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Den Leistungen muß endlich auch die Honorierung folgen

18.01.1999
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-PolitikGovi-Verlag

Den Leistungen muß endlich auch die Honorierung folgen

Für die deutschen Apotheker wird 1999 ein wichtiges Jahr. Sie sollten deshalb aufgrund des Vorschaltgesetzes nicht in Larmoyanz verfallen, sondern vielmehr alle Kraft für die große Strukturreform bündeln, munterte BAK-Präsident Dr. Hartmut Schmall die rund 1200 Pharmacon-Teilnehmer in seiner Eröffnungsrede am 17. Januar in Davos auf. Es müsse dem Berufsstand gelingen, nicht nur seine Unverzichtbarkeit zu verdeutlichen, sondern auch den Mehrwert der Apotheke für den Patienten.

Das Vorschaltgesetz betreffe einmal mehr die Apotheken. Ob die große Gesundheitsreform 2000 jedoch als "größeres Unwetter" über den Berufsstand hereinbricht, vermochte Schmall nicht zu beurteilen. Klar sei: Die neue Regierung backe auch keine größeren Kuchen als die alte. Teile sie den einen Wahlgeschenke aus, bekämen die anderen notgedrungen weniger vom Kuchen ab.

Die Regierungsparteien haben bereits in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, mit der Strukturreform auch den Arzneimittelmarkt neu zu ordnen. Damit kämen zwangsläufig Veränderungen auf die Apotheken zu. Wie die wichtigsten Eckpunkte genau aussehen, sei aber noch völlig offen, sagte Schmall. Er wünscht sich einen fairen und sachlich-konstruktiven Dialog. "Wir hoffen, daß dieser, auch von der neuen Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer avisierte Dialog nicht zu einem Monolog wird, an dessen Ende im Arzneimittelbereich nach Kahlschlagmanier die Sparaxt angesetzt wird."

Da die Regierung der Qualitätssicherung und –verbesserung einen herausragenden Stellenwert eingeräumt habe, stünden die Chancen für den Berufsstand gut, sich mit spezifischen Leistungen zum Wohle des Patienten zu positionieren. Schließlich hätten die Apotheker Qualitätssicherung nicht nur "mit schönen Worten angenommen", sondern bereits viel unternommen. Die Arbeit des Berufstandes könne sich durchaus sehen lassen. Schmall: "Niemand unterstellt den Leistungserbringern pauschal und in Bausch und Bogen, bislang qualitativ schlechte Leistungen erbracht zu haben."

Alter Hut wieder attraktiv

Die Regierung hat in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, das Verhältnis von ambulantem zu stationärem Bereich neu zu ordnen. Schmall sieht auch hier gute Chancen für die Apotheken. Durch eine zeit- und ortsnahe Versorgung der Patienten mit exakt auf die Bedürfnisse zugeschnittenen Arzneimitteln, sichere der Apotheker einerseits die Versorgung und entlaste andererseits die Kostenträger. Für den BAK-Präsidenten ist deshalb gerade die Rezeptur ein Paradebeispiel, wie alte Hüte in modernem Gewand äußerst attraktiv werden können. Er warnte das Auditorium davor, Rezeptur und Labor als "archaische Relikte unter der Rubrik Pharmaziegeschichte abzulegen".

Ein weiteres Ziel der Bundesregierung sei die bessere Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten sowie den Krankenhäusern. Schmall bedauerte, daß die Politik in ihren Plänen die Kooperation Arzt-Apotheker schlicht und einfach vergessen habe. Beide Berufsstände arbeiteten inzwischen enger zusammen. Das bewiesen mehr als 300 Gesprächskreise bundesweit und viele regionale Kooperationen ohne institutionalisierende Strukturen. Dennoch gelte es, Vorbehalte abzubauen.

Pharmazeutische Betreuung nicht nur aus eigener Tasche finanzieren

Die Pharmazeutische Betreuung leistet nach Meinung Schmalls einen großen Beitrag zur Optimierung der Arzneimitteltherapie. Da so Krankheitsfolgekosten vermieden werden, profitiere nicht nur der Patient, sondern auch die Krankenkasse. Pharmazeutische Betreuung fordere dem Apotheker einiges an fachlichem Know-how und Investitionen ab. Als Preis reiche deshalb nicht nur ein "gutes Gefühl, den heilberuflichen Auftrag zu erfüllen". Zusätzliche Leistungen müßten auch honoriert werden.

Zwar beinhalte der Apothekenaufschlag laut Arzneimittelpreisverordnung das Honorar für solche Leistungen, die Margen seien aber heute noch die gleichen wie vor 20 Jahren. Es könne nicht sein, daß Apotheker die Kosten im Gesundheitswesen senken und dies auch noch aus eigener Tasche finanzieren, sagte Schmall.

QMS kann Sand im Getriebe der Apotheken vermeiden

Die Initiative des Berufstandes, Qualitätsmanagementsysteme (QMS) zu etablieren, hat nach Meinung des Präsidenten nichts mit vorauseilendem Gehorsam zu tun. Man folge nur der Maxime: "Tue es, bevor es andere tun". Leider sähen viele Kollegen in QMS nur ein Mehr an Bürokratie und Gängelei, das auch noch Geld koste. Für Schmall ist QMS ein Instrument, Arbeitsabläufe in der Apotheke transparent zu machen und zu verbessern. "Es hilft, Sand im Getriebe zu verringern oder zu vermeiden." Schwerpunkte sollten nicht nur im betriebswirtschaftlichen, sondern auch pharmazeutischen Bereich liegenTop

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