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18.01.1999
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PZ Pharmazeutische ZeitungGovi-VerlagPZ +++ Nachrichten +++   19.01. Friese: ABDA ist zum Dialog bereit
PZ. Die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände geht davon aus, daß das zum 1. Januar in Kraft getretene Vorschaltgesetz im Arzneimittelsektor zu Einsparungen in Höhe von rund einer Milliarde Mark führen wird. Dies erklärte ABDA-Präsident Hans-Günter Friese auf einer Pressekonferenz in Davos. Friese wiederholte die Forderung der Apotheker, bei der sektoralen Budgetierung das Arzneimittelbudget vom Heilmittelbudget zu trennen. Was die Gesundheitsreform 2000 anbelange, sei auch nach der Klausursitzung der SPD der letzten Woche bezüglich der Vorstellungen der Regierung keine Klarheit geschaffen worden, so Friese weiter. Viele Fragen seien weiterhin offen, insbesondere die nach der technischen Umsetzung und der Definition eines Globalbudgets und der Schaffung einer Positivliste. Die ABDA setze auf die von der Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer angekündigte Dialogbereitschaft. Die ABDA sei flexibel, bestehe aber auf der Erhaltung des bewährten Arzneimittelversorgungssystems. Nicht diskutieren wollen die Apotheker die Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes, außerdem wollen sie auch in einem "neuen" Gesundheitssystem als Freie Heilberufler agieren. Die Hauptkritik der Apotheker an den Arzneimittelrichtlinien des Ausschusses Ärzte/Krankenkassen konzentriert sich auf den Hinweis, daß zur Einstellung oder Umstellung einer Therapie dem Patienten auch vom Arzt kleine Mengen eines Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden können.

19.01. Schmall: Pro Qualitätssicherung
PZ. Wie in seiner Eröffnungsrede zum Kongreß, betonte Dr. Hartmut Schmall, Präsident der Bundesapothekerkammer, noch einmal vor der Presse am 19. Januar in Davos die Absicht des Berufsstandes, eine stärkere Qualitätssicherung durch eigene, nicht an DIN/ISO-Normen orientierte Qualitätsmangagementsysteme vorzunehmen, um damit auch dem Anspruch der Gesellschaft nach sicherer Arzneimitteltherapie gerechter zu werden. Dazu gehöre auch eine zertifizierte Fortbildung.

18.01. Schmall: Leistungen muß Honorierung folgen
PZ. Pharmazeutische Betreuung hilft den Patienten. Doch zum Nulltarif können Apotheker diese Leistungen nicht langfristig anbieten. Die Pharmazeutische Betreuung leiste einen großen Beitrag zur Optimierung der Arzneimitteltherapie, sagte BAK-Präsident Dr. Hartmut Schmall vor rund 1200 Pharmacon-Teilnehmer in seiner Eröffnungsrede am 17. Januar in Davos. Da so Krankheitsfolgekosten vermieden werden, profitiere nicht nur der Patient, sondern auch die Krankenkassen. Pharmazeutische Betreuung fordere dem Apotheker einiges an fachlichem Know-how und Investitionen ab. Als Preis reiche deshalb nicht nur ein "gutes Gefühl, den heilberuflichen Auftrag zu erfüllen". Zusätzliche Leistungen müßten auch honoriert werden. Zwar beinhalte der Apothekenaufschlag laut Arzneimittelpreisverordnung das Honorar für solche Leistungen, die Margen seien aber heute noch die gleichen wie vor 20 Jahren. Es könne nicht sein, daß Apotheker die Kosten im Gesundheitswesen senken und dies auch noch aus eigener Tasche finanzieren, sagte Schmall.

18.01. Kassen sollen Propecia in Ausnahmen zahlen
dpa. Propecia (Wirkstoff Finasterid), das neue Medikament gegen Haarausfall, sollte nach Ansicht der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft in Ausnahmefällen von der Krankenkasse bezahlt werden. Dazu zählten vor allem Männer, die leiden oder sogar Depressionen bekommen, sagte der Geschäftsführer der Kommission, Karl-Heinz Munter am Montag im Saarländischen Rundfunk. Da erblich bedingter Haarausfall nicht als Krankheit gilt, erstatten Krankenkassen das Haarwuchsmittel Propecia des Herstellers MSD Sharp & Dohme (Haar bei München) nicht. Es gebe auch keine Pläne, das Medikament in den Kassenkatalog aufzunehmen, hieß es auf Anfrage beim Bundesausschuß von Ärzten und Krankenkassen in Köln. Munter warnte jedoch vor überzogenen Erwartungen: "Man sollte erst einmal sehen, wie sich Propecia tatsächlich darstellt. Grundsätzlich sei er sich mit den Kassen einig, daß Medikamente wie Propecia, Viagra und Xenical "nicht global" von den Kassen gezahlt werden sollten.

18.01. Zuzahlungen nach Wirksamkeit gestaffelt
dpa. Die Bonner Koalition will Presseberichten zufolge die Zuzahlungen zu Arzneimitteln künftig auf eine neue Basis stellen. Die von den Patienten zu leistende Eigenbeteiligung solle bei der ab 2000 geplanten Gesundheitsreform nach Wirksamkeit der Medikamente gestaffelt werden, berichtete die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" am Samstag. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" steht die Neuregelung allerdings noch unter Finanzierungsvorbehalt. Für lebensnotwendige Mittel müßten Patienten danach gar nichts oder weniger als bisher zuzahlen. "Sinnvolle" Medikamente würden einer Zuzahlung in bisheriger Höhe unterworfen. Für die "nicht sinnvoll" genannten Präparate müßten Patienten allein aufkommen. Die Koalition würde mit einer solchen Regelung einen Vorschlag der Krankenkassen aufgreifen. Die Medikamente, die künftig überhaupt noch von den Kassen bezahlt werden, sollen in einer Positivliste erfaßt werden. Das hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) letzte Woche im Arbeitsprogramm der Bundesregierung für 1999 angekündigt. Laut "Hannoversche Allgemeine" sollen die Kassen künftig echte Preisverhandlungen über Medikamente mit der Pharmaindustrie führen.

15.01. Regierung plant Budget und Positivliste
PZ. In einer internen Sitzung haben sich die Gesundheitspolitiker von SPD und Bündnis 90/die Grünen auf die Grundzüge der Strukturreform im Gesundheitswesen geeinigt. Die Reform, die noch in diesem Jahr im Bundestag verabschiedet werden soll, sieht einschneidende Veränderungen vor. Insbesondere der Arzneimittelmarkt wird davon betroffen sein. Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren ist, erhält die gesetzliche Krankenversicherung ein Globalbudget mit jährlicher Fortschreibung - gemessen an der Grundlohnsummenentwicklung oder der des Bruttoinlandsprodukts. Ungeklärt ist dabei noch, ob die Aufteilung des Globalbudgets auf die einzelnen Versorgungsbereiche oder -aufgaben durch Verträge zwischen den Organen der Selbstverwaltung oder aber politisch "im Benehmen" mit der Selbstverwaltung erfolgen soll. Außerdem soll der Arzneimittelmarkt durch die Einführung einer Positivliste neu geordnet werden. Die hausärztliche Versorgung soll gestärkt werden (Primärarztsystem)sowie Patientenrechte und -schutz. Die Koalition erwägt, die in verschiedenen Gesetzen geregelten Fragen des Patientenschutzes in einer einzigen Vorschrift zusammenzufassen. Nach Einschätzung von Experten muß das Gesetz bis Mitte des Jahres im wesentlichen stehen, um ein Inkrafttreten zum 1. Januar 2000 sicherzustellen. Der zur Verfügung stehende Zeitraum ist also recht knapp bemessen.

15.01. Ärzte legen Eckpunktepapier vor
dpa. Die Bundesärztekammer (BÄK) plädiert dafür, Kranken- und Pflegeversicherung zusammenzulegen. Die sozialrechtliche Trennung und Aufgabenteilung zwischen den beiden Versicherungszweigen müsse aufgegeben werden, forderte die BÄK am Freitag in Köln in einem Eckpunktepapier zur von Bonn geplanten Gesundheitsreform 2000. Kranken- und Pflegeleistungen sollten letztlich aus einem Topf finanziert werden. Die Krankenkassen müßten die medizinische Behandlungspflege übernehmen. Die BÄK reagiert damit auf anhaltende Abgrenzungsprobleme zwischen Pflege- und Krankenleistungen.

15.01. Sibutramin gegen Übergewicht zugelassen
PZ/vwd. Das Bundesinstitut für Arzneimittel hat ein von der BASF entwickeltes Medikament gegen krankhaftes Übergewicht zugelassen. Das teilte die BASF-Tochter Knoll AG am Freitag in Ludwigshafen mit. Sibutramin (Reductil®) ist verschreibungspflichtig und soll vom 1. Februar an im Handel erhältlich sein. Das Medikament unterstützt den Angaben zufolge die natürlichen Funktionen des Körpers zur Gewichtskontrolle. Sibutramin ist ein Serotonin- und Noradrenalin-
Wiederaufnahmehemmer, der die Konzentration der Neurotransmitter im synaptischen Spalt erhöht. Sibutramin verstärkt das natürliche Sättigungsgefühl. In klinischen Versuchen mit über 6.000 Testpersonen habe Sibutramin Gewichtsverminderungen um 5 bis 10 Prozent ermöglicht, schreibt die Knoll AG. Darüber hinaus unterstütze die Substanz die langfristige Gewichtskontrolle. Übergewicht sei die wichtigste Ursache vieler Folgekrankheiten wie Herz/Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. Bereits eine moderate Gewichtsreduktion von etwa 5 Prozent senke die Risiken von Folgekrankheiten deutlich. Die US-amerikanische FDA hatte Sibutramin bereits im Herbst 1997 zugelassen. In den USA wird die Substanz von Us-Tochter Knoll Pharmaceutical Company unter dem Handelsnamen Meridia® vertrieben.

14.01. Arznei um 0,4 Prozent teurer
PZ. Die durchschnittlichen Preise für Arzneimittel sind im vergangenen Jahr wieder leicht angestiegen. Der Arzneimittelindex der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) weise für 1998 eine Steigerung um 0,4 Prozent gegenüber dem Jahresdurchschnitt von 1997 auf. Im Jahr 1997 waren die durchschnittlichen Preise für zu Lasten der GKV verordnete Medika-mente noch um 1,3 Prozent gesunken. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie machte allerdings darauf aufmerksam, daß die Preisentwicklung sich aus zwei gegenläufigen Tendenzen zusammensetze. Bei den Arzneimitteln, für die Festbeträge gelten, seien die Preise weiter gesunken. Hier verzeichne der GKV-Arzneimittelindex ein Minus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diesem Preisrückgang stehe ein Anstieg von 2,7 Prozent im nicht festbetragsgeregelten Segment gegenüber.

14.01. Roche mit kräftigem Umsatzwachstum
dpa. Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat seinen Umsatz 1998 gegenüber dem Vorjahr um fast ein Drittel steigern können. Auch der Konzerngewinn werde trotz der Übernahme von Boehringer Mannheim und dem amerikanischen Aromenhersteller Tastemaker über dem letztjährigen Gesamtergebnis (4,3 Mrd Franken vor Sonderbelastungen) liegen, teilte die F. Hoffmann-La Roche AG am Donnerstag in Basel mit. Der Umsatz nahm um 31 Prozent auf 24,660 Milliarden Franken (29,940 Milliarden DM/ 15,299 Milliarden Euro) zu. In lokalen Währungen erhöhten sich die Verkäufe sogar um 35 Prozent. Roche hatte zunächst durch die Übernahme von Boehringer und Tastemaker eine vorübergehende Gewinnverwässerung erwartet. Die Division Pharma konnte durch die starken Verkäufe neuer, aber auch bewährter Medikamente um 19 Prozent auf 14,378 Milliarden Franken Umsatz wachsen. Dazu trug auch die rasche Eingliederung des Produktsortiments von Boehringer Mannheim bei, hieß es. Xenical, das neuartige Medikament gegen Fettleibigkeit, hat bislang in über 20 Ländern die Zulassung erhalten. Seit der Markteinführung Ende des dritten Quartals 1998 habe die Nachfrage besonders in Europa die Erwartungen übertroffen.

13.01. In NRW wird Grippeimpfstoff knapp
dpa. Die Grippewelle in Großbritannien hat in Nordrhein-Westfalen zu einem Sturm auf die Impfstoffe geführt. In zahlreichen Apotheken würden Einzelimpfdosen bereits knapp, sagte ein Sprecher der Apothekerkammer Westfalen-Lippe in Dortmund. Patienten mit einem Rezept müßten im Notfall zur nächsten Apotheke gehen, um mit dem Impfstoff zurück zum Arzt gehen zu können. Viele Apotheken hielten aber noch Großpackungen für Ärzte vor. Eine Umfrage bei Großhändlern und Herstellern habe ergeben, daß noch einige hunderttausend Impfstoffeinheiten zur Verfügung stünden, sagte Kammersprecher Kristian Reissig. Am Donnerstag könnten Großhändler noch einmal Nachschub erhalten. Wie lange die Vorräte noch reichen, ist nach Einschätzung der Apothekerkammer Nordrhein in Düsseldorf nicht abzusehen. Vieles hänge davon ab, wie schnell die Welle der Impfbereitschaft abebben werde. Gesundheitsbehörden hatten in den vergangenen Tagen besonders anfällige Menschen zur Impfung aufgerufen, da ein Überschwappen der Grippewelle aus Großbritannien im Februar für möglich gehalten wird. Eine Nachproduktion der Impfstoffe ist faktisch nicht möglich, weil die Herstellung einen Vorlauf von drei bis sechs Monaten braucht. Es werde auch bereits jetzt schon der Stoff für das Jahr 2000 mit modifizierten Erregertypen hergestellt. Verhältnisse wie in Großbritannien sehen die Apotheker auf Deutschland nicht zukommen. Die Meldungen aus Großbritannien würden falsch interpretiert, sagte Reissig. Gemessen an der Bevölkerung seien nicht viele Menschen am Sydney-Virus erkrankt.

13.01. Ärzte fordern mehr BtM-Rezepte an
PZ. Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte haben im vergangenen Jahr drei Millionen Betäubungsmittel-Rezepte angefordert, berichtet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Nach Angaben der Berliner Behörde waren das 50 Prozent mehr als 1997. Rund 70 Prozent der niedergelassenen Ärzte, seien heute im Besitz von gültigen Btm-Rezepten.

13.01. Verbraucherzentrale warnt vor Diäten
dpa. Vor irreführender Werbung im Zusammenhang mit Diätpräparaten warnt die schleswig-holsteinische Verbraucherzentrale. Häufig werde leichtgläubigen Kunden mit fingierten Erfahrungsberichten, pseudo-wissenschaftlichen Texten und unseriösen Vorher-Nachher-Fotos das Geld aus der Tasche gezogen, erläuterte die Zentrale in Kiel. Die Hersteller solcher Präparate lieferten zuweilen auch angebliche Forschungsergebnisse aus weit entfernten Ländern, um ihre Werbeaussagen zu unterstreichen. Diese seien nicht überprüfbar und obendrein illegal, weil gesundheitsbezogen. Verboten seien auch Erfolgsgarantien für Diäten. Insgesamt bezeichnete die Verbraucherzentrale die angepriesenen Mittel als "in der Regel völlig wirkungslos", Crash-Diäten mit einer kurzfristigen Gewichtsabnahme könnten sogar Gesundheitsschäden verursachen.

13.01. Lichttherapie kann bei Uveitis helfen
PZ. Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung gibt es für etwa 500.000 Patienten, die in Deutschland an der chronischen Augenentzündung Uveitis leiden, neue Hoffnung. In Zusammenarbeit mit der Augenklinik der Universität Münster erwies sich die erfolgreiche Anwendung der Lichttherapie als überzeugende Alternative beziehungsweise Ergänzung zur herkömmlichen Behandlung mit Medikamenten. In dem dreijährigen Forschungsprojekt wurden insgesamt 21 Patienten dreimal pro Woche über drei Monate hinweg mit einem Ganzkörperbestrahlungsgerät behandelt. Zwölf Monate nach Abschluß dieser Therapie mit UVA1-Licht (340 bis 380 nm) war das Sehvermögen deutlich gestiegen. Zudem konnte der Einsatz von Medikamenten wie Cortison um die Hälfte reduziert werden. Auch die Zahl der in unregelmäßigen Abständen auftretenden Entzündungsschübe ging um 90 Prozent zurück. Uveitis ist eine Entzündung des Augeninneren, die in jedem Alter auftreten kann. Bei chronischem Verlauf können über Jahre hinweg immer neuer Entzündungsschübe auftreten, die zu zahlreichen Komplikationen führen. Diese reichen von vorübergehenden Einschränkungen des Sehvermögens bis zu massiven, dauerhaften Seheinschränkungen. In schweren Fällen können Patienten auch erblinden.
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