Pharmazeutische Zeitung online

Zuviele Schmerzmittel machen Migräneprophylaxe wirkungslos

18.01.1999
Datenschutz bei der PZ

-MedizinGovi-Verlag

Zuviele Schmerzmittel machen Migräneprophylaxe wirkungslos

PZ. Wenn Migränepatienten zu häufig Schmerz- oder Migränemittel einnehmen, steigt das Risiko, daß eine Migräne-Prophylaxe mit anderen Medikamenten nicht mehr hilft. Das meldet die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft in einer Presseinformation.

Wenn Patienten häufiger als dreimal pro Monat unter schweren Migräneattacken leiden oder auf eine Akutbehandlung schlecht ansprechen, verordneten Ärzte neben gezielten Entspannungsverfahren oft spezielle Medikamente, um den Anfällen vorzubeugen. Dabei handele es sich nicht um Schmerzmittel, sondern bestimmte Betablocker oder den Calcium-Antagonisten Flunarizin. Diese Arzneimittel reduzieren die Häufigkeit und Schwere der Schmerzattacken. So könnten Patienten Schmerz- und Migränemittel einsparen, da diese bei zu häufigem Gebrauch selbst Kopfschmerzen verursachen können, schreibt die Gesellschaft.

Allerdings dauert es mehrere Wochen bis sich herausstellt, ob die medikamentöse Prophylaxe in einem individuellen Fall tatsächlich wirksam ist. Darum suchen Kopfschmerz-Spezialisten nach Faktoren, die dabei helfen können, jene Patienten zu identifizieren, die wahrscheinlich von dieser Behandlung profitieren.

Bei einer Studie haben nun italienische Forscher herausgefunden, daß eine Prophylaxe mit der Substanz Flunarizin dann erfolgreich ist, wenn die Migräne in der Familie eines Patienten gehäuft auftritt oder wenn die Attacken besonders schwer sind, meldet die Gesellschaft (Cephalalgia 18, 1998, 349 - 352).

Demgegenüber sinke die Wahrscheinlichkeit, daß eine Prophylaxe hilft, wenn Patienten mehr als acht Mal pro Monat unter einer Attacke leiden oder über längere Zeit Schmerzmittel täglich oder fast täglich geschluckt haben. Diese Studie bestätige erstmals die Beobachtung vieler Kopfschmerz-Spezialisten, daß ein Analgetika-Mißbrauch die prophylaktische Wirkung von Flunarizin aufhebt, so Professor Dr. Hans Christoph Diener von der Neurologischen Universitätsklinik in Essen. Darum sei in solchen Fällen zunächst eine Entzugsbehandlung erforderlich. Danach könne dann ein erneuter Versuch zur Migräne-Prophylaxe mit Medikamenten und nicht-medikamentösen Maßnahmen unternommen werden.

Top

© 1999 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa