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Zukunft für Mittelstand gar nicht rosig

25.01.1999  00:00 Uhr

-Wirtschaft & HandelGovi-VerlagENGELHARD ARZNEIMITTEL

Zukunft für Mittelstand
gar nicht rosig

von Elke Wolf, Rödermark

"Wenn es der Regierungskoalition wirklich in erster Linie um Arbeitsplatzsicherung und Mittelstandsförderung geht, darf das Gesundheitswesen nicht erneut zu Lasten des Arzneimittelbereichs saniert werden." Für Karl Michael Engelhard, Geschäftsführer des Familienunternehmens Engelhard Arzneimittel, liegt es auf der Hand: Der eingeschlagene Weg in der Gesundheitspolitik belastet nicht nur die Patienten, er gefährdet auch zehntausende von Arbeitsplätzen bei Herstellern, in Apotheken und Arztpraxen.

Seine Auffassung teilten auch verschiedene andere Vertreter der Pharmabranche bei einem Besuch des hessischen Finanzministers Karl Starzacher (SPD) am Produktionsstandort des Pharmaunternehmens in Niederdorfelden. Engelhard rechnet mit Umsatzeinbußen von mindestens 10 Prozent. Rückläufige Ergebnisse in dieser Dimension träfen vor allem mittelständische Betriebe, machte Peter Dewein vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, Hessen, klar.

Das Notprogramm der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im Oktober 1996 zeigt, daß die damaligen Verordnungseinschränkungen bei der mittelständischen Pharmaindustrie rund 9000 Arbeitsplätze gekostet haben. Die Lage in Hessen: Nach Deweins Ausführungen sind derzeit 24.000 Menschen in der hessischen Pharmaindustrie beschäftigt. Vor sechs Jahren waren es 3000 Arbeitsplätze mehr. Blieben die Gesetze der neuen Bundesregierung in ihrer jetzigen Form bestehen, ist nach Dewein ein weiterer Stellenabbau unvermeidbar. Dazu Starzachers Kommentar: "Ihre Einschätzung nehme ich zur Kenntnis, obwohl ich das optimistischer sehe als Sie." Aber: Starzacher ist grundsätzlich zu einem Dialog bereit und sagte einen kontinuierlichen Interessensaustausch zu. Er findet es außerdem legitim, wenn Vertreter der Pharmaindustrie an seinen Einfluß im Bundesrat appellieren.

10.000 DM minus kostet einen Arbeitsplatz

Gemäß einer Erhebung des Bundesfachverbandes der Arzneimittelhersteller kosten 100.000 DM Umsatzverlust einen Arbeitsplatz. Engelhard: "Wir rechnen mit mehreren 100.000 DM an Belastungen durch den Wegfall von Steuervergünstigungen. Was erst die Anhebung der Mineralölsteuer und die Ökosteuer an Mehrkosten verursacht, ist noch gar nicht absehbar. Die ständig wechselnden Informationen aus Bonn lassen ebenso wenig eine genaue Planung zu wie die zugesagten, aber immer noch nicht festgelegten Steuersenkungen für die Firmen."

Bekannt und erheblich belastend allerdings ist die eklatante Gebührenerhöhung für die Zulassung von Arzneimitteln. Engelhard zufolge kostet eine zentrale EU-Zulassung bei der EMEA ab diesem Jahr 400.000 DM (davor betrug diese Gebühr die Hälfte). Neu seit Anfang dieses Jahres ist eine zusätzliche und jährliche Erneuerungsbebühr von rund 110.000 DM für jedes Präparat. "Das bedeutet für Engelhard eine Anhebung der Zulassungsgebühren von Arzneimitteln in Deutschland um 61 Prozent von bisher 299.100 DM auf 790 100 DM", verdeutlichte der Firmeninhaber mit Zahlen.

Arzneimittelbereich muß wieder herhalten

Für Engelhard unverständlich ist die Tatsache, daß die Regierungskoalition die Hälfte der vorgesehenen Einsparungen von insgesamt einer Milliarde DM im Arzneimittelbereich erzielen will, einem Bereich, der 1997 gerade mal 11,6 Prozent der Gesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung ausgemacht hat. Absenkung der Festbeträge, Strafandrohungen an diejenigen Mediziner, die das vorgeschriebene Budget überschreiten und besonders die vorgesehene Positivliste würden dafür sorgen, daß bewährte Medikamente wie Phytopharmaka nicht mehr verschrieben werden. "Dabei machen diese rund 80 Prozent der Verordnungen eines Hausarztes aus."Top

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