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28.01.2002
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Zur PZ-HomepageForscher entwickeln Nervenzellen aus Knochenmark
28.01. dpa. Ein Forscherteam am Universitätsklinikum Essen hat nach eigenen Angaben aus menschlichem Knochenmark Nervenzellen hergestellt. Das Klinikum berichtete am Montag, prinzipiell sei damit die Türe offen für die rasche "Herstellung" auch anderer Zell-Linien und deren Anwendung zur Behandlung bisher nicht oder nur schlecht behandelbarer Erkrankungen des Menschen. Forscher in Düsseldorf und Rostock hatten im vergangenen Sommer bereits Herzzellen aus Knochenmark gewonnen und Patienten eingesetzt. Nach Angaben von Professor Andreas Hufnagel ist es der Essener Forschergruppe gelungen, adulte Stammzellen des Menschen aus dem Knochenmark zu isolieren, in der Zellkultur um ein Vielfaches zu vermehren und in Nervenzellen umzuformen. Vorteile der adulten Stammzellen seien deren ethische Unbedenklichkeit und die Möglichkeit, diese von Patienten ohne große Schwierigkeiten aus dem Blut oder dem Knochenmark zu gewinnen und nach erfolgter Vervielfältigung ohne Abstoßungsreaktionen zurückzugeben. Ähnliche Versuche hatten US-Forscher bereits vor zwei Jahren vorgestellt. An der Rutgers Universität (US-Staat New Jersey) gewann ein Team ebenfalls menschliche Nervenzellen aus Knochenmark. Im einem Tierversuch hatten die US-Forscher derartige Zellen sogar ins Gehirn gepflanzt und beobachtet, wie es die Funktion von zerstörtem Nervengewebe übernahm. Dennoch warnen Forscher immer wieder vor übertriebenen Hoffnungen. Bis zu einem möglichen Therapie-Einsatz für Menschen mit erkrankten Hirnzellen, wie etwa Parkinsonpatienten, werde es noch Jahre dauern.

Schmidt: Runder Tisch brachte "Schritt nach vorn"
28.01. dpa. Das dritte Treffen am Runden Tisch des Gesundheitswesens war nach Ansicht von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) erfolgreich. Es habe einen "Schritt nach vorn" gebracht. Alle Teilnehmer seien sich grundsätzlich einig gewesen. "Wir wollen einen einheitlichen gesetzlichen Leistungskatalog" in der gesetzlichen Krankenversicherung, sagte Schmidt nach Ende des Treffens am Montag in Groß Ziethen bei Berlin. Zur besseren Gesundheitsvorsorge werde auch über eine Abgabe aus der Tabak- und Alkoholsteuer nachgedacht.

Früher Schulbeginn mindert Leistung
28.01. dpa. Der tägliche Schulunterricht in Deutschland beginnt nach Expertenmeinung zu früh. Dies bringe "schwerwiegende Folgen" für die Leistung in der Schule und die Sicherheit auf dem Schulweg mit sich, sagte der Münchner Mediziner Professor Till Roenneberg. Ein späterer Unterrichtsbeginn gegen 9 Uhr würde die Leistungsfähigkeit der Schüler im Unterricht wesentlich steigern. Dies gelte vor allem für Jugendliche in der Pubertät, bei denen sich die Schlafzeiten aus biologischen Gründen nach hinten verschieben. Roenneberg: "Pubertierende werden später müde und später wach." Bei einem Schulbeginn um 8 Uhr oder früher werde das letzte Schlafviertel der Nacht durchbrochen. Diese Phase sei aber für das gedächtnisbedingte Lernen besonders wichtig, sagte Roenneberg. Im Laufe einer Schulwoche baue sich ein Schlafdefizit auf, das zu einem "drastischen Einbruch" bei den Gedächtnisleistungen führe. Ein Schulbeginn um 9 Uhr oder frühestens 8.30 Uhr wäre für die Erfüllung des Schulauftrags von "großem Vorteil", sagte Roenneberg. Ein Schulbeginn noch vor 8 Uhr sei "schlicht unsinnig". Ein späterer Unterrichtsbeginn solle bei der Diskussion der Pisa-Studie berücksichtigt werden. Eine Lösung böte die Ganztagsschule.

US-Forscher prüfen Potenzial adulter Stammzellen
25.01. dpa. US-Forscher prüfen, ob sich eine bestimmte Gruppe von Stammzellen aus dem Knochenmark ähnlich viel versprechend einsetzen lässt wie embryonale Stammzellen. Ein führender Stammzellexperte, John Gearhart von der Johns Hopkins Universität in Baltimore, sagte am Donnerstag, dass mehrere US-Laboratorien seit Jahren mit so genannten multipotenten adulten Vorläuferzellen (MAPC) von Mäusen und Ratten arbeiten. In einem dieser Experimente sei es gelungen, die adulten Stammzellen zu Nervenzellen neu zu programmieren. Die Wissenschaftszeitschrift "New Scientist" (Nr. 2327) berichtet in ihrer kommenden Ausgabe von den Versuchen eines Teams um Catherine Verfaillie an der Universität von Minnesota in Minneapolis. Sie kultiviere mehrere MAPC-Zelllinien bereits seit zwei Jahren, heißt es in dem Beitrag. Alle anderen bisher untersuchten adulten Stammzelltypen haben nur eine begrenzte Lebensdauer, während sich embryonale Stammzellen nahezu endlos teilen. Das Team um Verfaillie hofft, einmal beweisen zu können, dass sich MAPCs zu einer Reihe anderer Gewebetypen, Muskeln, Knorpel und Knochen reprogrammieren lassen. Bisher hat keines der US-Labors seine Arbeiten mit diesem Stammzelltyp in einem Fachjournal zu veröffentlichen versucht. Das heißt, es hat bisher auch keine unabhängige Überprüfung ihrer Ergebnisse durch Expertenkollegen gegeben. Der Bericht in der Zeitschrift "New Scientist" stützt sich auf Beschreibungen von Verfaillie und Kollegen für Patentanträge. Patente können laut Johns Hopkins Universität auch ohne der von Fachjournalen verlangten Überprüfung gewährt werden. Nach Einschätzung der Stammzellenforscher an der Johns Hopkins Universität ist es derzeit noch zu früh, konkrete Erwartungen an MAPCs zu knüpfen.

Nikotintest für schwangere Raucherinnen
25.01. dpa. Ein Schnelltest für schwangere Frauen, die aktiv oder passiv Rauchen, soll auch das Risiko eines plötzlichen Kindstods senken. Ähnlich wie bei einem Cholesterin-Test könnten Schwangere schnell und ohne apparativen Aufwand selbst feststellen, wie stark sie Tabakrauch ausgesetzt sind, um dann noch rechtzeitig gegensteuern zu können, sagte Kinderarzt Thomas Nüßlein von der Universitätsklinik Bochum am Freitag. Das Projekt wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) gefördert. Frauen könne in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten durch eine Messung des Nikotin-Stoffwechselproduktes Cotinin im Urin gezeigt werden, wie stark ihr Kind durch das mütterliche Aktiv- und Passivrauchen gefährdet sei, sagte Nüßlein. Das wirke besser als Appelle, die gerade bei starker Tabakgewöhnung nur selten auf fruchtbaren Boden fielen. Bisherige Untersuchungsmethoden seien an hohen apparativen Aufwand gebunden, zeitintensiv, teuer, teilweise unzuverlässig und nicht dezentral zu machen. Eins von 1000 lebend geborenen Babys stirbt nach Angaben des Mediziners in Deutschland am plötzlichen Kindstod. Besonders häufig trifft es Säuglinge zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat. Neben dem Schlafen des Säuglings in Bauchlage, der Überwärmung im Kinderbett und der Tatsache, dass die Mutter nicht stille, stelle der Tabakkonsum einen wesentlichen Faktor dar. Die Beziehung zwischen mütterlichem Aktiv- und Passiv-Rauchen und gehäuftem Auftreten des plötzlichen Kindstods sei wissenschaftlich nachgewiesen. Nach erfolgreicher Vermeidung anderer Risikofaktoren seien bis zu zwei Drittel aller Fälle von plötzlichem Kindstod auf den Tabakkonsum der Eltern zurück zu führen.

Klinikärzte machen gegen Fallpauschalen mobil
25.01. dpa. Der Marburger Bund (mb) hat die Ministerpräsidenten der Länder aufgefordert, das Fallpauschalengesetz zur Reform der Klinikvergütung im Bundesrat zu blockieren. Mit dem geplanten Gesetz werde sich das Problem "illegal hoher Arbeitszeiten von Klinikärzten weiter verschärfen", kritisierte der Verband am Donnerstag in Köln. Nach Ansicht von mb-Chef Frank Ulrich Montgomery hat die Bundesregierung "beim Thema überlastete Klinikärzte ihre Ohren auf Durchzug gestellt." In einem Schreiben an alle Ministerpräsidenten forderte der Verband die Länder auch auf, die Bereitschaftsdienste als Arbeitszeiten anzuerkennen. 15.000 Ärzte müssten zusätzlich in deutschen Krankenhäusern eingesetzt werden. Das sei nötig, um menschenunwürdige Arbeitsbedingungen mit 80 und mehr Wochenstunden sowie eine Patientengefährdung durch übermüdete Ärzte zu beseitigen. Der mb vertritt rund 75.000 der 140.000 Klinikärzte.

Beratungsprojekt startet in Augsburg
24.01. dpa. Chronisch kranke Menschen sollen in ausgewählten bayerischen Apotheken im Rahmen eines bundesweiten Pilotprojektes künftig umfassend über ihr Leiden beraten werden. Neben dem richtigen Umgang mit Medikamenten wollen die Pharmazeuten sie unter anderem über richtige Ernährung aufklären oder Adressen von anderen Anlaufstellen wie Selbsthilfegruppen oder Beratungen nennen. "Wir wollen weg von der anonymen Arzneimittelbetreuung hin zum persönlichen Gespräch", sagte die Leiterin der Fortbildungsabteilung der Landesapothekerkammer, Sonja Weinzierl, am Mittwoch in München in einem dpa-Gespräch. Am 24. Januar fällt der Startschuss für das Projekt, an dem 14 Apotheken im Raum Augsburg teilnehmen. Konkurrenz zu den Ärzten wollen die Apotheker aber nicht sein. Es sei vielmehr an kollegiale Zusammenarbeit gedacht, um den Patientenoptimal zu versorgen. "Außerdem ist der Apotheker der Fachmann, wenn es um Arzneimittel geht", sagte Weinzierl. Weiterhin spare es viel Geld, wenn der Patient seine Krankheit verstehe und Warnsymptome rechtzeitig erkenne. Die neuen Dienstleistungen sollen jedoch nicht umsonst sein. Zurzeit liefen Gespräche mit den Krankenkassen, diese Beratungen auf Honorarbasis zu entlohnen. Die Humboldt-Universität in Berlin wird das einjährige Projekt der Gemeinnützigen Gemeinschaft "betainstitut" für sozialmedizinische Forschung und Entwicklung und der Kammer wissenschaftlich begleiten. Beschäftige der 14 Apotheken werden an acht Terminen geschult, damit sie kompetent beraten können. Außerdem werden Patienten zwischen 18 und 70 Jahren ausgewählt, die an Krankheiten wie Asthma, Diabetes, Bluthochdruck oder Rheuma leiden.

Krebsrisiko von Alkohol wird unterschätzt
24.01. dpa. An der Aufklärung der Bevölkerung über den Einfluss von Alkohol auf Krebserkrankungen hapert es nach Einschätzung des Marburger Mediziners Professor Dr. Jochen Werner gewaltig. "Beim Tabakrauch haben alle das Problem verstanden, aber die Auswirkungen von Alkoholkonsum kennt kaum jemand", sagte der Direktor der Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Klinik in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dabei verursachten die beiden Süchte mehr als 80 Prozent der Krebserkrankungen von Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf. Auch bei der Früherkennung von Tumoren in den oberen Luftwegen gebe es große Defizite, kritisierte Werner. "Die meisten Patienten kommen nach wie vor erst im fortgeschritten Stadium zum Facharzt - aber nur wenn die Erkrankung früh erkannt wird, kann man schonender behandeln." Bei Schluckstörungen und anhaltender Heiserkeit reiche daher eine Untersuchung beim Hausarzt nicht aus. Zwar habe die Lasertherapie bei der Behandlung von Krebs im Mund- und Rachenraum gewaltige Fortschritte gebracht, doch könnten nicht alle Patienten von der sanften Methode profitieren. "Der Laser hat es nicht geschafft, die herkömmlichen Methoden wie die Strahlentherapie in den Schatten zu stellen", sagte der Mediziner. Nur für Menschen im Anfangsstadium der Erkrankung sei der Laser eine hervorragende Alternative: Weil Chirurgen damit gut durchblutete Schleimhäute "blutungsfrei" schneiden könnten, werde auch weniger gesundes Gewebe entfernt.

Sparkurs gefährdet Suchttherapie
24.01. dpa. Der Sparkurs der Krankenkassen gefährdet nach Einschätzung von Medizinern die Behandlung von Suchtkranken. Anstatt Therapien für Alkohol- oder Tabakabhängige frühzeitig zu unterstützen, werde abgewartet, bis die Patienten erkrankt seien, sagte die Leiterin der Klinik für Sucht- und Psychotherapeutische Medizin in Erlangen, Brigitte Mugele. "Seit der Anerkennung der Sucht als Krankheit vor über 30 Jahren gibt es keine ausreichende Akutbehandlung", sagte Mugele. In Anbetracht der Finanzlöcher bei den Kassen werde die Situation immer schlimmer: "Man versucht an allen Ecken und Enden zu sparen." Nach Mugeles Angaben gelten bis zu zehn Millionen Menschen in Deutschland als alkoholkrank oder durch Alkoholkonsum suchtgefährdet. Dazu geselle sich die riesige Schar der Raucher - Schätzungen zufolge raucht etwa ein Viertel der Menschen in Deutschland. Tabakkonsum sei verantwortlich für bis zu 110. 000 Tote im Jahr, Alkoholkonsum für 42. 000 Tote. Doch noch immer sei die "Volkskrankheit Sucht" nicht als Erkrankung akzeptiert. Sie gelte zu Unrecht als selbst verschuldet. "Die Betroffenen fühlen sich auch schuldig und schämen sich. Diese Gefühle hindern sie an einer Therapie", sagte die Medizinerin.

Schmidt will mehr Vertragsfreiheit für Ärzte
23.01. PZ. Nach den Plänen von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, soll der Einfluss der Kassenärztlichen Vereinigungen kleiner werden. Die Ministerin will zukünftig auch direkte Verträge zwischen Ärzten und Kassen zulassen. "Ich neige dazu, den Ärztinnen und Ärzten die Wahlfreiheit zu übertragen", sagte sie anlässlich ihrer Ein-Jahres-Bilanz als Gesundheitsministerin. Für den Wettbewerb sei es sinnvoll, wenn Ärzte entscheiden können, ob sie Verträge direkt mit einer Krankenkasse oder wie bislang über die Kassenärztlichen Vereinigungen abschließen wollen. (dr)

Schafe zählen bringt nichts
23.01. dpa. Ein britisches Forscherteam räumt mit einem der größten Irrtümer der Menschheit auf: Schafe zählen hält wach. Ins Land der Träume führt diese weit verbreitete Einschlafpraktik kaum, hat jetzt ein britisches Forscherteam der Universität Oxford herausgefunden. Entspannende Szenen wie etwa ein rauschender Wasserfall sind demnach zum Einschlafen besser geeignet, berichtet das englische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" (Nr. 2327, S. 17). Allison Harvey und ihre Kollegin Suzanna Payne hatten 50 an Schlaflosigkeit leidende Patienten gebeten, in verschiedenen Nächten unterschiedliche Entspannungstechniken auszuprobieren. Damit wollten sie herausfinden, welche am schnellsten wirkten. Eine Gruppe sollte eine ruhige und entspannende Szene wie etwa einen Wasserfall oder Urlaubserlebnisse heraufbeschwören. Die zweite Gruppe wurde gebeten, sich mit Schafe zählen abzulenken. Die dritte Gruppe sollte ihre eigene Technik anwenden. Im Durchschnitt schliefen diejenigen, die sich eine entspannende Szene vorstellten, mehr als 20 Minuten früher ein als in Nächten, in denen sie diese Technik nicht verfolgten. Die Schafezähler und die Patienten der dritten Gruppe brauchten dagegen in den Testnächten zum Einschlafen sogar geringfügig mehr Zeit als sonst. "Schafe zählen ist einfach zu irdisch, um effektiv Sorgen zu verdrängen", sagt Harvey.

Großhandel steigert Umsatz um knapp 8 Prozent
23.01. PZ. Der Pharmagroßhandel hat 2001 in Deutschland deutlich zugelegt. Der Umsatz stieg zu Verkaufspreisen ohne Mehrwertsteuer um 7,8 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro, teilt der Bundesverband des Pharmazeutischen Großhandels (Phagro) mit. Noch leicht darüber lag mit 8,2 Prozent der Zuwachs bei apothekenpflichtigen Arzneimitteln. Wie der Phagro betont, blieb der Zuwachs damit um 2 Prozentpunkte unter den Erwartungen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Wahrscheinlich müsse deshalb die Ausgabenschätzung der GKV nach unten korrigiert werden, spekuliert der Verband. Zufrieden zeigt sich der Phagro auch mit der Umsatzentwicklung von Nebensortiment sowie Heil- und Hilfsmitteln. Um 4,3 Prozent konnten die Großhändler in diesem Segment im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Diese Produkte hätten "ihr Potenzial bewiesen und den Gesundheitsmarkt Apotheke und dessen wichtige Funktion in der Gesundheitsvorsorge sowie home care bestätigt", konstatiert der Verband. (dr)

Mehr Effizienz, mehr Qualität, mehr Versicherte
22.01. PZ. Ministerin Ulla Schmidt will am solidarisch finanzierten Gesundheitssystem festhalten. "Im Gegensatz zur Opposition setze ich nicht auf die Verweigerung von Leistungen und auch nicht auf die Privatisierung des Krankheitsrisikos", sagte sie am Dienstag in einer Bilanz ihrer einjährigen Arbeit als Gesundheitsministerin. Zur Stärkung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) will Schmidt die Versicherungspflichtgrenze anheben. "Es ist nicht akzeptabel, dass sich im Zuge der Einkommensentwicklung immer mehr Menschen dem Solidarsystem entziehen können." Schmidt betonte gleichzeitig, dass die Versicherten keine höheren Belastungen tragen sollen, da die Beitragsbemessungsgrenze unangetastet bleibe. Bei der aus ihrer Sicht notwendige Fortsetzung der Reformen sollen Qualität und Effizienz der Leistungen weiter verbessert werden, kündigte sie an. Die Arzneimitteltherapie soll mit der Einführung eines Pharmakovigilanzsystems verbessert werden. Voraussetzung dafür ist der bereits im vergangenen Jahr angekündigte Gesundheitspass. Noch in diesem Jahr soll er in Modellprojekten in Ingolstadt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg getestet werden. Zurückhaltend äußerte sich die Ministerin über ihre weiteren Pläne im Arzneimittelbereich. Hier sei die Selbstverwaltung am Zug. Ihr soll die Aufgabe zukommen, mit einem unabhängigen Institut Kosten und Nutzen von zur Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordneten Arzneimitteln zu untersuchen. Außerdem will Schmidt die Patienten-Zuzahlung weiter spreizen. Durch eine kostenneutrale Modifikation sollen die finanziellen Anreize zur Versorgung mit Großpackungen verkleinert werden. Die Einführung des Versandhandels scheint bei Schmidt keine hohe Priorität zu genießen. Mit keinem Wort ging sie in ihrem Statement auf Alternativen zum bewährten Distributionssystem ein. Schmidt verteidigte erneut die Abschaffung des Arzneimittelbudgets. Mit denen im Arzneimittelbudget-Ablösungsgesetz vorgeschriebenen Zielvereinbarungen sollen Ärzte und Krankenkassen die Grundlagen für eine wirtschaftliche Arzneimittelversorgung schaffen, allerdings "nicht mehr auf dem Rücken der Patienten". Die Ministerin erwartet, dass die Zielvereinbarungen zusammen mit abgesenkten Festbeträgen die Arzneimittelausgaben in diesem Jahr um 1,2 Milliarden € senken werden. (dr)

Tiefkühlkammer für Rheuma-Patienten
22.01. dpa. Eisige Zeiten sind in einem Krankenhaus im Sauerland für Rheumapatienten angebrochen. Das Brüderkrankenhaus St. Josef in Olsberg hat eine dreistufige Kältekammer für die Behandlung von rheumatischen Krankheiten in Betrieb genommen, in der die Patienten bis zu vier Minuten in einem minus 110 Grad Celsius kalten Raum verbringen. Wie die Klinik am Dienstag mitteilte, lindert die Ganzkörper-Kältetherapie die Schmerzen etwa bei chronisch entzündeten Gelenken bis hin zur Schmerzfreiheit. Gleichzeitig nähmen die Beweglichkeit und das Wohlbefinden zu, so die Klinik. Der Effekt halte einige Stunden an und könne für krankengymnastische Übungen verwendet werden. Die Wirkung der Therapie beruhe auf der plötzlichen Auskühlung der Haut, was sich positiv auf das Nervensystem auswirke. Die Therapieform wurde in Japan entwickelt und ist seit 1980 in Europa bekannt. In Deutschland wurde das Verfahren 1985 eingeführt. Die Kältekammer im Brüderkrankenhaus ist nach eigenen Angaben die vierte ihrer Art in Deutschland.

BPI will über Distribution diskutieren
22.01. PZ. Der Bundesverband der Pharmazeutische Industrie (BPI) stellt die Arzneimittelversorgung in Frage. Er fordert Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt auf, das geschlossene Distributionssystem zu überprüfen. Es habe durch die Forderung der Apotheker nach Aut idem Schlagseite bekommen, so BPI-Hauptgeschäftsführer Dr. Hans Sendler, in einer Stellungnahme zu Schmidts Ein-Jahres-Bilanz. Stichworte wie Distributionskette, Mehrbesitzverbot, Naturalrabatte, Arzneimittelpreisverordnung, Festbetragssystem seien bereits in der Diskussion. Sendler: "Die oberste Devise muss sein: Deutschland darf nicht zum wiederholten Mal durch Maßnahmen im eigenen Land den wirtschaftlichen Erfolg im Globalisierungsprozess bremsen." Zudem fordert er eine Beteiligung der Pharmaindustrie "an der Willensbildung zur Steuerung im Arzneimittelbereich". Sendler unterstützt die Forderung der Gesundheitsministerin nach einer prozentualen Selbstbeteiligung mit einer Obergrenze für besonders teure Arzneimittel. (dr)

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