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Mehr als nur Salben aus dem Servicecenter Apotheke

01.02.1999
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-PharmazieGovi-Verlag

PHARMACON DAVOS

Mehr als nur Salben aus dem Servicecenter Apotheke

"Zytostatika sind nun mal keine Salben, die so einfach routinemäßig hergestellt werden", mahnte Professor Dr. Karl Thoma, München, die Teilnehmer des Seminars zur Zytostatika-Herstellung in der Apotheke. Wer sich entschließe, diesen Service anzubieten, müsse sich darüber im Klaren sein, daß einiges an organisatorischem Aufwand und Kosten auf ihn zukommt.

Aufgrund der akuten Toxizität und dem hohen mutagenen und teratogenen Potential der Arzneistoffe müßten beim transportieren, zubereiten und abfüllen jegliche Risiken der Kontamination konsequent vermieden werden. Mitarbeiter müßten die unterschiedlichsten Vorschriften beachten.

Die verantwortlichen Apothekerinnen oder Apotheker hätten stets dafür Sorge zu tragen, daß ihr Personal korrekt mit der technischen Ausrüstung umgehe, Schutzmaßnahmen und die richtigen Arbeitstechniken beherrsche und stets die passende Schutzkleidung trage. Das lerne man nicht schnell mal nebenbei, da sei einiges an Training nötig.

Zusätzlich müßten je nach Art der Substanzen spezielle Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Über diese muß der Hersteller für jeden Arzneistoff separat in einem gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsdatenblatt informieren. "Die meisten Datenblätter sind leider nicht auf dem neusten Stand", sagte Thoma.

Praktische Tips für eine sachgerechte Herstellung in der Offizin gab Dr. Helmut Hehenberger, Apotheker im Zentralklinikum Augsburg. Dafür hatten die Organisatoren des Seminars eigens eine Laminar-flow-Werkbank und weiteres Equipment nach Davos geschafft. Schon die räumlichen Anforderungen stellten viele Apotheken vor gewisse Probleme, meinte Hehenberger. Per Gesetz sei ein abgegrenzter Raum mit einer Mindestfläche von 10 qm vorgeschrieben. Er empfahl den Seminarteilnehmern, zusätzlich Fläche für eine Schleuse einzuplanen, damit keinesfalls Partikel in die anderen Betriebsräume gelangen.

Wer Zytostatika herstelle, müsse immer mit Gefahren rechnen. Manchmal seien bereits Orginalverpackungen kontaminiert, weil sich Lyophilisat-Kristalle unter den Bördelkanten der Verschlüsse ablagerten. Durch Temperaturschwankungen und unsachgemäßen Transport bildeten sich an den Glasflaschen kleine Haarrisse, an denen dann Substanz auskristallisiert. Prinzipiell drohe immer dann Gefahr, wenn unachtsam und ungeschickt gearbeitet wird. Deshalb stünden Stichverletzungen mit gefüllten Kanülen ganz oben auf der Liste der häufigsten Unfälle.

Werner Henke, Offizinapotheker aus Aschaffenburg, verdeutlichte seinem Auditorium, welchen Benefit der öffentlichen Apotheke pharmazeutisch-onkologische Serviceleistungen bringen. Es gehe nicht nur alleine um die individuelle Herstellung, die Apotheke könne mit relativ geringen Aufwand auch Informationen beschaffen, und so Arzt und Patient eine wertvolle Hilfestellung geben. "Wir haben den Eindruck, daß die Mediziner auch nicht immer so viel Ahnung von der Materie haben und unsere Hilfe gerne annehmen."

Er sei aktiv aus seiner Apotheke herausgegangen und habe nachgefragt, ob Ärzte und Kliniken nicht mit ihm zusammenarbeiten wollen. Inzwischen versorge er Praxen und Krankenhaus nicht nur mit Zytostatika, sondern betreue auch Patienten, die parenteral ernährt werden müßten, oder eine Schmerzpumpe tragen. Henke: "Wir bekommen heute die ganze Patientenakte auf den Tisch und fordern vom Arzt sogar die Laborwerte an." Zwei Tage vor Entlassung von TPN-Patienten führe er im Krankenhaus mit dem Arzt ein Übergabegespräch. Anschließend erstellt Henke mit seinem Team ein individuelles Ernährungsprofil, schult die Patienten und den Pflegedienst und überprüft anschließend regelmäßig die Laborwerte.

Auch bei der Betreuung von Schmerzpatienten könnte die Apotheke einen Service bieten, der sie von anderen Pumpen-Lieferanten abhebt. Schmerzpumpen, die Firmen direkt an den Arzt schicken, seien zwar 50 bis 100 DM billiger. Der Hersteller stecke das Gerät aber oft einfach nur in eine Kiste und der niedergelassene Arzt müsse dann sehen wie er klar kommt. Henke bietet seinen Kunden einen 24-h-Stunden-Service. Oft müßten Patienten, die Probleme mit ihrer Pumpe haben, nicht in die Klinik eingeliefert werden. "Das spart der Kasse viel Geld – ein Argument für die Apotheke." Top

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