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PZ Nachrichten

25.01.1999  00:00 Uhr
PZ Pharmazeutische ZeitungGovi-VerlagPZ +++ Nachrichten +++   26.01. Mit Krebskanone Becken-Tumore behandeln
dpa. Die Behandlungen von Gehirntumoren zeigten bereits erstaunliche Erfolge. Jetzt sollen mit einer von deutschen Kernphysikern entwickelten neuartigen Strahlentherapie auch erstmals Krebstumore im Beckenbereich ausgemerzt werden. Bereits in den nächsten Wochen würden im Forschungs-Labor der Darmstädter Gesellschaft für Schwerionen-Forschung (GSI) erste Patienten mit der "Krebskanone" beschossen werden, kündigt GSI-Biophysiker, Professor Gerhard Kraft, an. Parallel dazu will die mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum kooperierende GSI weitere Erfahrung bei der Behandlung von Gehirn-Tumoren sammeln. Auch wenn die Zahl der bestrahlten Patienten noch zu gering, die seitdem verstrichene Zeit für eine abschließende Beurteilung aus Mediziner-Sicht noch zu kurz ist - für den Biophysiker Kraft steht dennoch eines schon jetzt fest: "Wir haben bewiesen, daß wir mit einem komplexen System Patienten bestrahlen können und dabei eine hohe Präzision erreichen." Tatsächlich ist den Wissenschaftler gelungen, einen hallenfüllenden Ionen-Beschleuniger für den filigranen medizinischen Einsatz umzurüsten. Kohlenstoff-Ionen werden dabei in einer Ringbahn mit einem Durchmesser von 80 Metern auf halbe Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, um damit schließlich stark gebündelte und präzise gesteuert Chordom- oder Chondrosarkom-Tumore zu behandeln.

26.01. Rückgang bei Berufskrankheiten 1997
PZ. Fast 89.000 Verdachtsfälle einer Berufskrankheit sind 1997 bei den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung angezeigt worden; 5,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Das geht aus dem "Unfallverhütungsbericht Arbeit 1997" der Bun-desregierung hervor. Knapp 23.500 Fälle wurden als Berufskrankheit anerkannt. Weiterhin auffällig ist die Zunahme bei Erkrankungen, die auf die Einwirkung von Asbest zurückzuführen sind. Der Anlaß für diese Erkrankungen liegt etwa zehn bis 40 Jahre zurück. Heute ist die Verwendung von Asbest verboten und für den Umgang bei der Entsorgung bestehen strenge Arbeitsschutzvorschriften. Die sieben häufigsten Verdachtsanzeigen der Berufskrankheiten beziehen sich auf folgende Krankheitsbilder: Schwere Hauterkrankungen (21.922 Fälle) Lendenwirbelsäule, Heben und Tragen (13.638) Lärmschwerhörigkeit (12.689) Obstruktive Atemwegserkrankungen durch allergisierende Stoffe (4.898) Asbestose (4.086) Silikose (2.997) Meniskusschäden (2.317).

25.01. Ein Skorpion gegen den Krebs
dpa. Im Kampf gegen einen meist tödlichen Hirnkrebs (Gliom) setzt ein deutscher Forscher auf das Gift von Skorpionen. Harald Sontheimer fand in dem Gift des israelischen Riesenskorpions (Leiurus quinquestratum) ein Peptidmolekül, das sich ausschließlich an diese Krebszellen bindet. Er stellte seinen Zufallstreffer am Samstag (Ortszeit) in Anaheim (Kalifornien) auf dem größten interdisziplinären Wissenschaftskongreß der Welt vor, der 151. Jahrestagung des Amerikanischen Verbandes zur Förderung der Wissenschaft (AAAS). Die klinischen Versuche an Menschen mit dem Peptidmolekül Chlorotoxin sollen noch in diesem Jahr beginnen, sagte Sontheimer, der jetzt als Professor an der Universität von Alabama in Birmingham lehrt. Das Peptid soll radioaktiv bestrahlt und dann den Patienten intravenös injiziert werden. Das Molekül ist so klein, daß es die Blut-Hirn-Schranke durchdringt und sich im Gehirn selektiv an die Tumorzellen haftet, sagte der Forscher. Er erwartet, daß die Peptide mit ihrer radioaktiven Strahlung alle Krebszellen im Gehirn der Patienten zerstören, ohne gesundes Gewebe anzugreifen. Das Verfahren soll vor allem einzelne, im Hirn vertreute Gliom- Zellen aufspüren. Der Tumorherd selbst würde auch in Zukunft chirurgisch entfernt werden, sagte Sontheimer. Im Labor habe seine Methode eine Erfolgsrate von 98 Prozent. Das Peptidmolekül blockiert den Chlorid-Eisen-Kanal der Krebszellen, der bei der Streuung des Tumors eine entscheidende Rolle spielt.

25.01. MS-Kranken Medikamente nichtvorenthalten
dpa. Vor negativen Folgen bei der Versorgung schwer kranker Menschen mit neuen erfolgversprechenden Medikamenten wegen der Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen hat die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) in Hannover gewarnt. "Nur ein Viertel der in Frage kommenden Erkrankten erhält bisher das Mittel Beta-Interferon", sagte Dorothea Pitschnau, Bundesgeschäftsführerin der DMSG, in einem dpa-Gespräch. Dabei könne bei rund 40.000 der insgesamt 120.000 MS-Patienten in Deutschland der Krankheitsverlauf mit Beta-Interferon deutlich verlangsamt werden. Tatsächlich würden jedoch nur etwa 10.000 Menschen, die unter der unheilbaren Muskelschwäche leiden, mit diesen Präparaten behandelt. Pitschnau: "Es ist ein Skandal, wenn den Betroffenen aus Kostengründen die Chance genommen wird, so lange wie möglich ein normales Leben zu führen", erklärte Pitschnau. Es sei erwiesen, daß die Medikamente die Zahl der Krankheitsschübe um rund ein Drittel pro Jahr reduzierten. Jährlich kosteten die Beta-Interferon-Präparate für einen MS-Kranken zwischen 25.000 und 30:000 Mark. "Angesichts des strikten Arzeimittelbudgets scheuen sich natürlich viele Ärzte, diese Mittel zu verschreiben", sagte die Geschäftsführerin. Die Mediziner gerieten dadurch in einen Gewissenskonflikt. Es sei Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen, eine Lösung zu finden.

25.01. Expertin: HIV-Therapie birgt Risiken
dpa. Die Ausdehnung der medikamentösen Aidstherapie auf bisher unbehandelte Gruppen von HIV- Infizierten könnte die Resistenz des Virus fördern und die Epidemie noch weiter anfachen, befürchten US-Forscher. Sally Blower und Kollegen von der Universität von Kalifornien in San Francisco stellten auf der 151. Jahrestagung des Amerikanischen Verbandes zur Förderung der Wissenschaft (AAAS) in Anaheim ein mathematisches Modell vor, das die Resistenz des HI-Virus gegen die neuen Kombinationstherapien mit einbezieht. Ihr Modell kommt zu dem Ergebnis, daß die medikamentöse Behandlung weiterer HIV-Infizierter unter striktester Aufsicht die Zahl der neuen Fälle in den kommenden zehn Jahren um 15 bis 20 Prozent reduzieren könnte. Ohne die entsprechende ärztliche Kontrolle aber könnte das Heer der HIV-Infizierten noch anschwellen, warnte Blower. Sie errechnete eine Zuwachsrate von 20 Prozent in zehn Jahren für den Fall, daß das HI-Virus durch die Ausdehnung der Therapien bei unzureichender Aufsicht mehr Möglichkeit zur Resistenzbildung erhielte. Die Erfahrung zeige, daß die Einnahme der Medikamenten-Cocktails gegen Aids größte Disziplin verlangt, sagte Blower. Studien zeigten, daß etliche Patienten sich bei mangelnder Aufsicht nicht an die vorgeschriebenen Einnahmezeiten und Dosierungen halten. Damit erhalte das Virus die Chance, sich durch genetische Mutation zu wandeln und in neuer, leicht veränderter Version der Schlagkraft der Medikamente zu entgehen.

22.01. Arzneipreise künftig vom Staat festgelegt?
PZ. Bei Bonner Politikern und Krankenkassen scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, daß die Festbetragsregelung in der gegenwärtigen Form nicht mehr haltbar ist. Ausgelöst worden ist dies durch die einstweilige Verfügung des Land-gerichts Düsseldorf, wonach die Festbetrags-Festsetzung durch die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenversicherung ge-gen europäisches Kartellrecht verstößt. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Bundestages Klaus Kirschner (SPD) plädierte in Bonn dafür, daß die Festbeträge künftig per Verordnung vom Gesetzgeber festgesetzt werden sollten. Die Entscheidungen anderer Gerichte abzuwarten, hält Kirschner für falsch. "Der Staat muß jetzt die Verantwortung übernehmen, damit wir dieses System nicht aufgeben müssen", erklärte der Parlamentarier. Ähnlich äußerte sich der FDP-Gesundheitspolitiker Dieter Thomae. Er wies darauf hin, daß auch die abgewählte Koalition in der letzten Wahlperiode dieses Thema andiskutiert habe. Thomae sprach sich allerdings gegen "ein Preisdiktat" aus, "das den Wettbewerb um niedrigere Preise unterhalb der Festbeträge zunichte macht und die Entwicklung von Innovationen behindert".

22.01. IL-9 an Lypmphknotenkrebs beteiligt
dpa. Das Cytokin Interleukin 9 (IL-9) spielt wahrscheinlich eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Morbus Hodgkin und des anaplastischen Lymphoms. Einem Pathologen der Medizinischen Universität Lübeck ist es gelungen, einen Botenstoff nachzuweisen, der maßgeblich an der Entstehung der beiden häufigsten Arten von Lymphknotenkrebs beteiligt ist. Die von dem Privatdozenten Hartmut Merz vorgelegte Arbeit werde von der Medizinischen Gesellschaft Lübeck mit dem Habilitationspreis 1998 ausgezeichnet, teilte die Medizinische Universität am Donnerstag mit. In seiner Arbeit habe Merz mit molekularbiologischen Experimenten nachgewiesen, daß der Wachstumsfaktor Interleukin 9 an der Entstehung des Morbus Hodgkin und des großzelligen anaplastischen Lymphoms beteiligt sei. Diese beiden Tumore sind die häufigsten Formen des Lymphknotenkrebses.

22.01. Käse nach dem Essen schützt die Zähne
dpa. Käse schließt nicht nur den Magen, er ist auch gut für die Zähne. Darauf haben britische Zahnärzte und Ernährungswissenschaftler hingewiesen. Sie beriefen sich dabei am Donnerstag in der Zeitung "Daily Telegraph" (London) unter anderem auf eine Untersuchung der Universität Newcastle. Die Testserie an 16 Erwachsenen ergab, daß ein Käsedessert den Angriff des im Hauptgang enthaltenen Zuckers auf den Zahnschmelz bremst. Warum das so ist, sei noch unbekannt, da Käse eine "sehr komplexe Substanz" sei, sagte Judy Buttriss, wissenschaftliche Direktorin der britischen Ernährungsstiftung. Nach der wahrscheinlichsten Theorie zerfalle im Mund das Käse-Protein Kasein und verbinde sich mit Calcium und Phosphaten. Diese Kombination von Substanzen könne die Minerale des Zahnschmelzes möglicherweise genauso schnell wieder ersetzen, wie sie vom Zucker abgebrochen würden.

21.01. ICOS bringt T-Zellen auf Trab
PZ. Wissenschaftler am Robert-Koch-Institut (RKI) haben einen neuen Rezeptor entdeckt, der die Antwort der Immunzellen auf ein Antigen verstärkt. Bei dem von den Wissenschaftlern ICOS (induzierbarer Co-Stimulator) genannten Molekül handele es sich um ein Protein mit der relativen Molekülmasse von 55.000-60.000, das auf der Oberfläche von T-Zellen sitzt, schreiben Andreas Hutloff und sein Kollegen in Nature (Bd. 397,1999, S.263-266). Wenn ICOS mit einem eingedrungenen Erreger in Kontakt kommt, verstärkt es die Immunantwort der T-Zelle, dazu gehören die Sekretion von Lymphokinen, die Vermehrung der T-Zellen und die Stimulation der B-Zellen über Interleukin-10. Die B-Zellen attackieren daraufhin die eingedrungenen Erreger mit spezifischen Antikörpern. Hutloff und sein Kollegen vom RKI sind sich sicher, daß der von ihnen entdeckte ICOS neben CD 28 und CTLA-4 der dritte wichtige Rezeptor für die Regulation der Immunantwort ist. CD 28 wirkt ebenfalls aktivierend auf die T-Zellen. CTLA-4 verhindert, daß die Reaktion des Körpers auf einen Eindringling überschießt.

20.01. Kassen wollen Festbeträge senken
PZ. Vorschläge zur Absenkung der Arzneimittel-Festbeträge in 202 Festbetragsgruppen haben gestern die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vorgestellt. In zwei Gruppen sollen die Festbeträge angehoben werden. Die Absenkungsvorschläge erreichen in der Spitze 45 Prozent (Aciclovir Gruppe 1 und H2-Antagonisten), bewegen sich aber zumeist im einstelligen Prozentbereich. Das dadurch zu erzielende Einsparvolumen für die GKV soll 550 Millionen DM pro Jahr betragen. Insgesamt umfaßt der Festbetragsmarkt derzeit 446 Gruppen. Wie die Spitzenverbände in Bonn weiter mitteilten, wird das Anhörungsverfahren bis 18. Februar laufen. Anhörungsberechtigt sind Sachverständige der medizinischen und pharmazeutischen Wissenschaft, die Arzneimittelhersteller und die Berufsvertretung der Apotheker. Voraussichtlich am 4. März wollen die Spitzenverbände dann endgültig entscheiden, damit die neuen Festbeträge am 1. April 1999 in Kraft treten können. Die Revision ist unmittelbare Folge des Solidaritätsstärkungsgesetzes. Wie berichtet, sollen demnach die Festbeträge künftig den höchsten Abgabepreis des unteren Drittels des Abstandes zwischen dem niedrigsten und höchsten Preis in der Vergleichsgruppe nicht übersteigen. Von der Neufestsetzung sind die zum Anfang des Jahres in Kraft gesetzten Festbeträge ausgenommen.

20.01. Rezeptorblockade soll bei Cellulite helfen
PZ. Das Fettgewebe an Gesäß- und Oberschenkelregion der Frau ist offenbar als Energiespeicher für Schwangerschaft und Stillzeit gedacht und nimmt nicht am Abbau im Rahmen einer Gewichtsreduktion teil, erklärte Professor Dr. Werner O. Richter vom Institut für Fettstoffwechsel und Hämorheologie vor Journalisten in München. Der Fettabbau wird gesteigert durch Catecholamine, Wachtstumshormon und Glucagon, die über den intrazellulären Anstieg von cAMP die Lipolyse ankurbeln. Freie Fettsäuren verlassen die Zelle, gelangen zur Leber und werden umverteilt in Fett- und Muskelzellen. Lipolyse-hemmend wirken dagegen Neurotransmitter, die am Neuropeptid-y-Rezeptor oder am a-2-Rezeptor angreifen. Fettzellen an seitlichen Gesäß- und Oberschenkelregion tragen laut Richter etwa fünfmal mehr dieser Rezeptoren als andere Fettzellen. Auf der Blockade der beiden Rezeptortypen beruht der Effekt des apothekenexklusiven Dermokosmetikums Lipofactor®. In ex-vivo-Untersuchungen mit Humanhaut konnte gezeigt werden, daß die Wirkstoffe die Haut penetrieren, so Richter. Eine sieben- bis achtmal höhere Diffusion als aus der Gelformulierung soll das Sprühpflaster erzielen, das im April in die Apotheken kommen soll. In einer vierwöchigen Untersuchung mit 31 Frauen mit hartnäckiger Cellulite nahm die Dicke des Fettgewebes am behandelten Bein um zehn Prozent ab.

19.01. Wohl keine tödlichen Ampullen im Umlauf
dpa. Das Pharmaunternehmen B. Braun Melsungen geht davon aus, daß nach dem Tod zweier Babys in Belgien durch die falsche Beschriftung eines Medikaments keine fehlerhaft etikettierten Ampullen mehr im Umlauf sind. Der Vorstandsvorsitzende Georg Ludwig Braun sagte am Dienstag in Melsungen, nach seinen Informationen seien von dem tödlichen Fehler insgesamt vier Ampullen betroffen, die im belgischen Universitätskrankenhaus Leuven sichergestellt worden seien. Allerdings habe er von den belgischen Behörden noch keine offizielle Auskunft erhalten, betonte Braun. Die Verwechslung sei möglicherweise vermutlich darauf zurückzuführen, daß im Berliner Werk des Unternehmens zunächst Ampullen mit Kaliumchlorid und im Anschluß daran Ampullen mit Glucose-Lösung auf ihre Dichtigkeit überprüft wurden. Durch unterlassene Kontrolle mit dem Auge sowie dem Leerlaufknopf könnte ein Riegel mit vier Ampullen des Kaliumchlorids versehentlich in der Maschine verblieben sein, sagte Braun. Konzentriertes Kaliumchlorid kann für Säuglinge tödlich sein.
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