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Gatrointestinale risiken in der NSAR-Therapie

19.01.1998
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Gatrointestinale risiken in der NSAR-Therapie

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Etwa vier Prozent der Weltbevölkerung leiden an rheumatischen Erkrankungen. Die Therapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) spielt eine zentrale Rolle. Hohe Dosen dieser Arzneimittel können im Gastrointestinaltrakt jedoch Schleimhautläsionen auslösen, die wiederum zur Ulkusentwicklung führen können. Perspektiven zur Lösung des Problems stellten Experten auf einer Veranstaltung von Heumann und Hoechst Marion Roussel vor.

Bei bis zu 60 Prozent der Anwender von NSAR kommt es zu Schleimhautläsionen, aus denen sich in 11 bis 25 Prozent der Fälle Ulzera entwickeln. Problematisch sei die zu späte Diagnose eines Ulkus. Da Analgetika die Schmerzen hemmen, sei in 58 Prozent der Fälle das erste Anzeichen einer Erkrankung gleichzeitig eine lebensbedrohliche Komplikation, sagte Professor Dr. Siegfried Ernst Miederer, Chefarzt am Evangelischen Johannes-Krankenhaus in Bielefeld.

Der Einfluß von Helicobacter pylori sei noch nicht geklärt. Interessant ist laut Miederer, daß Patienten, die mit dem Bakterium infiziert sind, keiner Risikogruppe zuzuordnen sind. Dennoch könne ein Ulkus unter NSAR bei Anwesenheit von H. pylori einen schlechteren Verlauf nehmen. Zur Verhütung empfiehlt Miederer die Eradikation des Bakteriums sowie als Prophylaxe die Einnahme eines Prostaglandin-E1-Analogons.

Das Risiko einer Erkrankung durch NSAR hänge unter anderem auch von Faktoren wie Alter, Ulzera in der Anamnese, gleichzeitiger Corticosteroid-Gabe, paralleler Einnahme von Antikoagulantien sowie Rauchen, Streß oder Alkohol ab, sagte Professor Dr. Erika Gromnica-Ihle, Chefärztin an der Rheumaklinik in Berlin-Buch. Risiko-erhöhend wirke auch die gleichzeitige Einnahme verschiedener NSAR.

Professor Dr. Jürgen C. Frölich vom Institut für Pharmakologie der Medizinischen Hochschule in Hannover, erläuterte Strategien zur Vermeidung NSAR-bedingter gastrointestinaler Störungen. Als Ansätze nannte er die Reduktion der Magensäuresekretion oder die Änderung der Darreichungsformen. Auch die Anwendung von Prodrugs sei untersucht worden. Zwar seien diese besser magenverträglich gewesen, hätten aber zum Teil zusätzlich nierenschädigend gewirkt. Die Gabe von Antacida wertete Frölich als wenig sinnvoll, da durch Maskierung der subjektiven Symptomatik ein Ulkus übersehen werden könne. Außerdem komme es zu pharmakologischen Interaktionen mit NSAR.

In der Therapie müsse ein Arzneimittel eingesetzt werden, das eine geringe Inzidenz von Blutungen aufweise und bei gefährdeten Patienten das Risiko senke. Er empfahl dazu eine Substitutionstherapie mit einem Prostaglandin-E1-Analogon wie Misoprostol. In unterschiedlichen Studien habe sich gezeigt, daß die Kombination aus einem NSAR und einem Prostaglandin-E1-Analogon die gastrointestinalen Nebenwirkungen herabsetze, ergänzte Gromnica-Ihle. Für die Zukunft würden allerdings größere Hoffnungen auf eine selektive medikamentöse Therapie durch die Hemmung der Cyclooxygenase 2 gelegt.

PZ-Artikel von Christina Overhamm, Frankfurt am Main
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