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Ökonomische Ausrichtung des Warenlagers

23.02.1998
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Ökonomische Ausrichtung des Warenlagers

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Wenn sich die Analytiker der Deutschen Bundesbank äußern, dann horcht nicht nur die Finanzwelt auf. Die Frankfurter Währungshüter melden sich auch immer wieder bei sozial- und gesellschaftspolitischen Themen zu Wort. Ein Beispiel: Berechnungen zur finanziellen Belastung künftiger Generationen.

Im Kern geht es dabei um die Frage, wie hoch die Steuer- und Abgabenlast unserer Kinder und Enkel im Laufe ihres Lebens sein wird. Und was man dagegen tun könnte, daß diese Bürde nicht ins unermeßliche steigt. Die Bundesbanker haben sich dabei erstmals einer volkswirtschaftlichen Methode bedient, die bislang vor allem im anglo-amerikanischen Raum Verbreitung gefunden hat: Generational Accounting.

Als Grundlage des Konzeptes dient die Zuordnung der Abgaben an den Staat einerseits und der staatlichen Leistungen andererseits auf die einzelnen Altersjahrgänge der Bevölkerung. Diese Aufteilung wird mit Hilfe von Generationenkonten (Generational Accounts) vorgenommen, die zunächst für jeden noch lebenden Geburtsjahrgang getrennt nach dem Geschlecht berechnet werden. In diesen Konten werden, soweit individuell zurechenbar, einerseits Steuern und Beiträge, andererseits die Transferleistungen des Staates verbucht, und zwar als Barwert aller über die restliche Lebenszeit zu erwartenden Zahlungen. Letztlich ergibt sich ein Saldo über die fiskalische Nettobelastung des Kontoinhabers in dessen restlicher Lebenszeit, die bezogen auf das künftige Bruttoeinkommen als "Lebenssteuersatz" bezeichnet wird.

Nettobelastung bei Frauen deutlich geringer


Bezogen auf den Geburtsjahrgang 1996 ergibt sich laut Bundesbank folgendes Bild: In jenem Jahr geborene Männer haben staatliche Abgaben in Höhe von 908.000 DM zu leisten, während sie Transfers von 491.000 DM erhalten. Nettobelastung: 417.000 DM. Das bedeutet rein rechnerisch einen Lebenssteuersatz von 28 Prozent. Frauen des Geburtsjahrgangs 1996 leisten demgegenüber nur etwa die Hälfte der Abgaben, die ihre männlichen Jahrgangskollegen abführen. Zugleich erhalten sie etwa 80 Prozent der Sozialleistungen, die Männer bekommen. Damit ist ihre Nettobelastung insgesamt deutlich geringer, ihr Lebenssteuersatz liegt bei nur 16 Prozent.

Nicht nur die Gesamtbelastung, sondern auch die Zusammensetzung der Konten unterscheidet sich erheblich. So fallen auf der Abgabenseite bei den Männern die Sozialversicherungsbeiträge am stärksten ins Gewicht, bei Frauen hat auch die Belastung mit indirekten Steuern einen relativ hohen Anteil. Auf der Transferseite steht bei beiden Geschlechtern die staatliche Alterssicherung (inklusive Pensionen) an erster Stelle, gefolgt von der Krankenversicherung (einschließlich Beihilfe), wobei die Krankenversicherung bei Frauen mehr und die Rentenversicherung weniger ins Gewicht fällt. Einer der Gründe für die Unterschiede: Frauen sind vermutlich auch künftig weniger ins Erwerbsleben eingebunden als Männer.

Wie sieht es nun mit den nach 1996 geborenen Generationen aus? Nach Berechnungen der Bundesbank müßten sie im Durchschnitt um 140 Prozent höhere Zuzahlungen an den Staat leisten als Männer und Frauen, die 1996 geboren wurden. Der Lebenssteuersatz für Männer würde auf 67 Prozent wachsen, der für Frauen auf 38 Prozent. Das wäre mehr als das Doppelte von dem, was der 96er-Jahrgang bezahlen muß. Um diese enorme Mehrbelastung von vornherein zu vermeiden, hätte bereits 1996 die bestehende Steuerlast um 30 Prozent angehoben werden müssen. Die Steuerquote würde dann statt bei 23 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) bei 30 Prozent liegen. Alternativ wären die Aufwendungen für die Alterssicherung (einschließlich Beamtenpensionen) um annähernd 40 Prozent zu reduzieren.

Kommentar der Bundesbank: Eine Konsolidierung dieses Ausmaßes könne sich nicht auf einzelne Maßnahmen beschränken, sondern müsse breit gestreut werden. Dabei seien nicht nur kurz- und mittelfristige Anstrengungen zu unternehmen, sondern vor allem auch langfristige. Insgesamt habe die Politik die Staatsquote nachhaltig zurückzuführen.

PZ-Artikel von Hans-Bernhard Henkel, Bonn
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