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22.02.1999
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PZ Pharmazeutische ZeitungGovi-VerlagPZ +++ Nachrichten +++   23.02. Deutsche wollen Arzt frei wählen
PZ. Die Bevölkerung mißt der freien Arztwahl eine überragende Bedeutung bei, nutzt dieses Recht aber nicht exzessiv. Knapp 60 Prozent der Bundesbürger sind auch dann nicht dazu bereit, auf den direkten Zugang zum Facharzt zu verzichten, wenn sie dafür einen Beitragsnachlaß in der gesetzlichen Krankenversicherung bekommen. Das hat eine repräsentative Umfrage im Ärztekammerbezirk Nordrhein ergeben, deren Ergebnisse Kammerpräsident Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe am 23. Februar in Bonn vorgestellt hat.Jeder zweite Befragte schließt demnach einen Verzicht auf die freie Arztwahl gegen Bonus völlig aus, und für rund acht Prozent kommt das "eher nicht" in Frage. Der Hausarzt ist für die Mehrheit der Bevölkerung keineswegs in jedem Fall die erste Anlaufstelle. So gingen 73 Prozent derjenigen, die einen Hausarzt haben, in den vergangenen zwölf Monaten meist ohne Überweisung zum Facharzt.

22.02. Gute Noten für süddeutsche Apotheken
PZ. Die Verbraucher schätzen das Waren- und Dienstleistungsangebot der baden-württembergischen Apotheken, im Detail könnten die Apothekenteams aber noch spezifischer auf die Wünsche ihrer Kunden reagieren. So interpretierten Vertreter des LAV Baden-Württemberg das Ergebnis einer Umfrage an knapp 13.000 Apothekenkunden und 640 Passanten in ihrem Bundesland auf einer Pressekonferenz am 22. Februar in Stuttgart. "Für uns ist es wichtig, genau zu wissen, was die Kunden eigentlich genau erwarten, wenn sie eine Apotheke betreten", betonte Christof Mühlschlegel, Vorstandsmitglied des Apohekerverbands. Es gehe aber auch um die Frage, wo Patienten ihre Gesundheitsprodukte kaufen und woher sie ihre Informationen dazu beziehen. Als wichtigste Informationsquelle dienen Passanten und Kunden die Ärzte. An zweiter Stelle folgen bei den Patienten der Rat des Apothekers (74 Prozent). Einen sehr hohen Stellenwert hatten sowohl bei Passanten als auch bei Patienten Infos aus Apothekenkundenzeitschriften, sagte Dr. Andreas Kaapke vom Institut für Handelsforschung. Beim Produkt- und Dienstleistungsangebot sieht Kaapke noch Handlungsbedarf. Neben einem größeren Angebot an Büchern, CDs oder Videos zum Thema Gesundheit, wünschten sich sowohl Passanten als auch Kunden mehr Service in Sachen Ernährungs-, Umwelt- und Raucherentwöhnungsberatung.

22.02. Kammer kritisiert Online-Arzneihandel
dpa. Arzneimittel eignen sich nicht für den "virtuellen Wühltisch". Darauf hat am Freitag die Apothekenkammer Westfalen-Lippe aufmerksam gemacht. Der Versand von verschreibungspflichtigen Medikamenten per Internet sei eine besorgniserregende Entwicklung, sagte Sprecher Jürgen Blume. Den Anbietern gehe es allein um den Profit, der Patient zahle im schlimmsten Fall mit seinem Leben. Nach Angaben der Kammer ist der Versand von Arzneimitteln in Deutschland gesetzlich verboten. Dennoch floriere der Medikamentenhandel im Internet, da rechtlich kaum wirkungsvoll vor allem gegen ausländische Anbieter eingeschritten werden könne. Diagnose und Therapie sowie pharmazeutische Beratung gebe es grundsätzlich nicht, so Blume. Über Anbieter im Internet tauchten auch Medikamente auf, die ihre Zulassung in Deutschland verloren hätten, weil sie als lebensgefährlich eingestuft worden seien. In diese Kategorie fällt nach Darstellung der Kammer auch Tolcapon, das nach drei Todesfällen 1998 vom Markt genommen worden sei. Trotzdem wird das Medikament laut Blume noch heute von einem Anbieter im Internet zur Behandlung des Morbus Parkinson rezeptfrei angeboten.

22.02. Ersatzkasse berät Patienten übers Internet
PZ.  Während die Bundesgesundheitsministerin darüber nachdenkt, wie Patienten künftig besser und unabhängig beraten werden könnten, meinen die Krankassen, das müsse ihre Aufgabe sein. Ein nach eigenen Angaben bisher einzigartiges Beratungskonzept erprobt die Gmünder Ersatzkasse (GEK - Schwäbisch Gmünd) seit vergangenem Herbst. Dazu gehören ein für alle zugängliches Internetangebot sowie ein kostenloser, individueller Informationsdienst für GEK-Versicherte und deren Angehörige. Internet-Themen sind bisher Rückenschule, Mammographie, Kernspintomographie in der Diagnostik von weiblichem Brustkrebs, Früherkennung von Prostatakrebs, Therapie gutartiger Prostatavergrößerung sowie Knochendichtemessung. Weiter Themen werden vorbereitet. Im Januar wurden über 30.000 Zugriffe registriert. "Wir wollen unseren Versicherten Patienteninformationen nach strengen Qualitätskriterien zur Verfügung stellen", erläuterte Dieter Hebbel, Vorstandsvorsitzender der GEK, mit 1,4 Millionen Versicherten fünftgrößte Ersatzkasse. Ziel ist neben der Befriedigung von Informationsbedürfnisse mittel- und langfristig auch ein Beitrag zur Kostendämpfung.

19.02. Koalition einigt sich über Teile der Reform
dpa. Für Hausärzte soll es künftig einen eigenen Honorartopf geben. Außerdem soll die starre Abgrenzung zwischen Arztpraxen und Krankenhäusern bei ambulanter Behandlung mit kurzem stationären Aufenthalt gelockert werden. Darauf verständigten sich SPD und Grüne am Freitag bei ihrer zweiten Beratungsrunde zur Gesundheitsreform. In einer noch nicht terminierten dritten Runde sollen unter anderem Einzelheiten für Zuzahlungsregeln bei Arzneimitteln, zur zahnmedizinischen Versorgung, Prävention und Kuren vereinbart werden, teilten Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) und der SPD-Gesundheitsexperte Rudolf Dreßler in Bonn mit. Die Verantwortung für die Budgets der Krankenversicherung sollen künftig von den Leistungsanbietern auf die Krankenkassen übergehen, sagte Dreßler. Die Gesundheitspolitiker wollen noch prüfen, wie über die verbesserte Vergütung der Hausärzte hinaus Anreize geschaffen werden können, damit Patienten zuerst zum Hausarzt als einem "Lotsen" durch das Gesundheitswesen gehen und sich gegebenfalls erst von diesem zu einem Facharzt überweisen lassen. Fischer geht davon aus, daß auch ihr Vorschlag eines finanziellen Bonus für die Versicherten noch nicht völlig vom Tisch ist. Dreßler setzte dagegen weiterhin auf eine Kontrolle via Chipkarte.

19.02. Verordnungsmarkt stieg um 6,9 Prozent
PZ.Der Verordnungsmarkt für Arzneimittel in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) lag nach Hochrechnungen der Betriebskrankenkassen (BKK) 1998 bei 38,9 Milliarden DM. Im Vergleich zum Vorjahr (36,4 Milliarden DM) entsprach dies einem Zuwachs um 6,9 Prozent. Das berichtete heute in Bonn der BKK-Bundesverband. In diesen Zahlen sind die Zuzahlungen der Patienten enthalten, die von 4,4 Milliarden DM 1997 auf etwa 5,4 Milliarden DM 1998 emporschnellten. Das waren rund 14 Prozent der Arzneimittelausgaben. Die GKV-Arzneimittelausgaben expandierten in Westdeutschland um mehr als fünf Prozent auf zirka 27,2 Milliarden und im Osten um rund ein Prozent auf etwa 6,3 Milliarden DM. Die Arzneimittelpreise, die im Jahr zuvor noch um 0,8 Prozent gesunken waren, zogen 1998 um etwa 0,4 Prozent an. Die Zahl der ausgestellten Verordnungen für GKV-Versicherte ging nach ersten Erhebungen des BKK-Bundesverbandes um rund 3,5 Prozent zurück (1997: minus 11,3 Prozent).

18.02. Ersatzkassen wollen Einzelverträge
PZ. Nachdem gestern die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenversicherung das Fremd- und Mehrbesitzverbot für Apotheker in Frage gestellt haben, legen jetzt die Ersatzkassen nach. Sie wollen außerdem die Möglichkeit eingeräumt bekommen, "mit lieferberechtigten Apotheken oder Gruppen von Apotheken Verträge über Leistungen zu schließen". So steht es in den "Forderungen der Ersatzkassen zur Strukturreform im Gesundheitswesen", die heute auf einer Pressekonferenz in Bonn von den Ersatzkassenverbänden VdAK/AEV präsentiert worden sind. An der Arzneimittel-Preisspannenverordnung wollen die Ersatzkassen nochmals drehen, natürlich zum eigenen Vorteil. Auch die neue Verordnung wirke "preistreibend" und sollte geändert werden, heißt es. So sei eine Kostenreduktion "durch Vergütung der Apotheken nach einem System von Fixzuschlägen" zu erreichen. Außerdem plädieren die Ersatzkassen dafür, daß Versandapotheken zugelassen werden. Zur Begründung wird angeführt, insbesondere chronisch Kranke und pflegebedürftige Patienten könnten davon profitieren. Die Mehrwertsteuer für Arzneimittel sollte nach Auffassung der Ersatzkassen auf den ermäßigten Satz reduziert werden.

17.02. Kassen attackieren erneut Mehrbesitzverbot
PZ. Die Krankenkassen wollen wieder einmal "auch im Apothekenbereich kostentreibende Angebotsstrukturen" modernisieren. Das deutsche Distributionssystem für Arzneimittel müsse deshalb von "überkommenen Standesschranken befreit werden". Das fordern die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in einem gemeinsamen Positionspapier zur Gesundheitsreform 2000. Insbesondere müsse das Fremd- und Mehrbesitzverbot der Apotheker in Frage gestellt werden, "das eine ineffiziente und atomistische Struktur im Arzneimittelhandel konserviert". Außerdem sprechen sich die GKV-Spitzenverbände dafür aus, Krankenhausapotheken das Recht einzuräumen, Patienten in besonderen Fällen, z.B. mit Zytostatikazubereitungen, auch nachstationär versorgen zu dürfen. Der Krankenkassenrabatt müsse sich nach Umsatzgrößenklassen richten. Eine "bessere und preiswertere Arzneiversorgung" versprechen sich die Kassen ferner von einer "permanente Revision der verordnungsfähigen Arzneimittel" durch eine Positivliste und deren Konkretisierung in den Arzneimittel-Richtlinien sowie durch ein gesetzliches Re-Import-Gebot.

17.02. FDA fordert Nachbesserung bei Metrifonat
PZ. Die Food and Drug Administration (FDA) hat die Bayer AG, Leverkusen, im Rahmen des US-Zulassungsverfahrens für das Alzheimer-Medikament "Metrifonat" zu Nachbesserungen aufgefordert. Es handele sich dabei um einen ganz üblichen Vorgang, sagte ein Bayer-Sprecher am Dienstag gegenüber dem Branchendienst vwd. Im einzelnen fordere die US-Behörde in ihrem "Action Letter" Bayer auf, noch einmal beim Herstellungsverfahren und der Pharmakologie (Wirkungen) nachzubessern. Bayer gehe jedoch nach wie vor davon aus, daß die eingereichten Unterlagen für Metrifonat eine US-Zulassung ermöglichen. Die Zulassungsunterlagen hat Bayer nach eigenen Angaben Ende 1997 bei der FDA und anderen internationalen Behörden eingereicht. In der Europäischen Union seien sie kürzlich zurückgezogen worden, um noch neue, ergänzende Studienergebnisse hinzufügen zu können. Bayer peile mit dem neuen Medikament einen Jahresumsatz von bis zu 900 Millionen DM an.

17.02. Jugendliche bei schlechter Gesundheit
dpa. Der Gesundheitszustand vieler junger Menschen ist nach Darstellung des Ärzteverbandes Hartmannbund besorgniserregend. Nach neuen Zahlen vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) habe jeder sechste junge Mensch deutliches Übergewicht, teilte der niedersächsisch Vorstandsvorsitzende Kuno Winn mit. Beim Zigarettenkonsum stünden deutsche Jugendliche im internationalen Bereich an dritter Stelle hinter Österreich und Finnland. "Die jungen Leute kommen von sich aus nicht in die Praxis, also müssen wir zu ihnen in die Schule gehen, um im Rahmen des Unterrichtes Angebote für eine frühzeitige und umfassende ärztliche Versorgung zu machen", sagte Winn. Er appellierte an seine Kollegen, durch Aufklärung und aktuelle Therapieangebote für Lehrer und Schüler zu helfen, die besorgniserregende Entwicklung zu stoppen. "Ein kranker Jugendlicher wird fast ausnahmslos ein kranker Erwachsener, der in seiner Karriere, bei Studium, Lehre und Ausbildung empfindlich behindert ist."
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