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Wehrpharmazie im Nachkriegs-Deutschland

28.01.2002
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BUNDESWEHR UND NATIONALE VOLKSARMEE

Wehrpharmazie im Nachkriegs-Deutschland

von Carsten Gerd Dirks, Bielefeld, und Fritz Krafft, Marburg

Die als Kriegs-, Militär-, Wehr- und Katastrophenpharmazie bezeichnete Militärpharmazie in Deutschland durchlief eine wechselvolle Entwicklung. Die Begriffe sind auch keineswegs Synonyme, sondern charakterisieren mehr oder weniger lange Zeitabschnitte oder Historische Erfahrungsräume (1) deutscher Militärpharmazie, die von jeweils anderen politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und militärischen, aber auch wissenschaftlichen Faktoren geprägt wurden. Dass sich die militärischen (strategischen), gesellschaftlichen und politischen Einflüsse stets stark ausgewirkt haben, zeigt der Zeitabschnitt nach 1945 besonders deutlich.

Bis 1990 existierten zwei deutsche Staaten mit unterschiedlichen Gesellschafts- und Wirtschaftssystemen, deren Armeen verschiedenen Militärbündnissen mit unterschiedlichen strategischen Konzepten angehörten. Das postulierte Kriegsbild mit Massenvernichtungswaffen und der mehr oder weniger bewusste Rückgriff auf bewährte Traditionen der gemeinsamen Vorläuferarmee, der Deutschen Wehrmacht, führten dennoch in den Armeen beider Staaten, der Bundeswehr und der Nationalen Volksarmee (NVA), zu weitgehenden Gemeinsamkeiten in der militärpharmazeutischen Organisation, Gliederung und Logistik.

Drei Phasen der Militärpharmazie in Deutschland

Die Begriffe Kriegs-, Militär- und Wehrpharmazie im engeren Sinne bezeichnen in der deutschen Geschichte unterschiedliche Zeitabschnitte der Militärpharmazie, unter der als Oberbegriff ganz allgemein die pharmazeutische Versorgung von Streitkräften durch Apotheker zu verstehen ist.

Vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Ausgang des Dreißigjährigen Krieges wurde in Deutschland ausschließlich Kriegspharmazie betrieben (siehe Kasten). Damals wurden nicht einheitlich organisierte Armeen nur für den Krieg aufgestellt und Apotheker mit ihrem privaten Arzneivorrat auch nur im Kriegsfall angeworben. Von einer militärmedizinischen Betreuung in Verbindung mit einer organisierten Militärpharmazie kann erst seit der Aufstellung stehender Heere mit einheitlicher Struktur und einer Versorgung durch Apotheker gesprochen werden (2). Diese zweite Phase reicht von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zur Reichsgründung 1871. Hauptkennzeichen ist das Prinzip, Militärapotheker nicht nur im Krieg, sondern auch im Frieden mit der pharmazeutischen Versorgung einer Armee zu beauftragen und an der Arzneimittelauswahl zu beteiligen. Mit der Errichtung von Garnisonslazarettapotheken (3), deren Leitung nach und nach von Militärapothekern übernommen wurde, ist diese Phase der Konsolidierung als organisierte Militärpharmazie abgeschlossen.

 

Drei Phasen der Militärpharmazie* in DeutschlandKriegspharmazie
Ende des 16. Jahrhunderts bis 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts; pharmazeutische Versorgung uneinheitlich organisierter Streitkräfte, die nur im Kriegsfall aufgestellt wurden

Organisierte Militärpharmazie
2. Hälfte des 17. Jahrhunderts bis 1871; pharmazeutische Versorgung einheitlich organisierter stehender Heere

Wehrpharmazie
Von 1871 bis heute

Wehrpharmazie/Katastrophenpharmazie (Bundeswehr)
von 1956 bis heute; gegliedert in drei Teilbereiche:
Praktische und wissenschaftliche Pharmazie,
Sanitätsmaterialwirtschaft,
Lebensmittelchemie

Militärpharmazie der NVA (Wehrpharmazie der DDR)
von 1956 bis 1990; gegliedert in drei Teilbereiche:
Militärpharmazeutische Chemie und Technologie
Organisation der materiell-medizinischen Sicherstellung
Militärmedizintechnik

*) Pharmazeutische Versorgung von Streitkräften durch Apotheker

 

Die dritte, als Wehrpharmazie bezeichnete Phase, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnt und bis in die Gegenwart reicht, ist wie die zivile Pharmazie geprägt von der wachsenden Bedeutung der Naturwissenschaften und der Industrialisierung der Arzneimittelproduktion. Sie ist gekennzeichnet durch eine von der allgemeinen Pharmazie abweichende Differenzierung in Teilbereiche, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Tätigkeitsfelder des Militärapothekers herauskristallisierten: die praktische und wissenschaftliche Pharmazie, die Sanitätsmaterialwirtschaft und die Lebensmittelchemie (BRD) beziehungsweise Militärmedizintechnik (DDR).

Definition der Wehrpharmazie

Die Wehrpharmazie ist wesentlicher Teilbereich des Militärsanitätswesens und umfasst die pharmazeutische Versorgung der Armee, ihre Ausrüstung mit Arzneimitteln, Verbandmitteln und Sanitätsgerät sowie chemisch-toxikologische Untersuchungen von Arzneimitteln, Lebensmitteln, Bedarfsgegenständen und Trinkwasser. Mit der Einbeziehung des dritten Bereichs wandelte sich die organisierte Militärpharmazie in Deutschland zur auf die speziellen militärischen Verhältnisse ausgerichteten Wehrpharmazie - wenngleich der Begriff erst ab den 1920er-Jahren verwendet wurde. Mit Einbeziehung der Lebensmittelchemie wurde aber nicht nur der Einsatzbereich der Militärpharmazeuten erhöht, sondern es konnten auch naturwissenschaftliche Ansprüche an sie gestellt werden. Als einzige Armeeangehörige verfügten sie über eine fundierte chemisch-analytische Ausbildung, so dass ihnen die seit Einführung des Nahrungsmittelgesetzes im Zivilbereich 1879 auch in der Armee vorgeschriebenen Untersuchungen übertragen werden konnten.

Die Bezeichnung Wehrpharmazie taucht offiziell erstmals in der Reichswehr auf. Sie wurde offensichtlich synonym zu "Militärpharmazie" verwendet. Mit dem Wortteil "Wehr-" sollte wohl lediglich eine Angleichung an den Namen der Reichswehr erreicht werden, deren Bestandteil sie war. Da die Vorsilbe auch im Namen der 1935 gegründeten Wehrmacht wieder aufgegriffen wurde, erschien es opportun, den Begriff weiterzuverwenden. Der Leiter der Chemischen Abteilung der Militärärztlichen Akademie in Berlin, Oberfeldapotheker Konrad Gemeinhardt, benutzt ihn 1936 in seiner "Einführung in die Wehrpharmazie" (4) jedenfalls wie selbstverständlich, ohne auch nur den Versuch einer Definition anzustellen.

Mit der Gründung der Bundeswehr 1955 wurde der bis 1945 gebräuchliche Begriff für die neuen westdeutschen Streitkräfte übernommen, ohne dass ihm lange Zeit eine Definition zu Grunde lag. Erst im Erlass des Bundesministeriums der Verteidigung vom 29. Juni 1984 wurde der Ist-Zustand festgeschrieben (5):

"Der Begriff Wehrpharmazie beinhaltet alle für das Sanitäts- und Gesundheitswesen bedeutsamen Teilbereiche der wissenschaftlichen und praktischen Pharmazie und Lebensmittelchemie sowie der Sanitätsmaterialwirtschaft. Mit sofortiger Wirkung führt der für die Inspizierung dieses Bereichs verantwortliche Dienstposteninhaber die Bezeichnung ›Inspizient Wehrpharmazie der Bundeswehr‹."

Nur weil der Begriff Wehrpharmazie bis dahin weder allgemeingültig noch mit politischer Ausrichtung definiert worden war, hat er alle Staatsformen und militärischen Strukturen der deutschen Geschichte von 1871 bis heute - sieht man einmal von der Phase der Deutschen Demokratischen Republik von 1949 bis 1990 ab - überdauern können.

Die Wehrpharmazie der Bundeswehr

Aus der Definition geht hervor, dass die Wehrpharmazie der Bundeswehr eindeutig als der Teilbereich der Pharmazie angesehen wurde, der sich zur Erfüllung militärspezifischer Aufgaben bestimmter Gebiete der Pharmazie und angrenzender Wissenschaften bedient. Die Einbindung der Lebensmittelchemie unterscheidet sie dann wesentlich von der Pharmazie des Zivilbereichs, und auch die Sanitätsmaterialwirtschaft, die das gesamte Gebiet des im Sanitätswesen verwendeten Materials umfasst, verleiht ihr unverwechselbare Züge. Dennoch stellt die Wehrpharmazie der Bundeswehr in ihrem Selbstverständnis keine eigenständige Disziplin mit eigenem wissenschaftlichen Anspruch dar, und ist darin mit der Offizinpharmazie vergleichbar.

So bewahrte die Wehrpharmazie zwar ihre spezifischen Eigenschaften, doch näherte sie sich, besonders seit der Einbeziehung der zivilen Apotheken- und Arzneimittelgesetzgebung im Jahre 1976, mehr und mehr den zivilen Verhältnissen an (6) und erweist sich gerade dadurch als integrativer Bestandteil der Gesamtgesellschaft - in Übereinstimmung mit dem politischen Ziel der Einordnung des Soldaten als normalen Staatsbürger ("Staatsbürger in Uniform"). Man gewinnt auf Grund der gegenwärtigen durchgreifenden Sparmaßnahmen sogar den Eindruck, dass als Folge dessen die pharmazeutische Betreuung der Streitkräfte ganz in zivile Hände gelegt werden soll, womit die gesamte sinnvolle Entwicklung der Militärpharmazie von der Kriegs- zur Wehrpharmazie als Fehlentwicklung ignoriert würde.

Die "Militärpharmazie" der NVA

Obwohl der Begriff Militärpharmazie ganz allgemein die pharmazeutische Versorgung von Streitkräften bezeichnet, wurde er in der Nationalen Volksarmee der DDR als Fachterminus obligatorisch. Dabei mag neben möglichen Einflüssen aus der Roten Armee der Sowjetunion auch die Abgrenzung zur traditionell von der Wehrmacht des Dritten Reichs geprägten und von der Bundeswehr begrifflich fortgeführten Wehrpharmazie eine Rolle gespielt haben. Um Verwechslungen mit dem allgemeinen Oberbegriff zu vermeiden, muss die Bezeichnung im historischen Kontext der Wehrpharmazie in Deutschland immer mit dem Hinweis auf die Zugehörigkeit zur Nationalen Volksarmee (Militärpharmazie der NVA) konkretisiert werden.

Die Militärpharmazie der NVA war ihrer Definition nach eine Neuschöpfung, deren zumindest unbewusste Orientierung an dem sehr hohen Niveau der Wehrpharmazie vor 1945, das man nicht bereit war aufzugeben, stets geleugnet wurde. Der Neuanfang in traditioneller und ideologischer Hinsicht wurde vielmehr als "Stunde Null" deklariert, für die "mit vielen historisch gewachsenen und in der Vergangenheit bewährten Formen und Methoden gebrochen und neue Prinzipien für die Ausrüstung und den Nachschub entwickelt werden" musste. Beim Aufbau einer sozialistisch ausgerichteten Militärpharmazie griff man auf "Erfahrungen und Erkenntnisse der medizinischen Dienste aller Staaten des Warschauer Vertragssystems" zurück, wobei in der Hauptsache die Erfahrungen der sowjetischen Militärpharmazie verarbeitet worden sein sollen (7). Hieraus erklären sich manche trotz des gemeinsamen Ursprungs bestehende Unterschiede zwischen der Wehrpharmazie der DDR, der Militärpharmazie der NV, und der Wehrpharmazie der Bundeswehr.

Im Gegensatz zur letzteren galt die Militärpharmazie der NVA als eigenständige Wissenschaft, wenn auch "eng mit anderen Wissenschaften, insbesondere der Pharmazie und der Militärmedizin sowie den Militärwissenschaften, verbunden" (8). Auf Grund dieser bewussten Abgrenzung war es möglich, die Inhalte und Teilbereiche anders zu gewichten und auf rein militärische Belange zuzuschneiden (9):

"Die Militärpharmazie ist die Wissenschaft von der materiell-medizinischen Sicherstellung der Streitkräfte, die Theorie, Praxis und Organisation ihrer Versorgung mit materiell-medizinischen Mitteln."

Dabei wurde die Militärpharmazie der NVA als eigenständige Naturwissenschaft aufgefasst, was ihrer Verselbstständigung einen scheinbar wissenschaftlich begründeten Vorschub leistete (10):

"Die Militärpharmazie ist nach ihrem Objekt und Gegenstand sowie nach den Hauptaufgaben und Methoden Naturwissenschaft. Objekt der Militärpharmazie ist das materiell-medizinische Mittel im Prozess der materiell-medizinischen Sicherstellung unter allen Bedingungen der militärischen Umwelt und Praxis. Gegenstand der Militärpharmazie sind die verschiedenen allgemeinen und spezifischen Erscheinungen und Bedingungen der militärischen Umwelt und Praxis, insbesondere in ihrer Wechselwirkung zum materiell-medizinischen Mittel und zum Versorgungsprozess sowie die sich daraus ableitenden Gesetzmäßigkeiten, Bedingungen, Formen und Methoden der materiell-medizinischen Sicherstellung."

Besonders die Objekt-Definition, in die über das Arzneimittel hinaus der "Prozess der materiell-medizinischen Sicherstellung unter allen Bedingungen der militärischen Umwelt und Praxis" als das Spezifische der Militärpharmazie einbezogen wird, lässt diese Militärpharmazie nach westlicher Auffassung zu einem speziellen Anwendungsbereich der Wissenschaft vom Arzneimittel werden, aber nicht selbst zu einer Wissenschaft (11), während sie im Sinne sozialistischer, praxisorientierter Wissenschaftsauffassung gerade unter der Zielrichtung des Organisierens der Anwendung von Arzneimitteln definiert wird (12):

"Im Sozialismus ist die Militärpharmazie in umfassendem Sinne die wissenschaftliche Grundlage für die gesamte materiell-medizinische Sicherstellung der Landesverteidigung und wird als Einheit von militärpharmazeutischer Theorie, Organisation und Praxis, als Theorie und Praxis der Planung und Organisation der materiell-medizinischen Sicherstellung der Streitkräfte verstanden."

Sie ist daher auch nicht auf andersartige Staatsformen oder Ideologien übertragbar. Mit der politischen Wende des Jahres 1990 endete diese Variante der Wehrpharmazie als kurzes Zwischenspiel, das heute nur noch von historischem Interesse zu sein scheint.

Ihr ideologisch bedingter Charakter als gegenüber der Pharmazie des Zivilbereichs eigenständige Wissenschaft ermöglichte der Militärpharmazie der NVA, sich von dieser durch die Betonung ihrer rein militärischen Belange abzugrenzen. Analog zur Wehrpharmazie der Bundeswehr waren in ihr drei Teilbereiche konkretisiert, die unter sozialistischen Vorzeichen als Wissenschaftsbereiche oder Fachgebiete galten:

  • Organisation der materiell-medizinischen Sicherstellung,
  • militärpharmazeutische Chemie und Technologie,
  • Militärmedizintechnik (dass diese ursprünglich nicht zur Militärpharmazie gerechnet wurde, belegt der Titel (13)).

Es fällt allerdings auf, dass die Lebensmittelchemie unter den militärpharmazeutischen Wissenschaften fehlt. Ihre Aufgaben wurden in der NVA von Medizinern der eigenständigen Fachrichtung Militärhygiene wahrgenommen, die es in der Bundeswehr nicht gab. In dem 1987 erschienenen Standardwerk zur Militärhygiene (14) werden diese Aufgaben in eigenen Kapiteln behandelt.

Zivilschutz und Katastrophenpharmazie

Das moderne Kriegsbild, das nicht mehr nur den Soldaten an der Front, sondern auch die gesamte Zivilbevölkerung betrifft, erforderte ab 1945 eine Erweiterung der Wehrpharmazie. Zunehmend musste die pharmazeutische Versorgung der Zivilbevölkerung im Kriegsfall, aber auch bei allgemeinen Krisen einbezogen werden.

In der totalitären DDR wurde diese für die Vollendungsphase der Wehrpharmazie charakteristische gesamtgesellschaftliche Integration statt durch eine "Zivilisierung" der Militärpharmazie umgekehrt durch die Unterordnung der gesellschaftlichen und staatlichen Belange unter die militärischen erreicht. Die Militärpharmazie "leistet einen wesentlichen Beitrag zur medizinischen Sicherstellung der Landesverteidigung, insbesondere der Streitkräfte [!]" (15). Die Versorgung der Zivilbevölkerung im Kriegsfall und deren Vorbereitung im Frieden war deshalb Aufgabe der Militärpharmazie.

Neben den Streitkräften wurde auch die Bevölkerung der DDR auf einen militärischen Konflikt vorbereitet. Die Führung oblag der Hauptverwaltung Zivilverteidigung im Ministerium für Nationale Verteidigung, von der sämtliche zivilen Verteidigungsmaßnahmen nach militärischen Prinzipien organisiert wurden (19). In der Bundesrepublik sollte dagegen die zusätzlich eingerichtete zivile Katastrophenpharmazie (20) im Kriegsfall gemeinsam mit der Wehrpharmazie die Gesamtbevölkerung versorgen; die enge Zusammenarbeit erlaubt einen Einsatz wehrpharmazeutischer Einrichtungen in Katastrophenfällen.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Der wesentlichste Unterschied zwischen der Militärpharmazie der NVA und der Wehrpharmazie der Bundeswehr liegt nicht in der verschiedenartigen Gewichtung ihrer Teilbereiche, sondern vielmehr in der Art und Weise der Einbeziehung wehrpharmazeutischer Belange in die Gesamtgesellschaft. Umfasste die Militärpharmazie der NVA auch die pharmazeutische Versorgung der Zivilbevölkerung, so prägte und prägt in der Bundesrepublik auf Grund der freiheitlich-rechtlichen Grundordnung umgekehrt die zivile Pharmazie die Wehrpharmazie als Pharmazie für den Staatsbürger in Uniform.

Die Unterschiede zwischen der Wehrpharmazie der Bundeswehr und der Militärpharmazie der NVA (21) treten im Bereich der Eigenherstellung von Arzneimitteln am deutlichsten hervor. Das hängt hauptsächlich damit zusammen, dass hier wirtschaftliche Aspekte militärische Entscheidungen beeinflussten. Zum anderen bedingten die unterschiedlichen Strategien der Militärblöcke, denen die beiden deutschen Staaten angehörten, die verschiedenartige Organisation der militärischen Arzneimittelproduktion im Frieden und im Krieg (22).

Eigenherstellung von Arzneimitteln

Da sich die pharmazeutische Industrie der DDR ausnahmslos in staatlicher Hand befand, konnte man im Frieden auf eine industriemäßige Eigenproduktion von Arzneimitteln durch Instanzen der NVA völlig verzichten. Von staatlicher Seite konnte jederzeit problemlos angeordnet werden, die zivile Produktion auf militärische Anforderungen auszurichten oder zivil gebräuchliche Arzneimittel militärspezifisch zu konfektionieren (23). In militäreigenen Einrichtungen sollte eine Produktion erst im Verteidigungsfall erfolgen. Hierzu standen die Feldapotheke (siehe Abbildung 2), das Pharmazeutische Feldlabor und die Apothekeneinrichtung im Faltkoffer als mobile Einrichtungen zur Verfügung (24).

In der in einem Sanitätszelt untergebrachten Feldapotheke (25) konnte man alle Arzneiformen herstellen, die mit den technischen Mitteln der Rezeptur und Defektur auszuführen waren, wie Pulver, Zäpfchen, Salben und Lösungen. Auch die Fertigung von Sterilarzneimitteln war in einer abgeteilten provisorischen Sterilzelle möglich. Da die Kapazität der Feldapotheke für die Herstellung von Infusionslösungen nicht ausreichte (50 bis 100 Liter pro Tag), wurde Mitte der 1960er Jahre das Pharmazeutische Feldlabor entwickelt; hier konnten Infusionslösungen im industriellen Maßstab (1000 Liter pro Tag) produziert werden (26). Es bestand aus drei Faltkoffern, das heißt auf speziellen Trägerfahrzeugen universell transportierbaren geschlossenen Containern. Durch Auseinanderklappen der Seitenteile konnten Grundflächen und Volumina etwa verdreifacht werden.

Die 1988 in die NVA eingeführte "Apothekeneinrichtung im Faltkoffer" war in zwei miteinander verbundenen Faltkoffern untergebracht. Darin konnten sämtliche unter feldmäßigen Bedingungen herstellbaren Arzneiformen angefertigt werden, nämlich Infusionslösungen, Augentropfen, Lösungen zur oralen und externen Anwendung, Zäpfchen, abgeteilte Pulver, Gelatine-Steckkapseln, Salben und Pasten. Sie bot erhebliche Vorteile: erhöhte Produktivität, bessere Produktionshygiene und die Möglichkeit sterilisierbarer Produktionsabläufe (Arbeitsketten). Trotz eingeschränkter Bedingungen war es möglich, die GMP-Richtlinien einzuhalten und Arzneimittel mit ausreichender Qualität zu produzieren. Das Problem der Herstellung von Arzneimitteln unter Feldbedingungen war damit in vorbildlicher Weise gelöst; die Produktion wurde im Frieden ständig geübt.

Die hochgradige Mobilität dieser Herstellungseinrichtungen lässt darauf schließen, dass sie zusammen mit sehr beweglichen Kampfeinheiten eingesetzt werden sollten. Dies deckt sich mit der Strategie der Warschauer-Vertrag-Staaten, den Gegner nicht im grenznahen Gebiet, sondern auf dessen eigenem Territorium (in diesem Fall der Bundesrepublik) zu schlagen (27). Für die erforderlichen weiträumigen militärischen Operationen auf dem Gebiet des Gegners war ein sehr beweglicher Sanitätsdienst mit einer mobilen pharmazeutischen Produktion an Ort und Stelle erforderlich. Die Bundeswehr dagegen verzichtete bisher völlig auf bewegliche Produktionsstätten und installierte ihre Herstellung in ortsfesten Einrichtungen (Bundeswehrkrankenhausapotheken), die sich im rückwärtigen Kampfgebiet befinden. Die Verteidigungsstrategie der NATO geht davon aus, sich nur auf dem eigenen Territorium des Grenzlandes Bundesrepublik Deutschland verteidigen zu müssen. Somit wären mobile Herstellungsstätten nicht zu rechtfertigen, weil der Verteidigungskrieg relativ kurze Transportwege für Sanitätsmaterial von den Produktionsstätten bis zur Front nach sich zöge.

Tatsächlich blieb die Herstellung in den Apotheken der Bundeswehrkrankenhäuser die einzige Möglichkeit zur Eigenproduktion, nachdem der in den 1960er-Jahren geplante Aufbau von Produktionsstätten in den Sanitätsdepots, den Galenischen Laboratorien (28), am Veto der pharmazeutischen Industrie gescheitert war; diese befürchtete eine Konkurrenzsituation (29). Neben der veränderten militärstrategischen Situation in Mitteleuropa Anfang der 1970er-Jahre (30) trugen auch patentrechtliche Vorgaben zur Aufgabe des Projekts bei. Mit der Einbindung der Bundeswehr in die zivile Apotheken- und Arzneimittelgesetzgebung war es seit 1976 möglich, wenigstens in den Apotheken der Bundeswehrkrankenhäuser eine militäreigene Produktion im Frieden aufzunehmen.

Die den zivilen Verhältnissen angepasste Arzneimittelfertigung stand damit in völligem Einklang mit zivilen Rechtsverhältnissen, wurde aber mit dem Preis erkauft, auf einen möglichen Verteidigungsfall nicht flexibel, also rasch und unbürokratisch reagieren zu können. Die militäreigene Produktion, die gerade im Verteidigungs- oder Katastrophenfall große Flexibilität erfordert, wurde auf einen engen Rahmen begrenzt, in dem militärische Belange zivilen Gesetzen unterworfen blieben.

Ausbildung der aktiven Militärapotheker

Auch in der Ausbildung zum Militärapotheker lassen sich deutliche Unterschiede ausmachen, die zum größten Teil auf die unterschiedlichen Staats- und Gesellschaftsformen zurückgeführt werden können.

Die pharmazeutische Ausbildung innerhalb der NVA lehnte sich zwar eng an die zivile Ausbildungsordnung an, war aber durch eine starke Verflechtung der zivilen mit militärischen Ausbildungsinhalten gekennzeichnet. Diese waren an der Militärmedizinischen Sektion abzuleisten und vermittelten dem Militärpharmazeuten eine spezielle Qualifikation. Da die Militärpharmazie als eine eigenständige Naturwissenschaft galt und die Militärmedizinische Sektion als Struktureinheit der Universität Greifswald Hochschulcharakter besaß, erlangte auch der militärische Teil der Ausbildung akademischen Stellenwert; zudem wurde einer Militarisierungstendenz des gesamten Studiums Vorschub geleistet (31). Während der vorlesungsfreien Zeit waren am Institut für Militärpharmazie weitere fünf MMS-Kurse mit insgesamt 565 Ausbildungsstunden zu absolvieren, und zwar in den Fachgebieten Organisation der materiell-medizinischen Sicherstellung, militärpharmazeutische Chemie und Technologie, Medizintechnik und medizintechnische Sicherstellung (32).

Auch durch zusätzliche zivile Ausbildungsmaßnahmen versuchte die NVA dem Militärapotheker eine höher qualifizierte Ausbildung zu ermöglichen. Die 1976 für alle Offiziersschüler eingeführte Verpflichtung, vor dem Studium eine einschlägige Berufsausbildung (zum Apothekenfacharbeiter) zu absolvieren, brachte den Anwärtern den Vorteil, sich frühzeitig mit ihrem künftigen Berufsbild vertraut zu machen, und gab gleichzeitig der Armee die Möglichkeit, ungeeignete Bewerber im Vorfeld auszusondern. Weiterhin galt die Weiterbildung zum Fachapotheker ab 1974 für alle Militärapotheker als Voraussetzung für die Übernahme leitender Funktionen (33).

Auch in der Bundeswehr lehnte sich die Ausbildung zum Sanitätsoffizier Apotheker eng an die gültigen Approbations- und Prüfungsordnungen an; sie war jedoch nicht in dem Ausmaß mit der militärischen Ausbildung verflochten wie in der NVA. Eine Ausbildung innerhalb der Bundeswehr war erst ab 1969 mit der Einführung der Laufbahn als Sanitätsoffiziersanwärter möglich. Diese wurden zum Studium an einer zivilen Hochschule als Zivilisten beurlaubt, während die militärische Ausbildung an der Akademie für das Sanitäts- und Gesundheitswesen in München in der vorlesungsfreien Zeit erfolgte (34).

Eine Militarisierung der Ausbildung konnte dadurch weitgehend verhindert werden, dass der Soldat als Mitglied der Gesamtgesellschaft angesehen wurde und eine soziale Abgrenzung unterblieb. So war es möglich, dass ein Teil der Sanitätsoffiziere als bereits approbierte Apotheker aus dem Zivilleben in die Bundeswehr eintreten konnte (35). Gemäß einer Forderung des Bundesinnenministeriums musste dem bis 1989 nicht vollakademischen Pharmaziestudium von sieben Semestern ein Zweitstudium - Lebensmittelchemie - angeschlossen werden, um gegenüber den gleichrangigen Medizinern, Zahnmedizinern und Veterinären eine gleichwertige Ausbildung zu erreichen (36).

Feldsanitätsausrüstung

Bezüglich der Feldsanitätsausrüstung ergeben sich zwischen den beiden deutschen Armeen vordergründig fast keine Unterschiede, da sich die Organisation der Verwundetenversorgung und die dafür vorgesehene Ausrüstung auf den ersten Blick kaum unterscheiden. Auch in vielen Bereichen der Sanitätsmaterialversorgung sind fast deckungsgleiche Strukturen auszumachen (37). Erst eine Betrachtung im Detail zeigt einige Unterschiede, die interessante Rückschlüsse auf die unterschiedlichen Militärstrategien zulassen. Gemeinsamkeiten resultieren größtenteils aus Rückgriffen auf die Feldsanitätsausrüstung der Deutschen Wehrmacht.

Die auffälligste Gemeinsamkeit stellt das Prinzip dar, den überwiegenden Teil des Sanitätsmaterials zu Sätzen zusammenzufassen und diese Sätze nach dem Baukastenprinzip für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Sanitätstruppenteile und des Truppensanitätsdienstes zusammenzustellen (38). Dieses Konzept war schon in der Deutschen Wehrmacht mit Erfolg angewandt worden (39) und wurde von der Bundeswehr und der NVA im Grundsatz dorther übernommen. Auch die Unterteilung des Sanitätsmaterials in Einzelverbrauchsgüter (Bundeswehr) beziehungsweise medizinische Verbrauchsmaterialien (NVA) und Nichtverbrauchsgüter (Bundeswehr) beziehungsweise langlebige materiell-medizinische Mittel (NVA) stellt eine auffällige Gemeinsamkeit dar (40).

Gravierende Unterschiede gab es in der persönlichen Sanitätsausrüstung des Soldaten für den Verteidigungsfall. Während in der Bundeswehr lediglich ein Verbandpäckchen und ein Brandwundenverbandpäckchen sowie bei Bedarf drei Atropin-Spritzampullen vorgesehen waren, sollte jeder Angehörige der NVA ein umfangreiches Sortiment an Sanitätsmaterial erhalten. Dazu gehörte der persönliche Verbandmittelsatz sowie das Medizinische Schutzpäckchen mit einem Betäubungsmittel, einem Antiemetikum und einem Antidot für die intramuskuläre oder subkutane Applikation. Angehörige von Spezialtruppen und fliegendes Personal erhielten darüber hinaus Analgetika sowie als oral zu applizierendes Psychostimulans Pervitin- oder Aponeuron-Tabletten (41).

Der Grund für die unterschiedliche Ausstattung des einzelnen Soldaten hängt mit den Militärstrategien von NATO und Warschauer Pakt zusammen. Bei einem offensiven Vorgehen der Warschauer-Pakt-Armeen mit weit ausholenden Truppenbewegungen hätten sich die Angriffsspitzen sehr rasch von ihren Sanitätseinrichtungen entfernen können. Um die Zeit bis zur ersten medizinischen und ärztlichen Hilfe zu überbrücken, hätte der Soldat das Sortiment mit stark wirksamen Arzneimitteln benötigt. In der Bundeswehr konnte darauf verzichtet werden, da im Verteidigungsfall die Sanitätseinrichtungen für die kämpfende Truppe im allgemeinen in erreichbarer Nähe gewesen wären. Nur die Atropin-Spritzampulle sollte als einziges stark wirksames Arzneimittel jedem Soldaten in die Hand gegeben werden, da es bei Einsatz von Kampfstoffen (Organophosphaten) unverzüglich angewendet werden muss (42).

Fachlich auf der Höhe der Zeit

Die Wehrpharmazie der Bundeswehr und die Militärpharmazie der NVA haben bis zu ihrem Zusammenschluss Leistungen vollbracht, die sich stets auf dem wissenschaftlichen Stand ihrer Zeit befanden und als ebenbürtig betrachtet werden können. Trotz der Zugehörigkeit zu verschiedenen Militärbündnissen, die einen gewissen Rahmen vorgaben, haben es beide Armeen verstanden, eigene Vorstellungen in der Ausgestaltung ihrer militärpharmazeutischen Dienste zu verwirklichen. Beide Richtungen gehören gleichermaßen zur Epoche der Wehrpharmazie.

Auch wenn die NVA der DDR auf Grund des Scheiterns ihres Staates heute der Vergangenheit angehört, bietet deren Wehrpharmazie ein großes Reservoir an Erfahrungen, die die Bundeswehr heute rein fachlich bereichern könnten. Beispielsweise könnte die Bundeswehr vor dem Hintergrund ihrer neuen Aufgaben mit vermehrten humanitären oder militärischen Auslandseinsätzen und möglichen Nachschubengpässen die umfangreichen Erfahrungen der NVA mit den Einrichtungen zur feldmäßigen Arzneimittelproduktion nutzen.

 

Literatur

  1. Zum Konzept des Historischen Erfahrungsraums und seinen Komponenten (Präsentabilien) Krafft, F. (a), Natur - Wissenschaft - Geschichte. Zum ,Erfahrungsraum' von Naturwissenschaft. Pharm. Ztg. 138 (1993) 7-16, und (b): Wenden in der Pharmazie: Zum Periodisieren ihrer Geschichte. Gesch. d. Pharm. DAZ-Beil. 49 (1997) 1-11 (hier vor allem 6 f.), und die Literaturangaben in: Ber. z. Wissenschaftsgesch. 34 (2000) 458.
  2. Müller, B., Militärpharmazie in Deutschland bis 1945. Mit einem Geleitw. v. F. Krafft. Stuttgart 1993, S. 5-73 (Quellen und Studien zur Geschichte der Pharmazie, 68).
  3. (2), 51-63.
  4. Gemeinhardt, K., Einführung in die Wehrpharmazie. Stuttgart 1936 (Wehrmedizin, 2).
  5. BMVg [Bundesministerium der Verteidigung], InSan II 2, Az. 42-20-00 vom 29. 6. 1984.
  6. Siehe (a) Niemöller, A., Die Versorgung der Bundeswehr mit Arznei- und Verbandmitteln. In: Finger, G. (Hg.), Wehrdienst und Gesundheit. Bd 1, Darmstadt 1959, S. 146-150; sowie (b) Flatow, F. W. K., Die Neuordnung des Arzneimittelrechts - Auswirkungen auf die Sanitätsmaterialversorgung der Bundeswehr. Wehrmedizin und Wehrpharmazie 7, Nr. 1 (1983) 15-20.
  7. (a) Franke, W., König, K., 15 Jahre Militärpharmazie im medizinischen Dienst der Nationalen Volksarmee. Ztschr. f. Militärmedizin 12 (1971) 86-88 (hier S. 87); siehe auch Hinweis bei (b) Fügemann, H.-W., Militärpharmazie. Berlin 1988, S. 5.
  8. (7 b), 11.
  9. Fügemann, H.-W., Militärpharmazie heute. Ztschr. f. Militärmedizin 29 (1988) 306.
  10. (7 b), 11.
  11. Zur Verwissenschaftlichung von Pharmazie und Pharmazeutenausbildung siehe Krafft, F. (a), Apothecarius: idiota sive academicus. Zur Apothekerausbildung. Pharm. Ztg. 139, Nr. 31 (1994) 2445-2453, und Nr. 33, 2595-2600 (hier vor allem S. 2452 f.), derselbe (b), Pharmacia quo vadis. Pharm. Ztg. 144 (1999), Nr. 11, 851-858 und Nr. 13, 1030-1034 (Auf dem Wege zu einer neuen Approbationsordnung [Pharmacia, quo vadis? Teil II], sowie (c), Eine moderne Pharmaziegeschichte. Gesch. d. Pharm. DAZ-Beilage 52, Nr.1/2 (2000) 27-31 (vor allem S. 29 f.).
  12. (9), 306, und (7 b), 12.
  13. König, K. Militärpharmazie und Militärmedizintechnik. Berlin 1971, S. 13-17.
  14. Loscher, J., Schumann, H., Militärhygiene und Feldepidemiologie. Berlin 1987, S. 121-231 ("Hygienische Charakteristik wichtiger Lebensmittel"), insbes. 121 f., und 173-220 ("Hygiene der Truppenverpflegung").
  15. (7 b), 12; zum folgenden siehe (7 b), 149-168.
  16. [entfällt]
  17. [entfällt]
  18. [entfällt]
  19. Vgl. Wenzel, O., Kriegsbereit. Der Nationale Verteidigungsrat der DDR 1960 bis 1989. Köln 1995, S. 98 und 101.
  20. Heidemanns, H. A., Vollhardt, H., Engelhardt, K. P., Die Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Versorgung mit Arzneimitteln in einem Katastrophenfall. Wehrmedizin u. Wehrpharmazie 8, Nr. 4 (1984) 53-63.
  21. Dieser Fragestellung ist die Dissertation von C. Dirks gewidmet; Dirks, C. G., Militärpharmazie in Deutschland nach 1945. Bundeswehr und Nationale Volksarmee im Vergleich. Mit einem Geleitw. v. F. Krafft. Stuttgart 2001 (Quellen und Studien zur Geschichte der Pharmazie, Bd. 79).
  22. Zum eindeutig defensiven Charakter der NATO-Strategie im Vergleich zur aggressiv-offensiven Ausrichtung der Militärstrategie des Warschauer Paktes vgl. (19), 200-210.
  23. Fuchs, G., Über die Normierung medizinischer Versorgungsgüter und die Eigenherstellung von Arzneimitteln im medizinischen Dienst. Ztschr. f. Militärmedizin 7 (1966) 305-309; vgl. (7 a), 146.
  24. (7 b), 97 f., 111-113 und 207; (16), 88 f. Für das Folgende sind nachstehende Dienstvorschriften der NVA und Erlasse des Ministeriums für Nationale Verteidigung heranzuziehen: K 060/3/003: Feldsanitätsausrüstung. Sätze. Berlin (NVA) 1972; A 060/1/108: Faltkoffer. Beschreibung und Nutzung. Berlin (NVA) 1975; K 060/3/003: Feldsanitätsausrüstung. Sätze und Einzelgegenstände der Normen. Berlin (Ministerrat der DDR, Ministerium für Nationale Verteidigung) 1980, mit eingearbeiteter 1. und 2. Änderung 1984; A 060/1/102: Pharmazeutisches Feldlabor PFL 1000/65. Beschreibung und Nutzung. Berlin (Ministerium) 1988; A 060/1/105: Apothekeneinrichtung im Faltkoffer AP II-F. Beschreibung und Nutzung. Berlin (Ministerium) 1989; K 060/3/003: Feldsanitätsausrüstung. Sätze und Einzelgegenstände der Normen. Berlin (Ministerium) 1989.
  25. (a) Zöfel, H. J., Weigel, A., Das Spektrum der Arzneiformen für die feldmäßige pharmazeutische Produktion. Ztschr. f. Militärmedizin 25 (1984) 90-93; (b) Keckeis, F., Die Arbeit in der Feldapotheke. Militärpharmazeutische Diplomarbeit Greifswald 1983 (Bild 11).
  26. BA-MA [Bundesarchiv, Militär-Archiv] VA 01/5743, 22. Siehe Böhm, M., Henke, E., Die Versorgung von Geschädigten mit Infusionslösungen unter besonderer Berücksichtigung des Einsatzes beweglicher pharmazeutischer Feldlaboratorien. Ztschr. f. Militärmedizin 10 (1969) 158-161.
  27. Vgl. (19), 43-46, in Verbindung mit (a) Steiner, E. R., Die Arbeitsbedingungen für den medizinischen Dienst der NVA und das staatliche Gesundheitswesen der DDR in einem modernen Krieg. Ztschr. f. Militärmedizin 14 (1973) 223-231 (hier S. 229), und (b) Gestewitz, H. R., Temmler, L., Hauptaufgaben des medizinischen Dienstes der NVA und des staatlichen Gesundheitswesens zur medizinischen Sicherstellung der Landesverteidigung. Ztschr. f. Militärmedizin 14 (1973) 163-173, hier S. 164-166.
  28. Dirks, C. G., Zur Geschichte der Galenischen Laboratorien in den Sanitätsdepots von 1962 bis 1974. Wehrmed. Monatsschr. 42 (1998) 205-209, hier S. 206 f.
  29. Siehe Hinweis in BMVg InSan I 7, Az. 10-26-10 vom 28. 6. 1968.
  30. Siehe BMVg InSan II 7, Az. 45-10-72 vom 26. 3. 1974.
  31. (a) Steiner, E. R., Zöllner, E., Die Militärmedizinische Sektion an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Ztschr. f. Militärmedizin 21 (1980) 50-54; (b) Zöllner, E., Die Gründung der Militärmedizinischen Sektion und ihre Entwicklung als militärmedizinische Hochschuleinrichtung der Nationalen Volksarmee und Struktureinheit der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald in den Jahren 1955 bis 1975. Ein Beitrag zur Geschichte der Militärmedizinischen Sektion. Diss. phil. Univ. Greifswald 1981; (c) Enderlein, D., Hollenbach, K., Stremmel, D., Reminiszenzen - 35 Jahre militärmedizinische Ausbildung und Forschung der Militärmedizinischen Sektion ›Maxim Zetkin‹ an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Ztschr. f. Militärmedizin 31 (1990) 147-156; (d) N. N., Militärmedizinische Sektion ›Maxim Zetkin‹ an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Greifswald: Militärmedizinische Sektion. (Maschinenschriftliches Manuskript ohne Verfasser, Jahr und Paginierung, um 1990), S. 8 [Standort: Bibliothek der Sanitätsakademie der Bundeswehr, München: B 290.120522].
  32. Fügemann, H.-W., Ausbildung von Militärapothekern. Lehrgebiet Militärpharmazie [Kopie eines maschinenschriftlichen Manuskriptes (ohne Jahr) im Besitz von C. G. Dirks].
  33. Siehe GBl. DDR, Teil I (1974), 300-304.
  34. (a) Deckenbrock, W., Sommer, E., Wehrpharmazie in der Bundeswehr. Rückblick bis zu den Anfängen. Bonn 1988, S. 145; (b) Schubert, W., Gertz, B., Soldatenlaufbahnverordnung - Kommentar. 2. Aufl., Regensburg und München 1988 (hier S. 164 f.); (c) Dick, H. J., Neuordnung der Aus- und Fortbildung der aktiven Sanitätsoffiziere. Wehrmedizin u. Wehrpharmazie 9, Nr. 2 (1985) 32-38.
  35. (34 a), 131.
  36. Siehe (a) Unger, H., Beiträge zur Geschichte der Wehrpharmazie seit 1938. Dt. Apoth. Ztg. 112 (1972) 1267-1271 (hier S. 1271); (b) Schroeder, H. U., Die Laufbahnen der Soldaten in der Bundeswehr. Frankfurt am Main 1960 (hier S. 67 f.); dazu (5), 132.
  37. Siehe ausführlich (21), Kapitel 9.
  38. Gestewitz, H. R., Steiner, E. R. (Hg.), Militärmedizin. Hochschullehrbuch für Studenten der Medizin und Stomatologie. Berlin 1978, S. 275.
  39. Siehe (2), 241-248.
  40. Siehe (7 b), 14, sowie Heidemanns, H. A., Riemann, H. R. (Hg.), Handbuch des Sanitätsmaterials der Bundeswehr. 5. Aufl., München 1982, S. 35.
  41. Siehe aus (24) K 060/3/003, 1/55, und K 060/3/003, 1/1.
  42. Siehe Zernial, F. E., Heidemanns, H. A. (Hg.), Handbuch des Sanitätsmaterials der Bundeswehr. Darmstadt 1971, S. 418-420, und Karst, H., Schnell, K., Seidel, H., Taschenbuch für Wehrausbildung. 28. Aufl., Regensburg 1970, F 85, 4.
  43. Deutsches Armeemuseum (Hrsg.), Soldaten des Volkes, Geschichte der Nationalen Volksarmee in Bildern. Dt. Militärverlag Berlin 1967, Seite 299.

 

Die Autoren

Carsten G. Dirks studierte im Anschluss an den Wehrdienst und eine Drogistenausbildung Pharmazie in Münster. 1988 erhielt er die Approbation als Apotheker und war in öffentlichen Apotheken und als Leiter einer Krankenhausapotheke tätig, bevor er Anfang 1999 die Schwanen-Apotheke in Bielefeld-Senne übernahm. Seit 1992 nahm er regelmäßig an Wehrübungen als Sanitätsoffizier der Reserve teil und wurde 1995 zum Oberstabsapotheker der Reserve befördert. Seit 1996 nimmt er einen Lehrauftrag für Arzneimittellehre im Rahmen der Sanitätslehrgänge I und II der Bundeswehr wahr. Von 1993 bis 1995 absolvierte er den Graduiertenstudiengang am Institut für Geschichte der Pharmazie der Universität Marburg und wurde im Juni 2001 dort zum Doktor der Naturwissenschaften promoviert. Das Thema seiner unter der Anleitung von Fritz Krafft angefertigten Dissertation lautet "Militärpharmazie in Deutschland nach 1945. Bundeswehr und Nationale Volksarmee im Vergleich".

Fritz Krafft hat sich nach dem Studium der Klassischen Philologie (Promotion 1962), Philosophie und Physik 1968 an der Universität Hamburg für Geschichte der Naturwissenschaft habilitiert. 1970 wurde er Professor für dieses Fachgebiet am Fachbereich Mathematik der Universität Mainz und war von 1988 bis 2000 Professor für Pharmaziegeschichte und Leiter des Instituts für Geschichte der Pharmazie an der Philipps-Universität Marburg. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Académie Internationale d'Histoire des Sciences, war 1976 bis 1983 Präsident der Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte und 1983 bis 1989 des Nationalkomitees der Bundesrepublik Deutschland in der International Union of the History and Philosophy of Science (Division of History of Science). Er ist unter anderem Gründer und Herausgeber der "Berichte zur Wissenschaftsgeschichte" (seit 1978). Seine Arbeiten zur allgemeinen Wissenschaftsgeschichte sowie zur Astronomie-, Physik- und Pharmaziegeschichte behandeln vor allem die Verankerung der Wissenschaften in der Kultur-, Religions- und Sozialgeschichte und beziehen sich vornehmlich auf Umbruchsituationen und Entstehungsphasen neuer Disziplinen.

 

Anschriften der Verfasser:

Oberstabsapotheker d. Res. Dr. Carsten G. Dirks,
Schwanen-Apotheke,
Buschkampstraße 165
33659 Bielefeld

Professor Dr. Fritz Krafft,
Philipps-Universität, Institut für Geschichte der Pharmazie,
Roter Graben 10
35032 Marburg
E-Mail:
krafft@mailer.uni-marburg.deTop

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