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HOT bedeutet Neuanfang in der Hochdrucktherapie

15.02.1999  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

HOT bedeutet Neuanfang in der Hochdrucktherapie

von Christiane Berg, Hamburg

Ziel der Hypertension Optimal Treatment Study (HOT-Studie) war die Festlegung eines Zielblutdruckes zur maximalen kardiovaskulären Risikoreduktion. Die bis heute publizierten Ergebnisse zeigen, daß kardiovaskuläre Morbididät und Mortalität bei Blutdruckwerten von 139/83 mm Hg im Mittel am niedrigsten sind. Eine weitere Senkung auf Werte unterhalb 83 mmHg diastolisch durch eine konsequente und antihypertensive Stufentherapie ist sicher und gut verträglich. Hypertone Diabetiker profitieren am stärksten von einer strengen Blutdrucksenkung.

In der HOT-Studie wurden insgesamt 19193 Patienten mit diastolischen Blutdruckwerten von 100 bis 115 mmHg im Alter von 50 bis 80 Jahren untersucht. Das Behandlungskonzept sah ein fünfstufiges medikamentöses Programm zur Blutdrucksenkung vor. Zu Ende des Beobachtungszeitraumes erhielten 78 Prozent der Patienten Felodipin - ein Calciumantagonist vom Dihydropyridin-Typ - in Kombination mit einem ACE-Hemmer (41 Prozent) oder einem beta-Blocker (28 Prozent). Der Beobachtungszeitraum lag im Mittel bei 3,8 Jahren. 26 Länder beteiligten sich an der Untersuchung.

Besonders Diabetiker profitieren

Endpunkte der Studie waren kardiovaskuläre Ereignisse wie Myokardinfarkt, plötzlicher Herztod und Schlaganfall. Die Studie zeigte, daß mit einer konsequenten Therapie die diastolischen Werte um mehr als 20 mmHg gesenkt werden können. Die Reduktion diastolischer Druckwerte von 105 auf 83 mmHg verhindert vier schwere kardiovaskuläre Ereignisse pro 1000 Patientenjahre. Dies entspricht einer Risikoreduktion von 30 Prozent. Bei Patienten mit gut eingestelltem Blutdruck verminderte die zusätzliche Gabe von ASS (75 mg pro Tag) das kardiovaskuläre Risiko um 15 Prozent, ohne das Risiko zerebraler Blutungen zu erhöhen.

Von einer Erniedrigung des Blutdruckes auf Werte unterhalb 80 mmHg profitieren insbesondere Patienten mit nicht-insulinpflichtigem Diabetes mellitus. Die Ergebnisse innerhalb einer entsprechenden Subgruppe belegen, daß die kardiovaskulären Ereignisse in der Gruppe £ 80 mmHg mit nur etwa 50prozentiger Häufigkeit im Vergleich zur Gruppe £ 90 mmHg auftraten. Eine 30prozentige Senkung des Schlaganfallrisikos wurde dokumentiert.

Verbesserung der Lebensqualität

"Die Ergebnisse der HOT-Studie zeigen, daß wir unsere Hochdruckpatienten heute konsequenter behandeln müssen", so Professor Dr. Rainer Kolloch, Bielefeld, bei einer Pressekonferenz von Hoechst Marion Roussel am 21. Januar in Hamburg. Er beklagte die derzeit zu beobachtenden "suboptimalen Medikamentenregimes". Wichtig sei ein ausgefeiltes Management in Therapie und Führung des Hochdruckpatienten.

Überraschend findet Kolloch die Tatsache, daß die Ergebnisse von Substudien eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität von Patienten mit Druckwerten unter 80 mmHg im Vergleich zu den Werten bei Studienbeginn belegen. Eine befürchtete Zunahme von Nebenwirkungen bei Reduktion der diastolischen Werte bis unter 80 mmHg habe sich nicht bestätigt. Es gebe heute differentialtherapeutisch ausreichend Möglichkeiten, den angestrebten Zielblutdruck zu erreichen, wobei die Einstellung des Blutdruckes Sache des niedergelasssenen Arztes und nicht der Klinik sein müsse.

Diastolischer Wert wichtig

Die moderne Hochdrucktherapie sollte sich heute eindeutig an der HOT-Studie orientieren, bestätigte Privatdozent Dr. Peter Trenkwalder aus Starnberg. Die Studie habe nicht das Ziel gehabt, die Felodipin-Therapie mit anderen Hochdrucktherapien zu vergleichen. Doch spreche die unerwartet geringe Zahl von Komplikationen für das eingesetzte Therapieregime. Die initiale Monotherapie ist frühzeitig mit pharmakologisch sinnvollen Partnern wie ACE-Hemmern oder beta-Blockern zu kombinieren, so der Mediziner, der die antihypertensive Fixkombinationen als wichtigen Bestandteil des therapeutischen Arsenals des niedergelassenen Arztes empfahl.

Zu einem Neuanfang in der Hochdrucktherapie führen die Möglichkeit der 24-Stunden-Blutdruckmessung sowie die Ergebnisse der HOT-Studie, sagte Dr. Georg Tacke aus Kiel. Insbesondere dem diastolischen Wert komme eine größere Bedeutung zu als bislang angenommen. Auch Tacke bewertete es Ergebnis mit weitreichender Bedeutung für die Praxis, daß 70 Prozent der Patienten mit Kombinationen behandelt werden müssen, um den Zielblutdruck zu erreichen. "Hier wird in Zukunft sehr viel mehr pharmakologisches Wissen und Initiative der niedergelassenen Ärzte nötig sein." Top

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