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Zweistelliger Zuwachs im weltweiten Jahresabschluß

15.02.1999
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-Wirtschaft & HandelGovi-VerlagELI LILLY

Zweistelliger Zuwachs im weltweiten Jahresabschluß

von Erdmuthe Arnold, Frankfurt am Main

Die in Indianapolis ansässige forschende US-Firmengruppe Eli Lilly konnte ihren Umsatz 1998 um 16 Prozent auf 9,24 Milliarden Dollar steigern. Davon entfielen allein auf Prozac, dem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Fluoxetin, 2,7 Milliarden Dollar. - Noch deutlicher war das Umsatzwachstum in Deutschland mit Humanpharmazeutika. Es stieg um 20 Prozent auf 514 Millionen DM.

Damit ist Lilli Deutschland nach Großbritannien zur zweitgrößten europäische Niederlassung der Lilly-Gruppe avanciert, wie die neu eingesetzte Geschäftsführerin Elisabeth H. Klimes am 4. Februar 1999 in Frankfurt am Main mit Genugtuung vor Pressevertretern darlegte.

Das Betriebsergebnis im Konzern nahm 1998 um 15 Prozent auf 2,825 Milliarden Dollar zu, der Gewinn stieg - auch aufgrund einmalig aufgetretener Ereignisse - um 23 Prozent auf 2,18 Milliarden Dollar. 18,8 Prozent vom Umsatz oder 1,74 Milliarden Dollar flossen in Forschung und Entwicklung, wie der Finanzdirektors Hilmar F. Bohn hervor hob. Das sollen 27 Prozent mehr als 1997 und überhaupt die bislang größte Summe gewesen sein, die die Unternehmensgruppe für die Entwicklung ausgegeben hat. Denn nur mit neuen Arzneimitteln könne heute noch Geld verdient werden. Der baldige Ablauf des Patentschutzes für Prozac hängt wie ein Damoklesschwert über Eli Lilly. Die Investitionen auch in den Vorjahren zahlen sich jedoch aus. So trugen Deutschland die neuen Präparate 34,8 Prozent zum Umsatz bei.

An Neueinführungen in den letzten drei Jahren nannte der medizinische Direktor von Lilly Deutschland, Dr. Hans-Joachim Weber, fünf Präparate: Das Neuroleptikum Zyprexa (Olanzapin) trug 1998 knapp 1,5 Millionen Dollar zum Umsatz bei. Mit dem Insulinanalogon Humalog wurden knapp 40 Millionen Umsatz erwirtschaftet. Das Therapeutikum gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs Gemzar (Gemcitabin) und der erste Inhibitor der Medikamentenklasse GPIIb/IIIa, ReoPro (Abciximab) zur Prophylaxe akuter kardialer Komplikationen erlösten je knapp 50 Millionen Dollar. Noch nicht erfolgreich war Evista (Raloxifen) für die Prävention der postmenopausalen Osteoporose. Wie Weber ausführte, hat das Unternehmen das Verordnungsverhalten der Ärzte für präventive Arzneimittel bislang falsch eingeschätzt.

Neueinführungen in Deutschland

1999 wurde ein neuer Insulinpen HumaPen Ergo sowie mit Humalog Mix, Humalog in festen Mischungen, in Deutschland eingeführt. Das Präparat soll die postprandialen Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten senken, die mit der Entwicklung von diabetischen Folgekomplikationen in Verbindung gebracht werden. Außerdem rechnet Weber in diesem Jahr mit verschiedenen Indikationserweiterungen sowie der Einführung eines Arzneimittels mit der Substanz Pioglitazon aus der Thiazolidinedion-Klasse (TZD), die von Takeda entwickelt wurde.

Lilly hat für das neue Diabetikum die Vermarktungsrechte erworben. Die Substanz Pioglitazon soll aufgrund ihres neuartigen Wirkungsmechanismus einen therapeutischen Fortschritt für die orale Behandlung des Diabetes Typ 2 bringen, da sie die Empfindlichkeit und das Ansprechen der Insulinrezeptoren verbessert. An weiteren Neuentwicklungen wird bei Lilli intensiv gearbeitet, wie Weber darlegte.

Einen besonderen Stellenwert hat Europa für die Forschung und Entwicklung erlangt. In Deutschland werden derzeit in Hamburg 35 Millionen DM in ein neues Forschungszentrum investiert, das im September 1999 bezugsfertig sein soll. Es bietet 120 Mitarbeitern in der Grundlagenforschung, vor allem auf dem Gebiet des Diabetes, einen neuen Arbeitsplatz. Von Hamburg aus soll auch die vorklinische Entwicklung von Präparaten in allen von Lilly besetzten Indikationen - ZNS, Diabetes, Infektionen, Onkologie, Herz-Kreislauf und Frauengesundheit - erfolgen. Zusammengearbeitet wird mit 900 Prüfzentren im stationären und niedergelassenen Bereich.

In Gießen sind 150 Mitarbeiter in der Fertigung und dem weltweiten Vertrieb beschäftigt. An der Universität Gießen besteht darüber hinaus ein Forschungslabor. Von der Hauptverwaltung in Bad Homburg aus erfolgt das Marketing. Dort sind 680 Mitarbeiter, so auch im Außendienst, beschäftigt.

Geschäftsführerin Klimes ist optimistisch, 1999 wieder ein zweistelliges Umsatzwachstum zu erreichen. Mittelfristiges Ziel sei es, zu den Top 20 der deutschen Pharmaunternehmen zu gehören. Geplant ist die Einstellung von 50 neuen Mitarbeitern.Top

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