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PETN führt nicht zur Nitrattoleranz

16.02.1998
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PETN führt nicht zur Nitrattoleranz

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Organische Nitrate haben seit vielen Jahren einen festen Platz in der Behandlung koronarer Herzkrankheiten. Innerhalb der Stoffklasse gibt es Abweichungen bei Ort, Stärke und Dauer der Wirkung. Eine Sonderstellung nimmt Pentaerythrityltetranitrat (PETN) ein. Pharmakologische und klinische Aspekte der PETN-Wirkung waren Themen eines Expertentreffens in Dresden.

PETN wurde 1901 erstmals synthetisiert und ursprünglich als Sprengstoff genutzt. Chemisch ist es ein Polyester der Salpetersäure mit dem Alkohol Pentaerythritol. In den 50er und 60er Jahren verwendeten Mediziner in den skandinavischen Ländern, in Frankreich und den USA die Substanz zur Behandlung von Angina pectoris und Herzinsuffizienz.

1964 wurde PETN in der ehemaligen DDR als Pentalong® 50 mg/80 mg eingeführt. Bis 1989 stand es als einziges Langzeitpräparat zur Behandlung der genannten Krankheiten zur Verfügung. Im Aufbau gleicht es den ebenfalls therapeutisch genutzten organischen Nitraten Glycerol-Trinitrat (GTN), Isosorbid-Dinitrat (ISDN) und Isosorbid-5-Mononitrat (IS-5-N).

Aufgrund seiner ausgeprägten Lipophilie gehört PETN zu den organischen Nitraten mit einer starken pharmakodynamischen Wirkung. Im Verlauf der Verstoffwechslung entstehen Metabolite mit geringerer Lipophilie und größerer Halbwertzeit.

Wirkmechanismen


Als eigentlicher Wirkstoff wird aus PETN und seinen Metaboliten durch Bioaktivierung Stickstoffmonoxid (NO) freigesetzt. Exogen zugeführt, substitutiert es die gestörte NO-Produktion des Endothels der koronaren Gefäße und bewirkt eine Relaxation. In diesem Punkt unterscheidet sich PETN nicht von ähnlichen chemischen Verbindungen.

Abweichungen gibt es bei Begleiterscheinungen der Therapie. Im Gegensatz zu anderen organischen Nitraten konnte auch bei langfristiger Einnahme von PETN keine Toleranzentwicklung beobachtet werden. Diese Tatsache kann nach Auskunft von Professor Dr. Eberhard Bassenge aus Freiburg damit zusammenhängen, daß PETN nicht die Bildung schädlicher Sauerstoffradikale in den Gefäßwandzellen provoziert. Daraus resultiere keine oxidative Schädigung der Zellen, welche ihrerseits die Toleranzentwicklung induzieren und atherosklerotischen Prozessen Vorschub leisten könne. Der Wirkstoff besitze möglicherweise selbst antioxidative Eigenschaften, er klärte Bassenge

Reduktion der Infarktgröße


Privatdozent Georg Kojda aus Düsseldorf nannte einen weiteren Grund für die Sonderstellung des PETN. In Tierexperimenten konnte ein Rückgang der Größe atherosklerotischer Läsionen nachgewiesen werden. Gleichzeitig sei es zur Rückbildung der endothelialen Dysfunktion gekommen. Diese Beobachtungen belegen nach Auskunft Kojdas antiatherosklerotische und gefäßprotektive Eigenschaften des PETN, die möglicherweise ebenfalls auf antioxidative Effekte zurückzuführen sind.

In weiteren Forschungsarbeiten konnte die direkte antiischämische Wirkung und eine damit verbundene Reduktion der Infarktgröße durch PETN nachgewiesen werden. In einer noch nicht abgeschlossenen randomisierten Doppelblindstudie wird die Wirkung auf Postinfarktpatienten geprüft. Weitere Studien untersuchen protektive Effekte auf das Endothel und die Wirksamkeit bei einmal täglicher Gabe von 150 beziehungsweise 200 Milligramm PETN.

PZ-Artikel von Gisela Dietz, Dresden <Top>

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