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PZ Nachrichten

11.01.1999  00:00 Uhr
PZ Pharmazeutische ZeitungGovi-VerlagPZ +++ Nachrichten +++   12.01. Zulassung von Abtreibungspille verschoben
dpa. Die Abtreibungspille "Mifegyne" (früher: RU-486) wird später als geplant auf dem deutschen Markt erscheinen. Eine Sprecherin der Herstellerfirma Exelgyn bestätigte am Dienstag der dpa in Paris eine Verzögerung beim Zulassungsverfahren und erklärte: "Wir gehen davon aus, daß der Antrag auf Zulassung noch im Laufe des ersten Quartals dieses Jahres bei den zuständigen Stellen sein wird." Als Grund gab sie eine verspätete Zusammenstellung der Unterlagen durch die französischen Behörden an. Ursprünglich war die Übergabe des Antrags bei der europäischen Arzneimittel-Agentur (EMEA) in London für den 15. Januar geplant. Der Erfinder und Produzent der umstrittenen Pille, Edouard Sakiz, war bisher davon ausgegangen, daß die Pille dadurch noch vor Ende 1999 in Deutschland sowie - mit Ausnahme Irlands, Portugals und Italiens - allen weiteren EU-Staaten auf dem Markt sein werde. Die Ankündigung hatte in Deutschland heftige Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern der Pille ausgelöst.

11.01 Gericht hat Bedenken gegen Festbeträge
PZ. Die Festbetragsfestsetzung verletzt europäisches Kartellrecht. Das hat das Landgericht Düsseldorf in einer Entscheidung vom 6. Januar 1999 festgestellt (Az.: 34 O (Kart) 182/98 Q). Der Bundesfachverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) appellierte daraufhin an die Spitzenverbände der Krankenkassen und den Gesetzgeber, das Verfahren der Festbetragsfestsetzung zu überprüfen und so zu gestalten, daß es den Bedenken des Gerichtes Rechnung trägt und im Einklang mit europäischem Kartellrecht und deutschen Verfassungsrecht steht. Es dürfe nicht sein, daß die Krankenkassen das Verfahren dominieren. Das Landgericht Düsseldorf hat im Rahmen eines einstweiligen Verfügungsverfahrens den Spitzenverbänden der Krankenkassen die Aufrechterhaltung der Festbeträge für morphinhaltige Arzneimittel der Gruppe 2 untersagt. Dabei bezieht sich das Urteil auf die gesamte Festbetragsgruppe. Mit dieser Entscheidung wird nach Auffassung des BAH deutlich, daß sämtliche bisher festgesetzten Festbeträge zumindest vom LG Düsseldorf als unzulässig eingestuft werden, da die Begründung des LG Düsseldorfs sich auf das grundsätzliche Verfahren bezieht und dieses Verfahren im Hinblick auf die betroffenen morphinhaltigen Arzneimittel keine Besonderheiten gegenüber dem Festbetragsfestsetzungsverfahren für andere Arzneimittel ausweist. Unmittelbare Folge des Urteils ist dem BAH zufolge, daß die Spitzenverbände der Krankenkassen unverzüglich die Festbeträge für diese Arzneimittelgruppen außer Kraft setzen müssen.

11.01. RKI mahnt zu Diphtherieimpfung
dpa. In Deutschland sind zu wenig Menschen gegen Diphtherie und Keuchhusten (Pertussis) geimpft. Gegen Diphtherie sind insbesondere die 31- bis 50jährigen kaum geschützt, warnte das Robert-Koch-Institut am Montag in Berlin. Bei Keuchhusten bestehe eine generelle Impflücke bei den unter 40jährigen und den über 50jährigen. Um Epidemien zu verhindern, müßten nach Expertenangaben mindestens 80 Prozent der Bevölkerung einen Immunschutz haben. Bei jetzigem Stand bestehe weiterhin große Gefahr für die Ausbreitung der Erreger. Seit 1991 empfehle die Ständige Impfkommission die kombinierte Impfung gegen Diphtherie, Keuchhusten und Wundstarrkrampf (Tetanus). Die Auffrischimpfungen gegen Diphtherie für Erwachsene würden vernachlässigt. Die Ergebnisse wurden in der jüngsten Ausgabe des "Epidemiologischen Bulletins" des Instituts veröffentlicht. Während Kinder und Jugendliche im Bundesdurchschnitt zu über 90 Prozent gegen Diphtherie geschützt seien, seien die 31- bis 50jährigen nur zu 40 bis 60 Prozent geimpft. Die ostdeutsche Bevölkerung sei in der Regel besser geschützt, hieß es. Praktisch alle unter 20jährigen in den neuen Bundesländern seien gegen Diphtherie immunisiert bei den über 40jährigen falle die Impfrate unter 80 Prozent. Die Erkrankung äußert sich in Schluckbeschwerden, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber.

11.01. Augenkosmetik: Rund statt Pyramidenform
PZ. Ausschlaggebend für die Verträglichkeit der Augenkosmetik ist nicht nur das allergene Potential der Inhaltsstoffe, sondern auch deren Form und Größe. Das hochempfindliche Auge will sich so schnell wie möglich von Fremdkörpern befreien. Deshalb schießen sofort Tränen in die Augen, wenn sich ein Fremdpartikel ins Auge verirrt hat. Kontaktlinsenträger sind davon besonders betroffen, denn Fremdpartikel, die unter die Linse geraten, sind höchst unangenehm. Auch die in Augen-Make-up enthaltenen Partikel können zu solchen mechanischen Reizungen führen. Je größer diese Teilchen, desto grober und scharfkantiger sind sie auch. Um das zu verhindern, sollten Apotheker Kontaktlinsenträgerinnen Augenkosmetik empfehlen, deren Inhaltsstoffe nahezu kugelrund und auf die mikroskopisch kleine Größe von wenigen tausendstel Millimeter zermahlen sind. Das Herstellungsverfahren, die Ultramikronisation, wird bislang nur zur Herstellung pharmazeutischer Präparate angewandt. Ultrafein zermahlene Produkte lassen sich leicht auftragen und haften besser als weniger fein zermahlene Produkte. Weil zudem die Oberfläche einer Kugel größer ist als die ansonsten bei Make-up-Partikeln übliche Pyramidenforn, kommt man mit weniger Farbpigmenten aus, um die gleiche Wirkung zu erreichen wie mit grobkörnigeren Produkten.

08.01. Unruhe hält schlank
dpa. Dünne Menschen haben häufig eine höhere Muskelaktivität und halten deshalb problemlos ihr Idealgewicht. Die Erklärung liegt nach Studien von US-Forschern vor allem in einer ständigen ungewollten Bewegung, die von innerer Unruhe oder Nervosität komme. Das berichten James Levine und Kollegen von der Mayo-Klinik und Mayo-Stiftung in Rochester (US-Staat Minnesota) im US-Wissenschaftsjournal "Science" (Band 283, Seite 212) vom Freitag. Das Team beobachtete 16 schlanke Erwachsene über einen Zeitraum von acht Wochen. Jeder der Studienteilnehmer nahm zum Vergleich täglich 1.000 Kilokalorien mehr zu sich, als zur Erhaltung seines Gewichts nötig war. Zwei Drittel der zusätzlichen Energie bauten die schlanken Studienteilnehmer über eine vermehrte Muskelaktivität ab, die sie als "Nonexercise Activity Thermogeriesis" (NEAT) bezeichneten und mit Zappeln verglichen. Acht Prozent der überschüssigen Kalorien flossen in einen beschleunigten Stoffwechselablauf, stellten die Forscher fest. Levine und Kollegen schließen daraus, daß Dünne mit ihrem unruhigen, zappeligen Verhalten wesentlich weniger Kalorien in Fettpölsterchen umsetzen als Dickere.

08.01. Bundesausschuß verabschiedet Richtlinien
PZ. Das Plenum des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen hat auf seiner heutigen Sitzung in Bonn einen überarbeiteten Entwurf der Arzneimittel-Richtlinien (AMR) einstimmig beschlossen. Die Richtlinien sind für Kassenärzte und gesetzliche Krankenkassen verbindlich. Die AMR enthalten alle Beschränkungen und Ausschlüsse bei der Kostenübernahme durch die GKV. Dabei sind erstmals auch die gesetzlichen Vorgaben (etwa Negativliste) und die durch Rechtsverordnung bedingten Einschränkungen zusammenfassend dargestellt. Ausschußvorsitzender Karl Jung sagte nach der Sitzung vor Journalisten, er rechne damit, daß die Bundesgesundheitsministerin das Werk nicht beanstanden und darüber schnell entscheiden werde. Die neuen Richtlinien sollen am 1. April 1999 in Kraft treten. Die Richtlinien bringen nach Angaben des Ausschusses zusätzliche Verordnungsbeschränkungen in 22 Arzneimittelgruppen. Zahlreiche Einwände aus den Stellungnahmen der Anhörungsberechtigten seien aber berücksichtigt worden und die Neufassung besser und übersichtlicher als der erste Entwurf vom vergangenen Sommer, hieß es. Der Bundesausschuß sprach sich dafür aus, daß der Gesetzgeber außerdem eine Positivliste von zu Lasten der GKV verordnungsfähigen Präparaten zu erstellen.

08.01. Langzeitstudie: Geringe Risiken durch Pille
dpa. Auch Frauen, die jahrelang die Pille nehmen, müssen einer britischen Langzeitstudie zufolge keine erhöhten Gesundheitsrisiken befürchten. Die Frauen bekommen nicht häufiger Krebs oder andere schwere Krankheiten als Frauen, die nie mit der Pille verhütet haben. Die Untersuchung, die am Donnerstag (7.1.) im "British Medical Journal" veröffentlicht wurde, erstreckte sich über einen Zeitraum von 25 Jahren. Etwa 46.000 Frauen im Alter zwischen 25 und 50 Jahren waren beteiligt. Die meisten von ihnen nahmen Pillen mit hohen Estrogen-Dosierungen, wie sie in den 60er und 70er Jahren üblich waren. Doch auch sie hatten keine verkürzte Lebenserwartung. "Das müßte viele beruhigen", sagte der Mediziner Clifford Kay, einer der beteiligten Wissenschaftler vom Forschungsinstitut der Königlichen Akademie der Hausärzte in Manchester.

07.01. Endogener hormoneller Wecker
dpa. Es gibt Menschen, die sich abends beim Schlafengehen vornehmen, am nächsten Morgen zu einer bestimmten Zeit aufzuwachen. Und sie schaffen das auch pünktlich - ohne Wecker. Wie Wissenschaftler der Universität Lübeck herausfanden, ist das spontane Aufwachen mit einem steilen Anstieg des "adrenocorticotropen Hormons" im Blut verbunden. Das berichtet das Team um Jan Born von der Abteilung für klinische Neuroendokrinologie und Innere Medizin im britischen Forschungsjournal "Nature" (Band 397, Seite 29) vom Donnerstag. Demnach steigt die Hormonkonzentration im Laufe der Nacht kontinuierlich an und wird eine Stunde vor dem geplanten Aufwachen besonders hoch. "Der Hormonanstieg erleichtert das Aufwachen", sagte Born. Nur bei wenigen Menschen reicht die "Hormonuhr" allerdings zum Aufwachen aus. 15 Probanden wurde abends gesagt, wann sie am nächsten Morgen geweckt werden. Die gesamte Nacht über wurde die Hormonkonzentration im Blut gemessen und bei allen zeigte sich ab fünf Uhr der auffällige Anstieg, wenn sie um sechs geweckt werden sollten. In einem anderen Versuch wurde das Wecken für neun Uhr angekündigt, dann aber "überraschend" um drei Stunden vorgezogen. Bei diesem Experiment blieb der um fünf Uhr einsetzende Anstieg aus.

06.01. Hartmannbund fordert höheres Budget
PZ. Der freie Ärzteverband Hartmannbund (HB) will Ärzte, Apotheker, Arzneimittelhersteller und Patienten mobilisieren, um das Arzneimittelbudget doch noch anzuheben.Er rechne damit, daß das Anfang 1999 in Kraft getreten Solidaritätsstärkungsgesetz im Frühjahr nachgebessert werde, sagte HB-Vorsitzender Dr. Hans-Jürgen Thomas auf der Pressekonferenz des Verbandes in Bonn. Im Zuge der Novellierung werde man versuchen, einen großzügigeren Budgetrahmen durchzusetzen. Das Arzneibudget muß nach Einschätzung von Thomas 1999 mindestens vier Prozent höher ausfallen als 1998, damit Patienten von therapeutischen Fortschritten durch Innovationen auch tatsächlich profitieren können. Nach dem Gesetz sollen dagegen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Medikamente 1999 eine Milliarde DM geringer sein als im Vorjahr. Die jetzt vorgesehenen Budgets würden nach Einschätzung von Thomas zwangsläufig zu einer schlechteren medizinischen Versorgung führen.

06.01. Drogen verursachen Apoptose bei Embryos
dpa. Wie Alkohol und andere Drogen bei Embryonen Hirnschäden verursachen, untersucht ein internationales Forscherteam um Chrysanthy Ikonomidou von der Medizinischen Fakultät Charité der Humboldt-Universität Berlin. In der Science (Band 283, Seite 70) berichten die Wissenschaftler über einen Mechanismus, der möglicherweise Hirnschäden bei Kindern drogenabhängiger Mütter erklärt. In Versuchen mit Ratten stellte sich heraus: Kurz vor und einige Tage nach der Geburt müssen bestimmte Hirnzellen durch den Botenstoff Glutamat aktiviert werden. Sind dafür zuständige Empfänger, die NMDA-Rezeptoren, durch Drogen blockiert, sterben diese Nervenzellen durch Apoptose ab. Substanzen, die die Rezeptoren in dieser Zeit für einige Stunden blockieren, lösen daher im Gehirn der jungen Ratten eine regelrechte Selbstmord-Welle aus. Die Wissenschaftler nehmen an, daß die Versuchsergebnisse auch auf den Menschen übertragbar sind. Sie vermuten, daß die sensible Phase beim Menschen wahrscheinlich das gesamte letzte Drittel der Schwangerschaft umfaßt. Zu den Stoffen, die im Hirn die Empfänger für Glutamat blockieren, gehören neben Alkohol verschiedene andere Drogen wie Ketamin oder das unter Drogensüchtigen als Angel Dust gehandelte PCP. Ketamin sowie das ebenfalls die NMDA-Rezeptoren besetzende Lachgas werden zudem häufig in der Kinderheilkunde als Narkosemittel eingesetzt.

06.01. Boehringer kooperiert mit Glaxo
vwd. Eine Vertriebskooperation im Bereich Selbstmedikation haben die Boehringer Ingelheim Pharma KG, Ingelheim, und die deutsche Tochtergesellschaft des britischen Pharmakonzerns Glaxo Wellcome vereinbart. Sie wurde nach Angaben von Boehringer zum Jahresbeginn 1999 wirksam. Der Geschäftsbereich Selbstmedikation von Boehringer Ingelheim wird im ersten Schritt den Vertrieb der Lippenherpescreme Zovirax übernehmen. Neben der jetzt angelaufenen Vertriebskooperation in der Selbstmedikation hatten die beiden Partnerunternehmen bereits eine Kooperation für die Vermarktung der Hypertonie-Präparate Motens und Micardis beschlossen.
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