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01.03.1999
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PZ Pharmazeutische ZeitungGovi-VerlagPZ +++ Nachrichten +++   02.03. Frühwarnsystem für Nebenwirkungen
dpa. 2.000 Patienten sterben jährlich in Deutschland nach Expertenansicht an den Nebenwirkungen von Arzneimitteln. Etwa drei Prozent der Patienten, die in internistische Abteilungen von Krankenhäusern eingewiesen werden, seien zudem wegen Neben- oder Wechselwirkungen von Medikamenten erkrankt. Diese Zahlen nannte die Professorin für klinische Pharmakologie, Petra Thürmann, von der Privatuniversität Witten/Herdecke am Dienstag. Sie sprach sich für eine stärkere Erforschung der Nebenwirkungen aus. In einem Großkrankenhaus mit rund 1.000 Betten werden laut Thürmann durchschnittlich rund 2.000 Medikamente ständig verwendet. Die wissenschaftliche Erforschung und Beobachtung der Effekte dieser eingesetzten Arzneimittel könnten jedoch "den Patienten viel Leid und den Krankenkassen viel Geld ersparen". An der Privatuniversität, an der klinische Pharmakologie Bestandteil der Medizinerausbildung ist, werde derzeit an einem computergestützten "Frühwarnsystem" gearbeitet, um Nebenwirkungen bei Patienten schnell zu registrieren oder möglicherweise zu vermeiden.

01.03. Estrogenähnliche Chemikalien unschädlich
PZ. Estrogenähnliche Industriechemikalien haben keine schädigende Auswirkung auf die Fortpflanzungsfähigkeit des Menschen. Dies geht aus einem Forschungsprojekt im Auftrag des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)hervor. Erste Ergebnisse des an den Universitäten Dortmund, Kaiserslautern, Köln und Lübeck laufenden Forschungsvorhabens stellte der VCI jetzt in Bonn vor. Untersucht wurden die Auswirkungen der Chemikalien Nonyphenol, Octyphenol, Bisphenol A und DDT. Ihre Auswirkungen wurden mit den Phytoestrogenen Daidzein und Genistein verglichen, die in vielen Lebensmitteln enthalten sind. "Im Verhältnis zu den mit der Nahrung aufgenommenen Stoffen ist die hormonelle Wirkung der industriell erzeugten Substanzen zu vernachlässigen. Im Tierversuch mit Ratten betrug die estrogene Aktivität von Alkylphenolen maximal ein Hundertstel der Aktivität des Nahrungsbestandteils Daidzein", erklärte Projektleiter Professor Dr. Dr. Hermann Bolt, Direktor der Abteilung Toxikologie und Arbeitsmedizin an der Universität Dortmund.

01.03. Keine absolute Sicherheit bei Blutprodukten
PZ. Auch wenn sich die Testverfahren für Blutprodukte in den vergangenen Jahren sukzessive verbessert haben, können die Präparate immer noch mit Viren kontaminiert sein. Allein die PCR-Technik liefere eine sichere Information, ob eine Blutspende durch Hepatitis-Viren belastet sei, sagt Dr. Johannes Löwer vom Paul-Ehrlich-Institut in Langen. In den vergangenen Jahren habe es immer wieder einzelne Virusinfektionen gegeben, die durch Blutprodukte übertragen worden waren, berichtete Löwer auf einer Veranstaltung während der Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung am 26. Februar in Mannheim. Am häufigsten seien die Hepatitiden, vor allem die Typen B und C; HIV-Infektionen seien dagegen extrem selten. Der Grund dafür ist das diagnostische Fenster der bislang angewandten Antikörper-Screening-Methoden bei Hepatitiden. In Untersuchungen habe sich gezeigt, daß diese Tests Hepatitis-C-Infektionen erst zwei Monate später nachweisen können als die sensiblere PCR-Technik, bei der die Virus-DNA zuerst vermehrt und dann nachgewiesen wird. Bis zum Frühjahr sei das Problem gelöst, kündigte Löwer an. Ab dem 1. April 1999 müssen alle Produkte mit der PCR-Technik getestet werden.

01.03. Frankreich verbietet Quecksilberthermometer
dpa. Frankreich zieht Fieberthermometer mit Quecksilber aus dem Verkehr. Der Verkauf ist seit diesem Montag verboten, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Austretendes Quecksilber beim Zerbrechen der Thermometer gefährde die Gesundheit und die Umwelt. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, diese Thermometer in den Apotheken zum Recycling abzugeben. In Deutschland sind die Thermometer weiterhin erhältlich. Ihr Verkauf ist jedoch in den vergangenen Jahren zugunsten der batteriebetriebenen Thermometer stark zurückgegangen.

26.02. Rekordverdächtiger Internet-Arzt in Dänemark
dpa. Ein "Netzdoktor" ist in Dänemark zum größten Internet-Hit der letzten zwölf Monate geworden. Das bekommt auch die etablierte Ärzteschaft zu spüren. "Zu mir kommen laufend Patienten mit kiloweise ausgedruckten Unterlagen zu ihrem Gebrechen aus dem Netzdoktor", berichtete ein Hausarzt im Kopenhagener Rundfunk. Mit knapp 400.000 Besuchen pro Woche gehört "www.netdoktor.dk" nach eigenen Angaben zur Spitzengruppe auf den dänischen Netz-Hitlisten. Über 400 Krankheiten wird dort in leicht verständlicher Form informiert. 75 an dem Projekt beteiligte Mediziner beantworten außerdem schriftliche Anfragen, Nutzer können in Gesundheits-Foren miteinander chatten, und Patienten-Organisationen informieren über ihre Aktivitäten. Trotz des betont seriösen Anstrichs ist die Meinung der Fachwelt über den Netzdoktor geteilt. Besonders scharf kritisiert Torben Pedersen, Chef des dänischen Ärzteverbandes, daß die Internet-Ärzte per E-Mail auch Ratschläge an psychisch Kranke und selbstmordgefährdete Fragesteller geben. Gerade hier könne ein Internet-Doktor keine ähnlich qualifizierten Diagnosen stellen wie sein Kollege nach einer persönlichen Begegnung. Herzspezialistin Hanne Elming findet die komplette Finanzierung des Web-Dienstes durch Sponsoren und Werbeeinnahmen aus der Pharmaindustrie problematisch. "So ist dem Patienten der Name eines Unternehmens schon eingetrichtert, wenn er dann mit seinem Problem wirklich zum Arzt geht", meint Elming.

26.02. CDU/CSU fordert Senkung des Arztbudgets
PZ. Die Gesundheitspolitik der rot-grünen Koalition ist ein Weg in die Staats- und Listenmedizin. Das hat der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Lohmann, in der Haushaltsdebatte des Bundestages kritisiert. "Sie wenden sich von der dringend erforderlichen Eigenverantwortung ab und bewegen sich in Richtung Überforderung des Solidaritätsgedankens, sie schaffen noch mehr Bürokratie- und Kontrollvorschriften, sie schüren alte Neidkampagnen gegen Leistungserbringer, die nach Ihrer Auffassung eigentlich alle zu viel verdienen", sagte Lohmann. Mit der geplanten Positivliste für erstattungsfähige Arzneimittel ist nach Auffassung Lohmanns kein Geld zu sparen. Ob 30 Milliarden DM für einen Markt mit 50.000 Arzneimitteln oder für einen mit 8000 Präparaten ausgegeben werde, sei letztlich einerlei. Helfen würde da nur ein Substitutionsverbot für den Arzt, verbunden mit einer Absenkung des Arzneibudgets von beispielsweise zwei Milliarden DM. Ansonsten sei das ein Weg in die Listenmedizin, der die Therapiefreiheit einschränke, gab der Parlamentarier zu bedenken.

26.02. Resistente Bakterien aus dem Tierfutter
dpa. Amerikanische Wissenschafter haben Antibiotika-resistente Darmbakterien in Hühnerfutter nachgewiesen. Ihre Forschungsergebnisse weisen darauf hin, daß die Enterokokken über Tiere auf den Menschen gelangen können. Nach der am Freitag in der britischen Fachzeitschrift The Lancet (Band 353, Seite 722) veröffentlichten Studie fanden die Forscher von der Maryland School of Medicine in den USA Enterokokken, die mit gängigen Antibiotika nicht abgetötet werden konnten. Resistente Enterokokken sind in Europa und den USA eine der Hauptursachen für Infektionen im Krankenhaus. Einer der beteiligten Wissenschaftler, Richard Schwalbe, schreibt im Lancet: "Die Identifizierung äußerst resistenter Enterokokken in Tierfutter wirft beunruhigende Fragen über den möglichen Befall von Nahrungstierpopulationen in den USA und die Risiken für Menschen auf."

26.02. Männer greifen häufiger zu Medikamenten
dpa. Zumindest bei Erkältungen sind Deutschlands Männer tatsächlich wehleidiger als Frauen: Deutlich mehr Vertreter des anscheinend gar nicht so starken Geschlechts greifen regelmäßig zu Vitamintabletten sowie zu Mitteln gegen Husten, Schnupfen und Halsschmerzen, ergab eine am Freitag in München veröffentlichte Umfrage im Auftrag der Zeitschrift "Meine Familie & ich". Bei der repräsentativen Umfrage wurden mehr als 20.000 Bundesbürger befragt. Fast elf Millionen deutsche Männer nehmen demnach Vitamintabletten, bei den Frauen sind es gerade 7,3 Millionen. Auch beim Verbrauch von Halsschmerzmitteln sowie bei Mitteln gegen Husten und Schnupfen liegen die Männer deutlich vor den Frauen. Selbst bei Mitteln gegen Kopfschmerzen sind die Männer eindeutig in der Überzahl: Fast jeder zweite von ihnen (47 Prozent) schluckt Tabletten, bei den Frauen sind es nur 35 Prozent.

25.02. Grippewelle auf neuem Höchststand
dpa. Die Grippewelle ist in der vergangenen Woche sprunghaft gestiegen und hat nach Karneval einen weiteren Höchststand erreicht. Das meldet die Arbeitsgemeinschaft Influenza in Marburg am Mittwoch, die wöchentlich Krankheitsfälle von 600 Arztpraxen auswertet. Der Anteil der hustenden und schniefenden Patienten in den Praxen sprang innerhalb einer Woche im Bundesschnitt von 15,4 auf 18 Prozent. Ein Großteil der Erkrankungen sei auf Grippe zurückzuführen, sagte der Leiter der Arbeitsgemeinschaft, Helmut Uphoff. Ein Anstieg nach Karneval sei erwartet worden. Ein besonders starker Anstieg der Atemwegserkrankten von 15 auf 20 Prozent der Arztbesucher sei in Nordrhein-Westfalen registriert worden. Im Süden Deutschlands bleibe die Grippewelle auf hohem Stand konstant: Die meisten Menschen Infekte wurden mit 22,6 Prozent der Praxisbesuche in Baden-Württemberg registriert. Im bislang weniger betroffenen Norden breiten sich die Erreger nun auch weiter aus. Die neuen Bundesländer seien mit rund 15 Prozent weniger stark betroffen. In Sachsen gingen die Erkrankungsfälle in Praxen von 18,8 auf 14,5 Prozent zurück.

24.02. Schmerzexperten kritisieren Politik
PZ. Bessere Therapiekonzepte bei Schmerzpatienten scheitern nach Meinung von Experten an einer kontraproduktiven Gesundheitspolitik. Nur 3,6 Prozent aller Patienten, die starke Opioide brauchen, erhalten die erforderliche Behandlung, beklagte Dr. Gerhard Müller-Schwefe, zum Auftakt des 10. Deutschen Schmerztages am 24. Februar in Frankfurt. Zwar habe der Morphinverbrauch in Deutschland von 1996 bis 1998 um 30 Prozent zugenommen. Die Bundesrepublik sei aber noch lange nicht auf dem Niveau anderer europäischer Staaten angelangt. "Nur jeder dreißigste, der die Substanz braucht, bekommt sie auch", sagte Müller-Schwefe, Präsident des 10. Deutschen Schmerztages. Trotzdem sehe die Regierung keinen Handlungsbedarf. Die Versorgung chronisch schmerzkranker Menschen wird bei uns nicht nur behindert, sondern vielfach verhindert", kritisierte auch der Hamburger Schmerztherapeut Dr. Dietrich Jungck. Bei den Berechnungen der Arzneimittelbudgets blieben teure aber unverzichtbare Medikamente oft unberücksichtigt. Die Schmerzspezialisten forderten in Frankfurt deshalb, die Verordnungskosten für chronisch Schmerzkranke aus dem Budget auszuklammern und den Mehrwertsteuersatz für Arzneimittel zu senken.

24.02. Wachstumsmarkt Klinikapotheken 
PZ. Einen erheblichen Wachstumsmarkt für den pharmazeutischen Großhandel sieht der Vorstandsvorsitzende der Sanacorp Pharmahandel AG, Dr. Jürgen Brink, in der Belieferung von Krankenhausapotheken. Hier könne der Großhandel wesentlich zur Optimierung der Arzneimittelversorgung beitragen. Sanacorp will diesen Marktanteil konsequent ausbauen, sagte Brink bei der Halbjahrespressekonferenz am 23. Februar in München. Mit Widerstand der Pharmaindustrie, die die Klinikapotheken derzeit weitgehend direkt beliefert, rechne er nicht. Den Rationalisierungsvorteil für die Apotheke sieht der Volkswirt in der häufigeren Lieferfrequenz des Großhandels. Im laufenden Geschäftsjahr 1998/99 erwartet die Sanacorp einen Umsatz mit Krankenhausapotheken "im unteren zweistelligen Millionenbereich"; in den Folgejahren soll ein Umsatzzugewinn von rund 300 Millionen DM realisiert werden. Das entspräche einem Marktanteil von dreißig Prozent bei der Belieferung von Krankenhausapotheken. Insgesamt legte Brink einen recht optimistischen Zwischenbericht des ersten Geschäftshalbjahres - vom 1. Juli bis 31. Dezember 1998 - vor. Umsatz und Ertrag seien gegenüber den Vorjahreswerten deutlich gestiegen. Mit 12,3 Prozent Umsatzplus liegt die Sanacorp über dem Gesamtmarkt, der ein Plus von 11 Prozent erzielte. Erstmals konnte ein Bruttoumsatz über 2 Milliarden DM erreicht werden.

24.02. Kombination senkt Todesrate bei Zervixkrebs
dpa. Patientinnen mit Tumoren am Gebärmutterhals (Zervixkarzinom) haben weitaus bessere Überlebenschancen, wenn sie außer mit Strahlen auch mit chemotherapeutischen Mitteln behandelt werden. Diese Erkenntnis, die auf fünf neuen Studien basiert, übermittelt das Nationale Krebsinstitut der USA in Bethesda (Maryland, USA) derzeit an 20.000 Onkologen weltweit. Nach einem Bericht der New York Times vom Dienstag hat das Institut in den vergangenen zehn Jahren erst dreimal zuvor eine ähnliche dringende Empfehlung veröffentlicht. Ärzte können derzeit nur jede dritte Patientin retten, deren Tumorzellen vom Gebärmutterhals bereits zu nahegelegenen Lymphknoten oder anderem Gewebe in der Beckenregion gewandert sind. Mit der Kombination von Strahlen- und Chemotherapie überlebt jede zweite Frau mit invasivem Zervixkarzinom, ergaben die Studien, deren Ergebnis das New England Journal of Medicine derzeit auf seiner Web-Seite vorstellt.
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