Pharmazeutische Zeitung online

Europa auf dem Weg zum Binnenmarkt

23.02.1998
Datenschutz bei der PZ

-Politik

Govi-Verlag

Europa auf dem Weg zum Binnenmarkt

Home

Mit der Initiative der Europäischen Kommission zur Förderung eines Arzneimittelbinnenmarktes in Europa ist nicht beabsichtigt, EU-einheitliche Sozialversicherungssysteme zu schaffen, erklärte Dr. Martin Bangemann, das für die Industrie zuständige Mitglied der EU-Kommission, auf einem Kolloquium des Europa-Instituts in Freiburg, das der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) unterstützt hat.

In einem europäischen Arzneimittelbinnenmarkt sollten vielmehr die Sozialversicherungssysteme mit ihren Kostendämpfungsmaßnahmen und ihrem Arzneimittelmarkt besser getrennt werden. Selbstmedikation könne sowohl zur Kostenentlastung der Sozialversicherung als auch zur Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Bürger in der Gesundheitsvorsorge beitragen. Die Schaffung des Binnenmarktes könne nach Bangemanns Auffassung den Arzneimittelmarkt transparenter machen, indem das Kosten-Nutzen-Verhältnis der nationalen Erstattungssysteme eingebracht werde.

Als eine der wichtigsten Maßnahmen auf dem Weg zum europäischen Arzneimittelmarkt bezeichnete Bangemann die Richtlinie 92/26/EWG (Einstufung bei der Abgabe), mit der ein Einstufungssystem nach den Kriterien verschreibungspflichtig und nicht verschreibungspflichtig vorgeschlagen wurde, das von den Mitgliedstaaten weitgehend angewendet werde. Mit der Abgrenzung OTC-fähiger von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sei ein marktwirtschaftliches Element in den „starren" Arzneimittelmarkt hineingetragen worden. Als wünschenswert bezeichnete Bangemann mehr Transparenz bei der Einstufung in den einzelnen Mitgliedstaaten sowie idealerweise die gegenseitige Anerkennung des Einstufungsstatus.

Bangemann sprach sich dafür aus, die Werbung für OTC-Arzneimittel in allen Medien zu fördern, wobei die Mitgliedstaaten bestimmte Kontrollfunktionen behalten sollen. Eine Evaluierung der Auswirkungen der EU-Werberichtlinie (92/98/EWG) sei in der Planung.

Die Schaffung eines effizienteren Binnenmarktes hat für den Europäischen Rat, der derzeit unter britischem Vorsitz steht, besondere Priorität, wobei der Arzneimittelbinnenmarkt nur einen Teilaspekt darstellt. Der vom Europäischen Rat beschlossene Binnenmarkt-Aktionsplan, mit dem vor allem die europäische Gesetzgebung wirkungsvoller gestaltet werden soll, war Mitte Februar Thema einer informellen Tagung der für den Binnenmarkt zuständigen Minister der EU in Cambridge. Wie Pressemeldungen zu entnehmen war, ist dort der von der Kommission vorgelegte Gesetzentwurf zur Schaffung eines schnellen Eingreifmechanismus für den Fall einer Behinderung des freien Warenverkehrs auf erste Bedenken hinsichtlich der für die Kommission vorgesehenen Entscheidungsbefugnisse getroffen.

PZ-Artikel von Susanne Hof, Brüssel
<Top>

PZ OnlineCartoon
TermineIhre MeinungPharmazie im Internet

© 1997 GOVI-Verlag
E-Mail:
redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa