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Setrone in der antiemetischen Therapie

12.01.1998  00:00 Uhr

-Pharmazie

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Setrone in der antiemetischen Therapie

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<Die Bedürfnisse eines Krebspatienten sind aus repräsentativen Umfragen gut bekannt. Müdigkeit und Schwäche rangieren vielfach an erster Stelle und sind oft ebenso schwer zu behandeln wie eine Atemnot. Dagegen sind heute Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen relativ gut behandelbar. Die Einführung der 5-HT3-(Serotonin)-Rezeptorantagonisten brachte deutliche Fortschritte in der antiemetischen Therapie.

Standardempfehlungen für die Antiemese, die bei einer internationalen Consensus-Konferenz im April in Perugia erarbeitet wurden, stellte Privatdozent Dr. Andreas du Bois, Karlsruhe, bei einem Fachpresseseminar von Glaxo Wellcome Ende letzten Jahres in München vor.

Als Goldstandard der antiemetischen Therapie am Tag einer Chemotherapie gilt die Kombination eines 5-HT3-Antagonisten (Setron) mit einem Corticosteroid. Die Kombination ist laut du Bois wirksamer als Corticoid plus Metoclopramid. Die Setron-Corticoid-Primärprophylaxe ist indiziert bei allen moderat bis hochemetogenen Therapieregimen. Dazu zählen alle platinhaltigen Regimes sowie Kombinationen mit Anthracyclinen und intravenösem Cyclophosphamid. Eine Setron-Monotherapie sei hier nicht mehr gerechtfertigt.

Die Kombination hilft etwa 75 Prozent der Patienten mit hochemetogener und etwa 90 Prozent der Patienten mit moderat emetogener Therapie. Ziel ist immer die komplette Unterdrückung des Erbrechens. An den Folgetagen sind Corticosteroide, eventuell kombiniert mit Metoclopramid, die Therapie der Wahl. Am besten untersucht ist Dexamethason.

Eine Mehrtagestherapie mit 5-HT3-Antagonisten sowie eine zu geringe oder zu hohe Dosierung verteuern in der Regel unnötig die Therapie, warnte der Arzt. Gleiches gilt, wenn Setrone anstatt prophylaktisch - erst zur Therapie des Erbrechens eingesetzt werden.

Erster Vertreter der 5-HT3-Antagonisten in Deutschland war 1991 Ondansetron (Zofran®). Tropisetron (Navoban®) folgte 1994, ein Jahr später Granisetron (Kevatril®). Seit kurzem ist auch Dolasetron (Anemet®) zugelassen. Alle Wirkstoffe werden zur Verhütung und Behandlung des Zytostatika-induzierten Erbrechens eingesetzt. Dolasetron ist ferner indiziert zur Prophylaxe und Therapie des postoperativen Erbrechens. In den USA hat auch Ondansetron diese Indikation.

Die vier Arzneistoffe haben vergleichbare Wirksamkeit bei unterschiedlichen Dosierungen. Sie sollten grundsätzlich als Einmalgabe, kombiniert mit einem Steroid, vor der Chemotherapie gegeben werden. Als ausreichend bezeichnete du Bois bei Ondansetron 8 mg, bei Granisetron 3 mg und für Tropisetron 5 mg (jeweils bei intravenöser Gabe). Die perorale Gabe sei ebenfalls möglich. Von Dolasetron werden prophylaktisch 100 mg intravenös oder 200 mg als Filmtablette gegeben.

Neue Galenik für Ondansetron


Weitere Fortschritte könnte eine neue Arzneiform für Ondansetron bieten, die auch Patienten mit Schluckbeschwerden eine perorale Gabe ermöglicht. Der Arzneistoff ist in ein sofortlösliches Plättchen eingearbeitet, das sich innerhalb von Sekunden im Mund auflöst. Die konzentrierte Wirkstofflösung wird mit dem Speichel verschluckt; eine buccale Resorption findet nicht oder kaum statt.

Substanz-P-Antagonisten


Doch die Setrone haben auch ihre Grenzen. Als "suboptimal" bezeichnete Professor Dr. Hans-Joachim Schmoll, Halle-Wittenberg, ihre Wirkung bei verzögertem oder bei opiatinduziertem Erbrechen sowie bei Kinetosen. In diese Lücken könnten Neurokinin-(NK)1-Antagonisten stoßen. Neurokinine sind Peptide mit vielfältigen biologischen Eigenschaften in verschiedenen Organsystemen. Der bekannteste Stoff ist Substanz P, die in die Schmerzleitung eingreift, aber auch an Lernprozessen beteiligt sein soll und die Motorik beim Tier beeinflußt. Man kennt heute drei verschiedene Neurokinine-Typen.

Die aktuellen Schwerpunkte der Forschung mit NK-1-Antagonisten sind derzeit Migräne, Schmerz und Emesis, für gemischte NK-1/NK-2-Antagonisten ist es Asthma. In Tierversuchen waren peroral verfügbare, nicht-peptiderge NK-1-Antagonisten wirksam beim strahleninduzierten Erbrechen (Frettchen), bei akutem und verzögertem Erbrechen (Schwein) sowie bei Kinetosen und anderen Stimuli, die auf 5-HT3-Antagonisten wenig ansprechen.

PZ-Artikel von Brigitte M. Gensthaler, München
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