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Cyclosporin kann Krebs erzeugen

15.02.1999  00:00 Uhr

-MedizinGovi-Verlag

Cyclosporin kann Krebs erzeugen

PZ Das bei Organ-Transplantationen häufig verwendete Immunsuppressivum Cyclosporin A kann Krebs erzeugen. Und zwar nicht, weil es die Immunabwehr unterdrückt, sondern weil es direkt die Produktion des Botenstoffes TGF-ß (Tumor Growth Factor beta) anregt. Das haben Minoru Hojo von der Cornell University in New York, USA, und seine Mitarbeiter in Zellkultur- und Tierversuchen herausgefunden.

Die Entstehung besonders bösartiger, invasiv wachsender Tumore ist eine häufige Komplikation nach Organtransplantationen. Bisher waren die Wissenschaftler davon ausgegangen, daß das durch Cyclosporin A supprimierte Immunsystem entartete körpereigene Zellen nicht mehr bekämpfen kann.

Hojo und seine Kollegen konnten nun jedoch nachweisen, daß Cyclosporin A direkte Effekte auf das Tumorwachstum hat. Es ist in der Lage, Tumorzellinien zu verändern. Die Zellen konnten sich nach Zugabe des Immunsuppressivums schneller bewegen, invasiv wachsen, und sie veränderten ihre Form - alles Eigenschaften besonders aggressiv wachsender Tumore. Im Tierversuch mit immundefizienten Mäusen zeigten sich ähnliche Ergebnisse: Die Tiere, die mit Cyclosporin A behandelt worden waren, entwickelten besonders viele Metastasen. Zellkulturen und immundefiziente Tiere verwendeten die Wissenschaftler, um Effekte des durch Cyclosporin A supprimierten Immunsystems auszuschließen. Die Forscher haben nicht untersucht, ob auch gutartige Zellen durch Cyclosporin A zu Tumorzellen werden können.

Da sich die Effekte von Cyclosporin A mit Antikörpern gegen TGF-ß blockieren ließen, gehen die Wissenschaftler davon aus, daß TGF-ß bei der Cyclosporin-A-vermittelten Tumorentstehung eine entscheidende Rolle spielt.

Quelle: Hojo, M., et al., 1999, Nature 397, 530 - 534

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