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Interleukin-6 als Hautreparaturfaktor

18.01.1999
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-PharmazieGovi-Verlag

Interleukin-6 als Hautreparaturfaktor

von Brigitte M. Gensthaler, München

Hefen gegen die Hautalterung? Was zunächst etwas exotisch klingt, könnte bald Realität werden. Französische Forscher haben einen Hefeextrakt identifiziert, der die Produktion von Interleukin-6 in Keratinozyten anregt. Dieses Zytokin ist maßgeblich an der Reparatur von Hautschäden beteiligt.

Interleukin-6 stimuliert die Vermehrung und Teilung von Keratinozyten und regt diese wiederum zur IL-6-Bildung an. In Fibroblasten wird die Synthese von Makromolekülen wie Elastin und Kollagen gefördert. Daher gilt das Zytokin als Haut-Repairfaktor. Diese Eigenschaft im Verbund mit der Erkenntnis, daß ältere Zellen deutlich weniger IL-6 produzieren, weckte das Interesse der Forschungsgruppe Immunopharmakologie von Sanofi, berichtete deren Leiter Dr. Jean-Marie Derocq, Montpellier, während einer Pressekonferenz.

Im Screening mit Milchsäurebakterien und Hefen wurde ein Hefeextrakt identifiziert, der die Bildung von Interleukin-6 induziert. Er wirkt nur auf Keratinozyten und beeinflußt die Produktion anderer Zytokine wie IL-1, IL-8 oder TNF nicht, betonte Derocq. Die beim Institut Pasteur in Paris registrierte und zum Patent angemeldete Biomasse "Bio-Kine 6" ist Hauptwirkfaktor einer Pflegeserie, die ab März 1999 exklusiv über Apotheken vertrieben werden soll (Stimulogic®). Welcher Einzelstoff für die Wirkung verantwortlich ist, wird derzeit noch untersucht, ergänzte Dr. Joelle Guesnet von der Direction Dermocosmétique im Gespräch mit der PZ.

Wirkung und Verträglichkeit der Pflegelinie wurden ausführlich geprüft. Kernstück ist eine sechsmonatige multizentrische klinische Studie, die die französische Molekularbiologin in München vorstellte. 150 Frauen im Alter von 40 bis 55 Jahren wurden von zehn Dermatologen betreut. In den ersten beiden Monaten wurde die Biokine-6-Nachtpflege gegen Placebo getestet, dann wendeten alle Frauen das Verum einmal täglich abends an. Wichtigste Zielparameter waren Falten, Hautstraffheit und Verträglichkeit.

Falten und Krähenfüße gingen bereits nach zwei Monaten signifikant zurück, berichtete Guesnet; nach dem Ende der Studie profitierten fast 60 Prozent der Frauen. Die Hautabdrücke zeigten eine statistisch signifikante Verringerung der Zahl tiefer Falten und eine verbesserte Mikrostruktur. Die Hautstraffheit nahm zu. Je schlechter der Hautzustand vor Beginn der Studie war, um so deutlicher war der Effekt. 95 Prozent der Probandinnen beurteilten die alkohol- und farbstofffreie O/W-Emulsion als sehr gut verträglich.

Nach Aussagen von Guesnet soll die Nachtpflege auch eine altersbedingte Hautatrophie ausgleichen. Nach zweimonatiger Anwendung zeigte sich im hochauflösenden Ultraschall eine um 8 Prozent dickere Haut auf der behandelten Gesichtshälfte. Top

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