezember 1997 hat der Sozialminister des Landes, Dr. Erwin Vetter, dann persönlich die Initiative ergriffen und uns intensiv zu weiteren Gesprächen aufgefordert. Unter anderem verwies er auf die seiner Ansicht nach bestehende Möglichkeit, die Apothekenüberwachung auf eine Institution wie den TÜV zu übertragen. Unter diesem Aspekt kam ein weiteres Gespräch zustande, bei dem das Ministerium das von Vogel in seinem Editorial zitierte Arbeitspapier vorlegte.

Das Papier enthält nichts grundsätzlich Neues, sondern nach circa einem Jahr Verhandlungsdauer die umfassende Aufstellung aller zur Übertragung vorgesehenen Aufgaben. Der Zwischenruf vom BAK-Vizepräsidenten kommt etwas spät - BAK und Vertreterversammlung wurden über die wesentlichen Verhandlungspositionen bereits in mehreren Sitzungen im Jahre 1997 informiert. Die BAK hat sich mit dieser Thematik so ausführlich beschäftigt, da sie befürchtet, ein "Modell Baden-Württemberg" diene als Vorbild auch für andere Kammern.

Unsere Gespräche mit dem Ministerium sind kein Kriegsschauplatz: von einem "Überwälzen" der Überwachungsaufgabe ist niemals die Rede gewesen. Gegen den Willen der Kammer wird das nicht geschehen. Wir werden die Politiker im Lande, wie das bei uns üblich ist, über die Situation informieren und unsere Meinung gemeinsam mit dem LAV deutlich genug sagen.

Was ist das Ziel unserer Kammer? Wir streben an, die Apotheken vor unnötiger Bürokratie zu bewahren und sie vor der Willkür von Überwachungsbeamten, die es leider auch gibt, zu schützen - egal woher sie kommen. Wir bieten an, durch Einführung von qualitätssichernden Maßnahmen, regelmäßige Eigenkontrollen oder durch Einführung von überwachungskonformen QM-Systemen zu einer Reduzierung des Überwachungsaufwandes beizutragen. Die Landesapothekerkammer ist dazu bereit, Aufgaben und Zuständigkeiten in diesem Bereich zu übernehmen und gegebenenfalls zum Beispiel Pharmazieräte in dieser Hinsicht zu schulen. Wir gehen davon aus, daß viele Kolleginnen und Kollegen diesen Weg gerne mitgehen werden. Denn sie wollen mehr Selbstverantwortung und weniger staatliche Gängelung.

Eine interessante Aufgabe stellt sich in diesem Zusammenhang in den nächsten Monaten für die BAK, wenn es um die Frage einer Modernisierung der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) auf Initiative des Bundesrats geht. Sowohl die Frage einer Modernisierung des § 25 als auch der Analysenmethoden, das bedeutet unter anderem die Befreiung von unnötigen "Museums-Glasgeräten" und umweltbelastenden Chemikalien, muß unseres Erachtens diskutiert werden - mit entsprechenden Auswirkungen auf die Überwachung.

Wir haben in dieser Hinsicht unsere Hausaufgaben zu erledigen, sonst wird uns allen eine ApBetrO und eine Apothekenüberwachung übergestülpt, die uns jahrelange Bauchschmerzen bereiten werden. Wir müssen uns dabei bewußt sein, daß die Bundesländer der Ansicht sind, der öffentliche Überwachungsaufwand müsse verringert werden - ob uns das gefällt oder nicht.

Die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg wird sich auch in Zukunft nicht damit begnügen, nur zu verwalten und zu verhindern. Wir werden auf jeden Fall den steinigen Weg des Mitgestaltens gehen. Top

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