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22.02.1999
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HEPATITIS C

Mediziner setzen auf Kombination aus Interferon und Ribavirin

von Ulrich Brunner, Eschborn

Hepatitis-C-Infektionen sind tückisch, denn die Symptome kommen schleichend, manchmal erst nach 10 bis 15 Jahren. Bis dahin entwickelt ein Fünftel der Infizierten eine Zirrhose oder Leberkrebs. Leider wissen die meisten Hepatitis-C-Positiven nichts von dieser gefährlichen Zeitbombe, die in ihrem Körper tickt. Mit einer neuen Kombination aus Interferon a und Ribavirin wollen Mediziner jetzt Patienten mit chronischer Hepatitis C helfen.

Mindestens 500.000 Deutsche sind inzwischen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) infiziert, schätzt das Robert-Koch-Institut in Berlin. Europaweit rechnen Experten mit 1,3 bis 5 Millionen Infizierten, weltweit sogar mit 60 bis 180 Millionen. Jährlich kommen allein in der Bundesrepublik 20.000 Neuinfektionen dazu. Damit gehört die Hepatitis C heute zu den häufigsten chronischen Lebererkrankungen.

HCV-Positive mit einem intakten Immunsystem bemerken oft jahrelang nichts von ihrer Infektion und verbreiten damit auch den Erreger weiter. Greift das Virus jedoch die Leber an, ist die Prognose schlecht: Zirrhose oder Krebs bedeuten für viele Patienten das Todesurteil.

Das RNA-Virus zählt zur Familie der Flavi-Viren. Da Wissenschaftler den Erreger lange Zeit nicht richtig zuordnen konnten, bezeichneten sie ihn bis 1989 als Hepatitis-non-A-non-B-Virus. Inzwischen hat man 10 Genotypen und diverse Subtypen mit unterschiedlichen Nukleinsäuresequenzen klassifiziert. Weltweit am häufigsten treten die Typen 1 bis 3 auf. Nach wie vor steht kein Impfstoff gegen das HC-Virus zur Verfügung.

Wie HIV oder HBV werden auch die Hepatitis-C-Viren über Blut, Blutprodukte oder Körperflüssigkeiten übertragen. Die drei Erreger sind ähnlich virulent. HC-Viren überleben mitunter einige Tage außerhalb des Körpers, sofern sie in eine Zelle eingelagert sind. Infektionsgefahr besteht, wenn gesunde Menschen Nadeln, Nagelscheren oder Rasierklingen mit Infizierten austauschen. Häufig treten Infektionen mit HCV und HIV parallel auf.

Erst seit 1992 kann der Partikel mit spezifischen HCV-Antikörpern nachgewiesen werden. Bis dahin wurde der Erreger mit Blutkonserven, Immunglobulinen und Gerinnungsfaktoren, bei Organtransplantationen oder Dialysen verbreitet. Durch die sicheren Analyseverfahren kann heute dieser Übertragungsweg jedoch nahezu ausgeschlossen werden.

In der Diagnostik stehen zwei wichtige Nachweisverfahren zur Verfügung. Mit dem sogenannten ELISA (Enzyme-Linked-Immuno-Sorbent-Assay) können spezifische Antikörper im Blutserum aufgespürt werden, die sich 2 bis 26 Wochen nach einer Infektion im Körper bilden. Ein wesentlich aufwendigeres Verfahren, die Polymerase-Kettenreaktion, ermöglicht den direkten Nachweis der Virus-RNA im Serum. Dieser Test ist zwar deutlich teurer und aufwendiger als der Immuno-Assay, dafür kann mit diesem sehr empfindlichen Verfahren das Virus unmittelbar nach Übertragung identifiziert werden.

Die chronische Hepatits entwickelt sich schleichend. Unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Schlafstörungen oder Oberbauchbeschwerden werden häufig nicht erkannt. Damit vermehrt sich das HCV langsam in den Leberzellen und zerstört kontinuierlich die Architektur des Organs. Neben der Zirrhose kann sich ein hepatozelluläres Karzinom entwickeln. Spätestens nach einem Leberversagen besteht akute Lebensgefahr.

Jede Therapie einer Hepatitis C muß daher darauf abzielen, die Viruslast im Blut so schnell wie möglich zu senken, die Leberhistologie zu normalisieren oder zu verbessern und damit die Transaminasewerte ins Lot zu bringen. Bis dato konnten HCV-positive Patienten nur mit Interferon a behandelt werden.

Das Immunsystem reagierte jedoch nur bei 15 bis 20 Prozent der Patienten auf diese Therapie. Mediziner kombinierten deshalb jetzt Interferon mit dem Nukleosidanalogon Ribaverin. Der Arzneistoff verhindert die Bildung von Virusproteinen, indem er sich an der viralen RNA-Sequenz anlagert und deren genetische Übersetzung unterbindet.

Ebenfalls an der Virus-RNA greifen Ribozyme an. Sie spalten die virale Nukleinsäure und unterdrücken so den Replikationszyklus des HC-Virus. Inzwischen testen Wissenschaftler auch spezifische Proteasehemmer, wie sie bereits in der HIV-Therapie eingesetzt werden.

In einer Untersuchung verabreichte Professor Dr. Thierry Poynard vom Service d'Hepato-Gastroenterologie Groupe Hospitalier, Paris, 832 Patienten mit chronischer Hepatitis C über 48 Wochen entweder eine Kombination aus Interferon a (dreimal wöchentlich 3 Millione I.E.) und täglich 1000 bis 1200 mg Ribaverin, nur Interferon oder Placebo. Nach 24 und 48 Wochen wurde die Zahl der RNA-Kopien im Blut bestimmt. Bei 43 Prozent der Patienten aus der Kombinationsgruppe fanden die Wissenschaftler nach 48 Wochen weniger als 100 RNA-Kopien pro ml Serum. In der Interferon-Gruppe maß man solche Werte dagegen nur bei 19 Prozent.

Inzwischen liegen ähnliche Ergebnisse aus zwei weiteren Phase-III-Studien vor. Ende 1998 erteilte deshalb die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung für Rebetron™, ein Kombinationspräparat aus einer rekombinanten Interferon-a-2b als Injektionslösung und Ribavirin-Kapseln. Die Behandlung sollte sich jedoch auf Patienten beschränken, die vorher noch nicht mit Interferon behandelt wurden.

Nach Meinung von Professor Dr. Hubert Erich Blum von der Universität Freiburg ist der Medizin mit der Kombinationstherapie ein wesentlicher Durchbruch gelungen. Eventuell könnten sogar die Heilungschancen Hepatitis-C-Kranker verdoppelt werden. Auch nach Meinung der Deutschen Hepatitis Liga besteht nun große Hoffnung, daß künftig viel mehr Patienten geheilt werden können. Top

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