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Effekte der Schlaganfalltherapie mit intravenöse Alteplase fraglich

15.02.1999  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

Effekte der Schlaganfalltherapie mit intravenöse Alteplase fraglich

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Neuere Studienergebnisse bestätigen keinen statistisch signifikanten positiven Effekt von Alteplase bei der Akutbehandlung von Schlaganfallpatienten.

In einigen großen, randomisierten und placebokontrollierten Studien haben Wissenschaftler bereits die Effekte einer thrombolytischen Therapie beim akuten Schlaganfall untersucht. In drei dieser Untersuchungen wurde Streptokinase intravenös innerhalb von sechs Stunden nach Einsetzen des Schlaganfalls gegeben. Diese Studien wurden vorzeitig abgebrochen, da in der Verum-Gruppe gehäuft Todesfälle und Blutungskomplikationen auftraten. Die Anwendung von Alteplase, einem rekombinierten Plasminogen, wurde in zwei weiteren Studien untersucht.

In der NINDS-Studie konnte bei der intravenösen Gabe von 0,9 mg/kg Körpergewicht innerhalb der ersten drei Stunden nach Auftreten der Schlaganfallsymptome bei 11 bis 13 Prozent der Patienten eine Verbesserung des Outcomes erzielt werden. Auf der Basis dieser Ergebnisse wurde Alteplase in den USA für den Einsatz innerhalb von drei Stunden nach dem Auftreten der Symptome zugelassen.

In der ECASS I, einer multizentrischen europäischen Studie konnte mit der intravenösen Gabe von 1,1 mg/kg Körpergewicht innerhalb von sechs Stunden nach dem Auftreten der Symptome keine signifikante Verbesserung erzielt werden. Dies könnte an nicht korrekten Auswahlkriterien gelegen haben, denn in der Subgruppe, die der eigentlichen Zielgruppe entsprach, konnte eine ähnliches Ergebnis wie in der NINDS-Studie erzielt werden. In der gesamten Verum-Gruppe kam es jedoch zu einer erhöhten Mortalitätsrate und verstärkten parenchymalen Blutungen.

In der aktuellen ECASS II-Studie wurde jetzt untersucht, inwieweit Alteplase in einer Dosierung von 0,9 mg/kg Körpergewicht bei einer Gabe innerhalb von sechs Stunden die Prognose der Patienten verbessern kann. Insgesamt 800 Patienten in Europa, Australien und Neuseeland, bei denen über eine CT-Untersuchung das Vorliegen eines schweren Schlaganfalls ausgeschlossen wurde, erhielten entweder Alteplase oder Placebo. Die Daten der Patienten wurden nach dem Zeitpunkt der Applikation nach dem Auftreten der Symptome von 0 bis 3 Stunden und 3 bis 6 Stunden differenziert.

165 der Patienten (40,3 Prozent) aus der Alteplase-Gruppe und 143 Patienten der Placebo-Gruppe 36,6 Prozent) zeigten einen prognostisch günstigen Score. Die Unterschiede waren statistisch nicht signifikant und traten sowohl in der Gruppe der nach 0 bis 3 Stunden behandelten, als auch in der Gruppe der nach 3 bis 6 Stunden behandelten Patienten auf. Eine symptomatische, intrakraniale Blutung trat bei 8,8 Prozent der Patienten in der Verum- und bei 3,4 Prozent der Patienten in der Placebo-Gruppe auf. Auch bezüglich der Mortalität nach 30 beziehungsweise 90 Tagen ergab sich kein Unterschied zwischen beiden Gruppen.

In der aktuellen Studie ist also lediglich ein positiver Trend erkennbar. Unabhängig von einer Risikoerhöhung bezüglich intrakranialer Blutungen, könnte die Gabe von 0,9 mg Alteplase pro kg Körpergewicht die Prognose von ausgewählten Patienten mit Schlaganfall verbessern.

In einem Kommentar zu dieser Studie stellen die Autoren fest, daß bislang der endgültige Wirksamkeitsnachweis für die Anwendung von Alteplase beim akuten Schlaganfall fehlt. Als mögliche Gründe kommen die zu kleine Patientenzahl, der in der Studie gewählte Schweregrad des Schlaganfalls sowie eine unter Umständen nicht angemessene Beurteilung mittels des Rankin-Scores in Frage. Die in die Studie aufgenommenen Patienten mit relativ milder Symptomatik profitieren mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit von einer akuten Therapie, da solche Fälle auch zur Spontanbesserung neigen.

Literatur:

  1. Hacke, W., et al., Lancet 352 (1998) 1245 - 51.
  2. Bath, P., Lancet 352 (1998) 1238 -39.
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