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Geringeres Karzinomrisiko nach Hormontherapie

11.01.1999  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

Geringeres Karzinomrisiko nach Hormontherapie

Das Risiko, an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken, kann durch die Gabe von Hormonen nach der Menopause vermindert werden. Das belegen epidemiologische Studien. Wissenschaftler werteten jetzt die Daten von 59002 menopausalen Patientinnen aus, die an der Nurses' Health Study teilgenommen hatten. In einer Beobachtungszeit von 14 Jahren wurde nachgeprüft, ob eine Hormontherapie das Karzinom- und Adenomrisiko erniedrigt. Weiterhin untersuchten sie die Effekt einer aktuellen und zurückliegenden Hormontherapie, die Anwendungsdauer und den Einfluß der Estrogen-Dosis.

470 Frauen entwickelten ein kolorektales Karzinom und 838 distale kolorektale Adenome. Eine aktuelle Hormontherapie verminderte das relative Risiko (RR), an einem kolorektalem Karzinom zu erkranken, um 35 Prozent (RR 0,65). Dieser Effekt zeigte sich in abgeschwächter Form auch bei den Frauen, die in der Vergangenheit eine Hormontherapie erhalten hatten (RR 0,84). Fünf Jahre nach Absetzen der Hormontherapie war der protektive Effekt jedoch verschwunden (RR 0,92). Eine längere Anwendungsdauer bei den aktuellen Anwenderinnen erhöhte den Schutzeffekt nicht (RR bei > 5 Jahren = 0,72). Nach Ausschluß der Frauen, die endoskopische Screeninguntersuchungen durchführen ließen, lag die Risikoreduktion in der Hormongruppe bei 0,64. Das belegt nach Meinung der Wissenschaftler, daß der Schutzeffekt der Therapie unabhängig von häufigeren Untersuchungen ist.

Weiterhin beobachteten sie einen steigenden Schutzeffekt bei höherer Estrogendosis, eine statistische Signifikanz konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

Eine verändertes Risiko, an sigmoidalen und/oder rektalen Adenome zu erkranken, konnte bei aktuellen oder ehemaligen Anwenderinnen im Vergleich zu Nichtanwenderinnen nicht nachgewiesen werden. Nur in der Untergruppe mit größeren kolorektalen Adenomen fanden die Forscher bei aktuelle Anwenderinnen ein vermindertes Risiko (RR 0,74).

Die Wissenschaftler schlußfolgern: Fünf Jahre nach Absetzen der Therapie kann nicht mehr mit einem krebsprotektiven Effekt gerechnet werden. Gleichzeitig bestehe ihrer Meinung nach eine inverse Beziehung zwischen dem Auftreten größerer Adenome und einer momentanen Hormoneinnahme. Quelle: Ann. Intern. Med. 128 (1998) 705-712.

PZ-Artikel von Wolfgang Kämmerer, WiesbadenTop

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