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Meloxicam: ein Fortschritt für Rheumatiker?

23.02.1998
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Meloxicam: ein Fortschritt für Rheumatiker?

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Gemeinsames Merkmal aller rheumatischen Erkrankungen ist der Schmerz. Mittel der Wahl bei der symptomatischen Schmerzbekämpfung sind die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), die die Prostaglandinsynthese durch Inaktivierung der Cyclooxygenase (COX) hemmen. Ein wesentlicher Nachteil dieser Arzneistoffe ist ihre gastrointestinale und renale Toxizität. Die Entdeckung, daß im Körper zwei Isoenzyme der COX existieren, von denen COX-2 überwiegend bei Entzündungsreaktionen gebildet wird und für die erhöhten Prostaglandinspiegel im Entzündungsherd verantwortlich ist, läßt die Entwicklung selektiver COX-2-Inhibitoren wünschenswert erscheinen. Mit Meloxicam (Mobec®) wurde 1996 der erste Vertreter aus der Gruppe in vitro relativ COX-2-selektiver NSAR für die antirheumatische Therapie zugelassen.

Das Hauptsymptom aller rheumatischen Erkrankungen ist der Schmerz, der vorwiegend durch entzündliche Vorgänge im Gelenk hervorgerufen wird. Entzündungsmediatoren wie Prostaglandine (PG), Histamin oder Bradykinin sind an der Entstehung von Symptomen wie Rötung, Temperaturerhöhung und Schmerz beteiligt. Therapieziele bei der rheumatoiden Arthritis sind die Linderung von Schmerz und Entzündung, die Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit und die Verhinderung von Gelenkdeformierungen.

Die Wirkung der NSAR beruht auf einer Hemmung der Prostaglandinsynthese auf der Stufe der Cyclooxygenase. Viele bislang eingesetzte Substanzen hemmen bevorzugt die COX-1, das Isoenzym, das im Körper ubiquitär auftritt und im Gastrointestinaltrakt, in den Bronchien und in der Niere an physiologischen Prozessen beteiligt ist. Dadurch sind die gewünschten entzündungshemmenden Eigenschaften, die vor allem über die Hemmung des Isoenzyms COX-2 vermittelt werden, mit dem Auftreten von unerwünschten durch COX-1-Hemmung vermittelten Arzneimittelwirkungen verknüpft.

Mit der Entwicklung von COX-2-selektiven NSAR erhofft man sich weniger Nebenwirkungen, vor allem im Gastrointestinaltrakt und in der Niere. Interessant ist, daß Meloxicam keine neu entwickelte Substanz ist. Es wurde nach Entdeckung des COX-2-Isoenzyms zusammen mit anderen Substanzen, die sich in früheren pharmakologischen Screenings als wirkungslos erwiesen hatten, erneut untersucht.

Chemische Klassifikation

Bei Meloxicam handelt es sich um 4-Hydroxy-2-methyl-N-(5-methyl-2-thiazolyl)-2H-1,2-benzothiazin-3-carboxamid-1,1-dioxid (IUPAC). Meloxicam gehört zur Gruppe der Oxicame wie Piroxicam und Tenoxicam.

Indikationen und Anwendung


Mobec® ist zur symptomatischen Kurzzeitbehandlung akuter Schübe von Arthrose sowie zur symptomatischen Langzeitbehandlung der rheumatoiden Arthritis (chronische Polyarthritis) zugelassen.

Beim akuten Arthroseschub sollten täglich 7,5mg eingenommen werden. Die Dosis kann auf 15mg pro Tag erhöht werden, wenn keine ausreichende Besserung eintritt. Die Tagesdosis zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis beträgt im allgemeinen 15mg. Bei älteren Patienten ist die empfohlene Dosis für die Langzeittherapie 7,5mg pro Tag. Besteht ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, so sollte mit einer Dosis von 7,5mg täglich begonnen werden. Bei Dialysepatienten mit schwerer Niereninsuffizienz darf die tägliche Dosis von 7,5mg nicht überschritten werden. Eine Tagesdosis von 15mg sollte generell nicht überschritten werden. Die tägliche Dosis sollte als Einmalgabe zu einer Mahlzeit mit Wasser oder einer anderen Flüssigkeit verabreicht werden.

Das neue nichtsteroidale Antirheumatikum Meloxicam wurde mit dem Anspruch auf den Markt gebracht, eine höhere Selektivität für die bei Entzündungen induzierte Cyclooxygenase Typ 2 (COX-2) zu besitzen und deshalb weniger durch COX-l-Hemmung bedingte Nebenwirkungen aufzuweisen. Je höher die Selektivität für COX-2 ist, desto geringer sollte die Nebenwirkungsrate in bezug auf Magen und Nieren sein.

Die klinischen Studien zeigen, daß die Wirksamkeit von Meloxicam in den empfohlenen Dosierungen vergleichbar der von Standard-NSAR wie Diclofenac (100mg retard), Piroxicam (20mg) und Naproxen (750mg) ist.

Nebenwirkungen traten mit ähnlicher Häufigkeit auf wie bei den anderen NSAR und nahmen dosis- und zeitabhängig zu. Jedoch traten gastrointestinale Nebenwirkungen vor allem bei Gabe von 7,5mg weniger häufig auf. Der Anteil ernster Nebenwirkungen wie Ulcera war deutlich geringer. Bedenkt man, daß die durch NSAR hervorgerufenen schwerwiegenden Schädigungen des Gastrointestinaltraktes wie Perforation, Ulcus und Blutung (PUB) wahrscheinlich die häufigsten schwerwiegenden Arzneimittelnebenwirkungen überhaupt darstellen, kann die Markteinführung von Meloxicam sicherlich als positive Entwicklung bezeichnet werden.

Im Vergleich zu Naproxen traten auch signifikant weniger renale Nebenwirkungen unter Meloxicam auf. Bestehende leichte Nierenfunktionsstörungen wurden durch Meloxicam nicht verschlechtert.

Die klinischen Studien mit bislang etwa 25.000 Patienten scheinen zu belegen, daß Meloxicam weniger gastrointestinale und renale Nebenwirkungen verursacht. Eine endgültige Absicherung bringt jedoch erst die breite, langjährige Anwendung in der Praxis. Die vorliegenden Ergebnisse lassen es jedoch wünschenswert erscheinen, daß Substanzen mit höherer COX-2-Selektivität entwickelt und erprobt werden. Hochselektive COX-2-Inhibitoren, wie beispielsweise Celecoxib, befinden sich bereits in Phase III der klinischen Prüfung.

PZ-Artikel von Martin Schulz, Bettina Wick, Eschborn, und Werner Neupert, ErlangenTop>

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