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Gemischtes Lispro glättet Blutzuckerprofil

11.01.1999  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

Gemischtes Lispro glättet Blutzuckerprofil

Etwa 80 Prozent der Insulin-spritzenden Typ-II-Diabetiker injizieren Mischinsuline. Mit diesem Basis-Bolus-Konzept versuchen sie, den natürlichen Verlauf des Insulinspiegels nachzuahmen - was jedoch nur unzureichend gelingt. Ab Mitte Januar wird ein Mischinsulin auf Basis von Insulin lispro zur Verfügung stehen, welches das Blutzuckerprofil glätten soll. Zudem sollen sich die postprandialen Blutzuckerwerte besser kontrollieren lassen.

Insulin lispro ist ein Analogon des Hormons, bei dem die Aminosäuren Lysin und Prolin vertauscht sind. Dies beeinträchtigt die Bildung von Insulinkomplexen im Unterhautfettgewebe, die Einzelmoleküle werden viel rascher resorbiert. Daher kann Insulin lispro zum und sogar nach dem Essen gespritzt werden. Das bietet Vorteile bei Kindern oder alten Menschen, die unregelmäßig essen.

Das neue Mischinsulin enthält Insulin lispro und ein neutrales Protamin-Lispro (NPL) als Verzögerungsinsulin (Humalog®-Mischungen, Lilly). Die Spiegel des nicht-verzögerten Hormons steigen rasch an, fallen aber bereits nach vier bis fünf Stunden wieder ab. Dadurch gibt es weniger Überlappung mit dem Verzögerungsanteil und somit weniger Hypoglykämien, erklärte Dr. Gerhard-W. Schmeisl vom Diabeteszentrum "Fürstenhof" in Bad Kissingen bei der Einführungspressekonferenz im Dezember im München. Auch die Hypoglykämien, die oft kurz nach Mitternacht auftreten, nehmen ab. Dies sei besonders wichtig für Patienten, die ihr Insulin aus Angst vor Unterzuckerung unterdosieren.

Schmeisl sieht weiterhin Vorteile für jüngere Typ-II-Diabetiker mit einem geregelten Tagesablauf, die bereits Mischinsuline spritzen, sowie für ältere Patienten, die von einem Pflegedienst betreut und auch gespritzt werden. Bei dementen Menschen könne das Insulin nach dem Essen und somit an die Mahlzeit angepaßt injiziert werden.

In Studien, in denen das neue Insulin immer zur Mahlzeit gespritzt wurde, verbesserte sich der HbA1C-Wert sowie die postprandialen Blutzuckerwerte. Diese beiden Werte hängen eng zusammen, ergänzte Professor Dr. Eberhard Standl aus München. Die postprandialen Werte sind maßgeblich beteiligt an der Erhöhung der HbA1C-Werte und sind für die Prognose von Herzinfarkt und Gesamtmortalität aussagekräftiger als der Nüchternblutzucker. Der Diabetes-Experte empfiehlt daher, bei Patienten mit guten Nüchtern-, aber hohen HbA1C-Werten auch postprandial zu kontrollieren.

Die Blutzuckerwerte nach Glucosebelastung sind auch diagnostisch wichtig. So haben nach Standl nur 50 Prozent der Diabetiker Nüchternwerte über 140 mg/dl, aber 85 Prozent Werte über 250 mg/dl zwei Stunden nach Glucosebelastung. Standl: "Der Typ-II-Diabetes beginnt als postprandiale Erkrankung."

PZ-Artikel von Brigitte M. Gensthaler, MünchenTop

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