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Hypertonietherapie 1999

25.01.1999  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-VerlagPHARMACON DAVOS

Hypertonietherapie 1999

von Christiane Berg, Davos

"Die Behandlung des hohen Blutdruckes ist die Erfolgsgeschichte der Pharmaforschung", konstatierte Professor Dr. Josef Pfeilschifter, Frankfurt/ Main. Die Zahl der Todesfälle durch Hirnschlag und Herzinfarkt habe in den vergangenen zwanzig Jahren um mehr als 50 Prozent abgenommen. Der verbesserte und vermehrte Einsatz antihypertensiver Medikamente habe einen wesentlichen Beitrag zu dieser dramatischen Änderung geleistet.

Eine blutdrucksenkende Therapie vermindert das kardiovaskuläre Risiko und verlängert die Lebenserwartung, sagte der Referent, der allerdings beklagte, daß ein Großteil der Patienten nicht adäquat behandelt wird. Zum einen seien die Ärzte nicht aggressiv genug in der Bluthochdrucktherapie, zum anderen werde der Blutdruck schlecht kontrolliert. "Es muß gängiger Standard werden, daß jeder Mensch seine Blutdruckwerte kennt", betonte Pfeilschifter. Die dauerhafte Senkung des Blutdruckes auf Werte unter 140/85 mm HG, wie in der HOT-Studie (Hypertension Optimal Treatment Study) empfohlen, verbessere die Prognose von Hochdruckpatienten beträchtlich.

Bei einem niedrigen beziehungsweise mittleren Bluthochdruck sei die Kontrolle des Blutdruckes und der Risikofaktoren nach drei bis sechs beziehungsweise nach sechs bis zwölf Monaten sowie die Beseitigung von Übergewicht, die Beschränkung des Kochsalzkonsums auf weniger als 6 g/Tag, Senkung des Alkoholkonsums auf unter 30g /Tag (Frauen 15g/Tag), regelmäßige körperliche Aktivität, der Abbau von Streßfaktoren und Überprüfung der Indikation auf eine laufende Therapie mit NSAR, Steroiden, oralen Kontrazeptiva angesagt.

Bei einem sehr hohen Blutdruck (Grad I-Hypertonie: 140-159/100-109 mmHG; Grad-II-Hypertonie: 160-179/100-109 mmHG; Grad III-Hypertonie:>180/110mmHG; isolierte systolische Hypertonie > 140/ 90 mmHG) müsse sofort mit Medikamenten behandelt werden.

Zahlreiche, sehr verschiedene antihypertensive Substanzen

Pfeilschifter schilderte die Arzneimitteltherapie entsprechend der Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation, der International Society of Hypertension sowie der Deutschen Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdruckes. Als antihypertensive Substanzklassen stellte er die Beta-Blocker, die Diuretika, Calciumantagonisten, ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorantagonisten, Alpha-1-Blocker, Antisympathotonika und aterioläre Vasodilatatoren vor.

Diuretika (Thiazid-Diuretika: Butizid, Chlorthalidon, Clopamid etc.; Schleifendiuretika: Bumetamid, Etazolin, Furosemid etc.) bezeichnete er als eine der wertvollsten antihypertensiven Medikamente. Preiswert, wirksam, in niedrigen Dosen allgemein gut toleriert seien diese besonders für ältere Patienten mit systolischem Bluthochdruck zu empfehlen. Empfohlene Indikationen seien Herzinsuffizienz und systolische Hypertonie. Eine mögliche Indikation sei Diabetes, absolute Kontraindikation sei Gicht.

Zusammenarbeit zwischen Arzt, Apotheker und Patient

Den Betablockern ( Beta-1-selektiv: Acebutolol, Atenolol etc.; Nicht-Beta-1-selektiv: Alprenolol etc.) schrieb der Referent eine signifikante Verminderung der Inzidenz von Schlaganfällen und Auftreten einer Herzinsuffizienz zu. Indikationen seien Angina pectoris nach Myokardinfarkt sowie Tachyarrhythmien. Mögliche Indikationen seien Schwangerschaft, Diabetes und Herzinsuffizienz, zwingende Kontraindikationen Asthma und chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen.

ACE-Hemmer ( Benazepril, Captopril, Cilazapril, Enalapril etc.) reduzieren die Morbidität und Mortalität bei Herzinsuffizienz, so der Vortragende, der als wichtigste Nebenwirkung den trockenen Husten hervorhob. Calcium-Antagonisten (L-Typ-Kanal-Antagonisten vom Nifedipin-, Diltiazem- und Verapamil-Typ, T-Typ-Kanal-Antagonisten: Mibefradil ) haben eine nachgewiesene Schlaganfallpräventive Wirkung bei älteren Patienten. Empfohlene Indikationen seien Angina pectoris und systolische Hypertonie.

Die AT1-Rezeptorantagonisten mit Losartan, Valsartan, Candesartan, Eprosartan und Irbesartan etc. hob Pfeilschifter als neueste Gruppe von antihypertensiven Medika-menten mit der Indikation Herzinsuffizienz und der Möglichkeit, Husten bei ACE-Hemmern zu meiden, hervor. Für eine erfolgreiche Langzeittherapie und effektive Compliance des Patienten sei die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Arzt, Apotheker und Patient stets Vorraussetzung.Top

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