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09.02.1998  00:00 Uhr
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09.02. Institut sucht Nepal-Reisende für Tests
dpa. Zur Erforschung des Ansteckungsrisikos für Hepatitis E sucht das Münchner Tropeninstitut Nepal-Touristen als Versuchspersonen. Das Hepatitis-E-Virus kommt in Afrika, Südamerika und Südostasien vor. Besonders im Kathmandu-Tal (Nepal) besteht ganzjährig ein Infektionsrisiko. In der Regenzeit kommt es dort immer wieder zu Hepatitis-E-Epidemien. Hepatitis-E ist eine Form der infektiösen Gelbsucht, die durch verunreinigte Nahrungsmittel und Trinkwasser übertragen wird. Ein Impfstoff dagegen ist gegenwärtig in Entwicklung, teilte die Universität am Montag mit. Das Tropeninstitut der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität sucht bundesweit Touristen, die eine Nepal-Reise planen. Sie sollen sich vor der Reise Blut abnehmen lassen, um zu klären, ob sie Antikörper gegen Hepatitis-E-Viren haben. Sechs Monate nach dem Ende der Reise sollen diese Personen noch einmal für eine Blutuntersuchung zur Verfügung stehen, um zu prüfen, ob sie sich unterwegs infiziert haben. Als Dank für die Mithilfe können die Touristen die empfohlene Reiseimpfung für Nepal kostenlos erhalten.

09.02. Reiche Menschen rauchen und trinken mehr
dpa. Statistisch gesehen lassen ärmere Menschen ihre Finger häufiger von Alkohol und Zigaretten als finanziell gut gestellte Bürger. Das geht aus einer Erhebung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik in Düsseldorf hervor. Die Genußkurve wächst mit den Einnahmen. Leistet sich eine vierköpfige Familie mit 3.000 Mark Nettoeinnahmen monatlich 15 Zigaretten und 13 Liter Bier, Schnaps und Wein, so konsumiert die Familie mit dem doppelten Einkommen schon satte 20 Liter Alkoholisches und über 100 Zigaretten. Erst die Großverdiener schauen wieder etwas mehr auf die Gesundheit und fallen mit 19 Litern und 79 Glimmstengeln etwas ab.

09.02. Anzag gegen Bindung an Großaktionäre
vwd. Die Andreae-Noris Zahn AG (Anzag), Frankfurt, steht einer engeren Anbindung an die beiden Großaktionäre Sanacorp Pharmahandel AG, Planegg, und Noweda e.G. Apothekergenossenschaft, Essen, eher skeptisch gegenüber. Bei einem Zusammenschluß müsse für die Aktionäre der Anzag erkennbar mehr herauskommen, als der Pharmagroßhändler aus eigener Kraft bewerkstelligen könne, sagte der Sprecher des Vorstandes, Hermann Franke, in Frankfurt. Die Sanacorp hält mittlerweile (inklusive seiner Kaufoptionen) knapp unter 50 Prozent der Stimmrechte von Anzag, weitere 25 Prozent liegen bei Noweda. Nach den Worten Frankes präferiert Sanacorp eine europäische Holding an der neben der Anzag und Sanacorp beispielsweise auch die Herba Chemosan Apotheker AG, Wien beteiligt sein sollen. Die genossenschaftliche Noweda sei dagegen für eine deutsche Lösung, bei der die drei Pharmagroßhändler Anzag, Sanacorp und Noweda enger zusammenrücken. Die Anzag selbst habe kein primäres Interesse an einer Übernahme, erklärte Franke. Bei einem eventuellen Zusammenschluß sind möglicherweise auch kartellrechtliche Fragen noch zu klären, denn die drei Firmen erzielen gemeinsam einen Marktanteil von gut 36 Prozent. Andere große Wettbewerber sind Gehe (18,5 Prozent) und Phönix (28 Prozent).

06.02. Preisverordnung: Änderungen kommen pünklich
PZ. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet damit, daß die Änderung der Arzneimitelpreisverordnung pünktlich zum 1. Juli 1998 in Kraft tritt. Der Wirtschaftsausschuß des Bundesrates werde der Änderung der Arzneimittelpreisverordnung in der nächsten Sitzung ohne Nachbesserungen zustimmen, sagte Dr. Peter Klocker, Referatsleiter beim Bundeswirtschaftsministerium, auf einer Veranstaltung des Colloquium Pharmaceuticum am 6. Februar in Bonn. Die Neufassung werde wie geplant zum 1. Juli in Kraft treten. In seiner Sitzung am 22. Januar hatte der Wirtschaftsausschuß die Zustimmung zur Änderung verweigert und zusätzliche Informationen gefordert. Die Änderung der Arzneimittelpreisverordnung sieht eine Kappung der Zuschläge für Großhandel und Apotheken bei einem Verkaufspreis von mehr als 1063, 81 DM vor. Als Ausgleich für die Apotheken werden die Notdienstgebühr und die Rezepturzuschläge angehoben.

05.02. Ärzte melden mehr Grippeerkrankungen
In Deutschland mehrt sich die Anzahl der Grippeerkrankungen. "Die Aktivität von Grippeviren in einzelnen Regionen hat sich erhöht, eine weitere Zunahme in den kommenden Wochen ist wahrscheinlich." Das sagte der wissenschaftliche Leiter der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI), Helmut Uphoff, am Donnerstag der dpa in Marburg. Die AGI wertet die wöchentlichen Berichte von rund 600 Arztpraxen in ganz Deutschland über den Anteil der an Erkältungskrankheiten leidenden Patienten aus, um rechtzeitig vor einem drohenden Ausbruch der Virusgrippe vom Typ Influenza A warnen zu können. Ein Trend zu einer flächigen Ausbreitung der Grippeviren jedoch nicht eindeutig auszumachen, "eventuell bekommen wir aber eine Influenzawelle". Von einem gehäuften Auftreten influenza-ähnlicher Erkrankungen berichteten mehrere Praxen in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hamburg und einigen anderen Regionen. Einen konkreten Zusammenhang zwischen der derzeitiger Witterung und der Zunahme von Grippeinfekten sieht Uphoff nicht: "Wir wissen, daß das Virus empfindlich ist gegen Sonneneinstrahlung und sich bevorzugt im feuchten und kalten Klima ausbreitet. Insgesamt hängt die Aktivität aber von vielen verschiedenen Faktoren ab", sagte der Wissenschaftler.

05.02. Kombitherapie verbessert Heilerfolg bei HCV
PZ. Die kombinierte Anwendung von Interferon alfa-2b und dem Nukleosid-Analogon Ribavirin verbessert die Langzeit-Ansprechrate bei Patienten mit rezidivierender chronischer Hepatitis C auf 48,6 Prozent. Unter Interferon-Monotherapie liegt dieser Wert nur bei 4,7 Prozent. Die neuen Ergebnisse stützen sich auf Studien mit 345 Patienten mit chronischer Hepatitis C, bei denen es nach Absetzen einer primär erfolgreichen Interferon-Monotherapie zu einem Rezidiv gekommen war. Sie erhielten über 6 Monate entweder Interferon alfa-2b (dreimal 3 Millionen I.E. pro Woche) plus Ribavirin (1000 bis 1200 mg/d) oder plus Placebo. Unter Interferon-Monotherapie (n=172) betrug die virologische Ansprechrate bei Behandlungsende 49 Prozent, nach 6 Monaten Nachbeobachtung nur noch 4,7 Prozent. Unter der Kombinationstherapie aus Interferon und Ribavirin (n=173) lag die virologische Ansprechrate zum Behandlungsende bei 82 Prozent, zum Ende der Nachbeobachtungszeit noch bei 48,6 Prozent. Die Zahl der Hepatitis C-Virus-Träger wird allein in Deutschland auf fast 800.000 geschätzt. 60 bis 90 Prozent der Fälle verlaufen chronisch, bei 20 bis 30 Prozent kommt es zu einer Leberzirrhose; das Leberzellkarzinom-Risiko ist deutlich erhöht.

05.02. Fünffach-Impfstoff für Kinder
dpa. Ein neues Fünffach-Kombinationspräparat schützt vor Infektionskrankheiten im Kindesalter mit einer einzigen Spritze. Wie der Hersteller, Pasteur Merieux MSD (Leimen, Rhein-Neckar-Kreis), am Donnerstag in Berlin mitteilte, wirkt der Impfstoff gleichzeitig gegen Diphtherie, Wundstarrkrampf, Keuchhusten, Hirnhautentzündung und Kinderlähmung. Auch die Firma SmithKline Beecham (München) hat eine deutsche Zulassung für einen Fünffach-Impfstoff erhalten. Die neue Wirkstoffkombination, die nur per Spritze verabreicht wird, entspricht den jüngsten Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Sie hatte kürzlich angewiesen, die Kinderlähmung-Schluckimpfung aufzugeben und durch vollständig abgetötete Polio-Viren zu ersetzen, die gespritzt werden müssen. Die neue Kombination (Handelsname Pentavac) wird ab dem dritten Lebensmonat den Säuglingen in vierwöchigem Abstand dreimal verabreicht. Die vierte Dosis folgt zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat. Um eine langfristige Polioimmunität zu erzielen, muß der Impfschutz bei Jugendlichen nochmals zwischen dem 11. und 18. Lebensjahr aufgefrischt werden, erläuterten Ärzte vor Journalisten.

04.02. Kaum Auswirkungen durch hohe Zuzahlung
PZ. Die erhöhten Zuzahlungen der Krankenkassen-Versicherten für Arzneimittel haben Marktstrukturen nicht verändert. Sie brachten noch nicht einmal einen Trend zu größeren Packungen, erklärt der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA). Allenfalls gibt es nach den Worten des VFA-Vorsitzenden Horst Freisler "eine leichte Dämpfung des Marktes". Dennoch sind die Pharmafirmen mit 1997 nicht ganz zufrieden. Mit einem Plus von 2,1 Prozent auf 25,4 Milliarden DM zu Herstellerabgabepreisen blieb das Wachstum auf dem deutschen Apothekenmarkt relativ gering. Ausschließlich die Strukturkomponente (+5,4 Prozent) bestimmte dieses Wachstum: Die Nachfrage nach innovativen hochwirksamen Arzneimitteln ist gestiegen. Allerdings blieb der Anteil der normierten Packungsgrößen am Gesamtmarkt gleich: Die kleinste Einheit, die Nl-Packung, deckt 49 Prozent des Marktes ab; der Anteil der N2-Packungen liegt bei 30 und der N3-Packungen bei 22 Prozent.

04.02. AOK zahlt für Zahnersatz aus Ausland
dpa. Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) Baden-Württemberg zahlt Zuschüsse auch für im EU-Ausland gefertigten Zahnersatz. Voraussetzung sei die medizinische Notwendigkeit und das Vorliegen einer Zahnarztrechnung, teilte die AOK am Mittwoch mit. Die Kosten werden bis zur Höhe der jeweils geltenden Festzuschüsse übernommen. Die AOK geht davon aus, daß die Beschränkung auf in Deutschland gefertigten Zahnersatz einer EU-rechtlichen Prüfung nicht standhalten würde. Der AOK-Vorstandsvorsitzende Roland Sing betonte, daß man keinen Patiententourismus ins Ausland organisieren wolle. Die Absicht gehe in Richtung der Stärkung des Preiswettbewerbs.

04.02. Roche darf Boehringer übernehmen
dpa. Die Übernahme des Pharmaunternehmens Boehringer Mannheim durch den Schweizer Chemiekonzern Roche ist nach Angaben der Roche Holding AG (Basel) von der Europäischen Wettbewerbskommission genehmigt worden. Die Genehmigung für die Übernahme der in der Corange Gruppe zusammengefaßten Unternehmen Boehringer und DePuy enthalte Auflagen, teilte Roche am Mittwoch weiter mit. Die im vergangenen Mai bekanntgegebene Übernahme soll rund elf Milliarden Dollar (18 Milliarden DM) kosten.

04.02. Unternehmer bietet Rauchern Wette an
dpa. Die Zigarettenpause für ein Schwätzchen unter Kollegen ist vielen Rauchern eine liebe Gewohnheit geworden. Aber die Raucher und ihr blauer Dunst geraten zunehmend in die Schußlinie. Antirauchergesetze sollen Raucher und Nichtraucher vor Suchtfolgen bewahren. Eine andere Lösung fand der geschäftsführende Gesellschafter der Rudolf Wild Werke in Eppelheim bei Heidelberg, Hans-Peter Wild. Statt Verbote auszusprechen, hilft er seinen Mitarbeitern, der Sucht zu entsagen. Der Unternehmer bietet eine Wette an. Wild zahlt 1.000 Mark aus eigener Tasche an rauchende Mitarbeiter, die sechs Monate lang keine Zigarette anrühren. Raucht der Betreffende ein Jahr lang nach der Auszahlung nicht, darf er das Geld behalten. Ist das Verlangen nach einer Zigarette größer als der Wille, dem Rauch zu entsagen, muß der Mitarbeiter 2.000 Mark an seinen Chef zurückzahlen. "Ich weiß, das Aufhören fängt im Kopf an. Es ist ein langer Weg, bis man den Entschluß gefaßt hat", sagt Wild und spricht damit aus eigener Erfahrung. Erst 1990 entsagte er selbst endgültig dem blauen Dunst - nach 60 Zigaretten am Tag und zwei Entwöhnungsanläufen. Der Geschäftsführer gibt sich überzeugt, daß er seinen Job bei so starkem Tabakkonsum nicht machen könnte. Deshalb will er seine Einstellung anderen vermitteln.
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