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03.02.1997
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10.02. Virologen erforschen Lymphtumoren
Die Verbesserung der Früherkennung und Therapie von Lymphtumoren ist das Ziel eines Forschungsprojekts an der Universität Erlangen-Nürnberg. Die Wissenschaftler am Institut für Klinische und Molekulare Virologie untersuchen, welche Rolle von Herpesviren gebildete Eiweißstoffe bei der Entstehung von Lymphtumoren spielen. Das teilte die Deutsche Krebshilfe mit. Herpesviren, die Zellen des Immunsystems befallen, können bösartige Tumoren hervorrufen.

07.02. Infektionen über Lebensmittel nehmen zu
Nach Darstellung des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) sind immer häufiger verseuchte Lebensmittel die Ursache von Infektionskrankheiten. BgVV-Direktor Paul Teufel sagte auf einem Seminar der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Fulda, daß neben den neuen Erregern wie BSE auch seit langem bekannte Krankheitserreger wieder zunehmend verbreitet seien. Das habe zu einer Häufung der als beherrscht eingestuften Krankheiten Tuberkulose, Brucellose, Trichenillose und Cholera geführt. Als Ursache nannte Teufel die Intensivtierhaltung, die zu einem starken Ausstoß von Mikroorganismen in die Umwelt führe. Außerdem sei in einer modernen Industrienation davon auszugehen, daß 20 Prozent der Bevölkerung ein geschwächtes Immunsystem aufweisen.

07.02. Gegen die Kopplung von Zuzahlung und Beitrag
Gesetzliche Krankenkassen in Rheinland-Pfalz haben Pläne der Bundesregierung kritisiert, die Höhe von Zuzahlungen zu Medikamenten und Krankenhauskosten an die Erhöhung der Beitragssätze zu koppeln. "Dies würde zu einer sozialpolitisch inakzeptablen, einseitigen und je nach Kassenzugehörigkeit zufälligen und zugleich willkürlichen Belastung ausschließlich von Kranken führen", teilten die Verbände der gesetzlichen Krankenkassen Rheinland-Pfalz in Mainz mit. Es drohe ein Zuzahlungschos, so die gemeinsam herausgegebene Pressemitteilung.

07.02. Erfolge mit künstlichem Knochenwachstum
Wissenschaftlern an der Universität Würzburg gelang der Nachweis und die gentechnische Herstellung einer den Knochenneubau anregenden Substanz. Das Protein heißt BMP. Knochenmaterial von Spendern wird inaktiviert, mit dem Wachstumsprotein beschichtet und einem Patienten z.B. nach einem Unfall eingepflanzt. Das schwammartige Material ist nach einigen Wochen oder Monaten in körpereigenen Knochen umgewandelt. Die Anzüchtung benötigter Knochenmasse wurde bisher nur bei Mäusen ausprobiert.

07.02. Stillen als Prävention gegen Neurodermitis
Jedes fünfte Kleinkind leidet unter Neurodermitis, einer Hautkrankheit, die auf eine allergische Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Substanzen zurückzuführen ist. Das erklärte Professor Dr. Erwin Schöpf, Ärztlicher Direktor der Hautklinik der Universität Freiburg und Generalsekretär der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Wegen der genetischen Veranlagung sei die Krankheit nicht austherapierbar. Eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen sei aber das Stillen. Dadurch sei das Kind am besten vor allergieauslösenden Einflüssen geschützt.

06.02. Experten lehnen Verschreibungsbeschränkung ab
Die Verschreibungsbeschränkung für orale Kontrazeptiva der dritten Generation ist nach Ansicht von Wissenschaftlern aus Deutschland, England und den Niederlanden nicht haltbar. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hatte am 4. Februar diese Verschreibungsbeschränkung für unbefristet erklärt. Hintergrund der Maßnahme waren Studien, nach denen Pillen der dritten Generation mit den Wirkstoffen Desogestrel oder Gestoden etwa doppelt so oft Blutpfropfen in Venen hervorrufen wie ältere Präparate.

06.02. Gentherapie gegen Parkinson
US-Forscher haben bei Ratten erstmals mit Hilfe der Gentechnik einen Nervenschaden verhindert, durch den Parkinson-Kranke ihre Bewegungsfähigkeit verlieren. Choi-Lundberg und seine Kollegen von der Universität Rochester im US-Staat New York übertrugen ein Gen in das Gehirn von Ratten, das die Produktion des Eiweißstoffes GDNF (glial cell derived neurotrophic factor) anregt. GDNF kann genau jene Nervenzellen am Leben erhalten, die bei der Parkinson-Krankheit im Hirn zerstört werden. Bei den behandelten Tieren fielen nur noch 21 Prozent der Zellen den künstlich ausgelösten parkinsonähnlichen Attacken zum Opfer. Bei der Kontrollgruppe wurden 69 Prozent der Zellen geschädigt.

05.02. DGVP fordert Seehofer zum Sparen auf
Die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP) forderte Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer dazu auf, bestehende Rationalisierungsreserven im Gesundheitswesen auszuschöpfen, anstatt den Versicherten weitere Kosten aufzubürden. In einem Gespräch mit dem Minister in Bonn verwies DGVP-Präsident Ekkehard Bahlo auf eine neue Untersuchung, nach der allein die Fehlbelegungen im Krankenhaus die Versicherten rund 7,5 Milliarden Mark im Jahr kosten. Auch der Einsatz moderner Informationstechnik könne einer weiteren Untersuchung zufolge einen Einspareffekt erreichen.

05.02. Weniger neue AIDS-Erkrankungen
Die Zahl der AIDS-Neuerkrankungen ist im vergangenen Jahr bundesweit um acht Prozent auf 1641 gesunken. Wie das Zentrale Fallregister des Robert-Koch-Institutes in Berlin mitteilt, hat der Frauenanteil bei Neuerkrankungen allerdings zugenommen. Er liege derzeit bei 16 Prozent. In ganz Deutschland wurden seit Ausbruch der Krankheit vor 14 Jahren 15682 AIDS-Fälle bekannt. Davon sind 90 Prozent Männer. Experten rechnen mit einer Dunkelziffer von 15 Prozent.

05.02. Deutschland droht Grippewelle
Deutschland steht möglicherweise vor einer Grippewelle. Der jahreszeitlich bedingte, leichte Anstieg von Grippeerkrankungen könnte nach Ansicht des Robert-Koch-Institutes der Beginn einer weiteren Ausbreitung der Influenza sein. Die Grippefälle seien zur Zeit recht gleichmäßig über Deutschland verteilt. In Europa ist nach Angaben der WHO in Genf derzeit eine erhöhte Zahl an Grippefällen zu beobachten. Besonders stark betroffen seinen Belgien und die Niederlande, Norwegen und Schweden sowie Rußland. Nachgewiesen wurden hauptsächlich Viren der Variante A/Wuhan.

05.02. Neue Anlage für Blutersatz
Eine Anlage zur Herstellung von Volumenersatzstoffen ist am Mittwoch bei der Serum-Werk Bernburg AG (Bernburg) in Betrieb genommen worden. Die 5,8 Millionen DM teure Anlage ist nach Firmenangaben die modernste in Europa. Jährlich sollen künftig 45 Tonnen des Volumenersatzstoffes Hydroxyethylenstärke in Bernburg produziert werden. Volumenersatzstoffe werden in der Unfallmedizin und in Krankenhäusern zum Ausgleich hoher Blutverluste sowie zur Stabilisierung des Kreislaufs eingesetzt.

02.02. B12-Mangel fördert Ausbruch von AIDS
HIV-infizierte Männer mit einem Mangel an Vitamin B12 scheinen schneller an AIDS zu erkranken als andere mit normalen B12-Werten im Blut. Das ist das Ergebnis einer Studie mit 310 Männern an der Johns Hopkins Universität in Baltimore (Maryland). Bei niedrigen B12-Werten setzte die Krankheit durchschnittlich nach vier Jahren ein, bei normalem und hohem B12-Gehalt nach acht Jahren. Andere wichtige B-Vitamine wie B6 und Folsäure hatten dagegen keinen Einfluß auf die Entwicklung der AIDS-Symptome. Vitamin B12 ist ein wasserlösliches Vitamin, das nicht vom Körper gespeichert wird. Es kommt in vielen Tierprodukten vor, darunter in Fleisch, Milch und Eiern.

01.02. Schweizer Kasse testet Versandhandel
Die Schweizer Krankenversicherung Helsana will trotz unklarer Rechtslage ab April 1997 in einem Modellversuch Medikamente direkt an die Versicherten versenden. Ziel des Versandhandels sei, so Dr. Christian Köpe, Leiter Managed Care bei der Helsana, die erhöhte Pluralität der Arzneimittelvertriebswege sowie eine gesteigerte Effizienz. Nach seinen Berechungen könnten durch Mediservice die Arzneimittelkosten um 10 bis 15 Prozent gesenkt werden. Diese Erwartungen hält Dr. Max Brentano-Motta, Präsident des Schweizer Apothekervereins (SAV), für völlig unrealistisch. Einsparungen in der Größenordnung seien nur zu erzielen, wenn die Versandapotheke nur finanziell attraktive Medikamente distribuiere. In erster Linie spreche aber die Arzneimittelsicherheit gegen den Versandhandel.    

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