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Bayer-Umweltpreis: Trinkwasser ist zum Trinken da

03.02.1997
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-Wirtschaft & Handel

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Bayer-Umweltpreis: Trinkwasser
ist zum Trinken da

  46 Liter für die Toilettenspülung, 44 Liter für Bad und Dusche, 17 Liter zum Wäsche waschen ... Pro Tag und Kopf verbrauchen wir 150 Liter Wasser. Nur drei Liter davon verwenden wir als Trinkwasser. Zu diesem Zweck wird das Leitungswasser in Deutschland kaum noch genutzt. "Leitungswasser hat im Gegensatz zu abgepacktem Mineral- und Heilwasser trotz strenger gesetzlicher Auflagen und zahlreicher Gutachten einen schlechten Ruf", sagte Professor Dr. Franz Daschner, Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene in Freiburg, anläßlich der Verleihung des 2. Bayer-Pharma-Umweltpreises. Das Preisausschreiben wurde von Bayer und dem Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene initiiert.

Ausgezeichnet wurden die Städtischen Kliniken in Darmstadt für folgende Idee: Die Patienten werden jetzt nicht mehr mit Mineral- oder Heilwasser aus Flaschen versorgt, sondern sie können sich stilles oder Sprudelwasser aus qualitätsgesicherten Anlagen selbst zapfen. Zapfanlagen stehen auf jeder Station im Gang. Vereinfachend könnte man laut Daschner sagen: "Trinkwasser wird dazu verwendet, wozu es eigentlich bestimmt ist: zum Trinken." Das Krankenhaus in Darmstadt erhielt dafür einen Scheck über 20 000 DM. Das Geld soll zweckgebunden für umweltschutzrelevante Maßnahmen eingesetzt werden.

Die Umstellung von verpackungs- und transportaufwendiger Flaschenware auf klinikinterne Zapfanlagen trägt zum Klimaschutz bei. Für Aufbereitung, Verpackung und Transport von einem Liter Wasser in Flaschen wird etwa 500mal soviel Energie verbraucht wie für die gleiche Menge Leitungswasser, ehe es den Endverbraucher erreicht. In Deutschlands Kliniken konsumieren die Patienten pro Jahr etwa 200 Millionen Mineralwasser-Mehrwegflaschen.

Wasser zapfen statt Flaschen ziehen

Der hauptamtliche Klinikökologe des Krankenhauses in Darmstadt, Detlev Nottebruck, berechnete, daß zum Transport dieser Flaschen ein Volumen von 12 300 Lastkraftwagen mit Anhängern benötigt wird. 1 240 000 km werden auf deutschen Straßen für die Ver- und Entsorgung der deutschen Kliniken mit Mineralwasser zurückgelegt. Allein dieser Verkehr verursacht eine enorme Abgasbelastung. Die CO2-Emission des Straßenverkehrs gilt als Mitverursacher des Treibhauseffekts. Durch das Darmstädter Projekt wird der CO2-Ausstoß und der Energiebedarf gesenkt. Die Wasserwerke liefern das erheblich kostengünstigere Trinkwasser direkt vor die Haustür. Das Wasser in Darmstadt habe eine ausgewogene mineralische Qualität, sagte Nottebruck.

Durch die Umstellung auf Zapfanlagen vermeidet das Darmstädter Klinikum den Gebrauch von rund 330 000 Flaschen. Außerdem haben sich dadurch die Getränkekosten pro Liter halbiert (von 0,47 DM auf 0,22 DM). Das beste Beispiel für Daschner, daß mit Umweltschutz sogar Kosten gespart werden können.
"Umweltschutz im Krankenhaus ist kein exotisches Hobby von ein paar Spinnern", mahnte Daschner. Er verdeutlichte mit Zahlen: Krankenhäuser in Deutschland produzieren jedes Jahr fast 1,5 Millionen Tonnen hausmüllähnliche Abfälle, das sind an einem Tag für einen Patienten 7,4 Kilogramm Abfall. Zum Vergleich: Zu Hause fällt pro Bundesbürger am Tag 1 Kilogramm Hausmüll an. Was Wärme- und elektrische Energie betrifft, verbraucht ein Patient im Krankenhaus 20mal soviel Strom wie zu Hause. Eindringlich auch die Vergleichszahlen beim Wasserverbrauch: 600 Liter pro Patient und Tag, 150 Liter pro Bürger zu Hause.

PZ-Artikel von Elke Wolf, Darmstadt    

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