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Feigwarzen übers Immunsystem austricksen

11.01.1999  00:00 Uhr

-MedizinGovi-VerlagIMIQUIMOD

Feigwarzen übers Immunsystem austricksen

Bisherige Therapien von Warzen im Anogenitalbereich sind stark rezidivbelastet. Hier liegt der Pluspunkt von Imiquimod (Aldara®), einem immunmodulatorisch wirkenden Medikament, das Ende 1998 zur Behandlung der Feigwarzen Condylomata acuminata zugelassen wurde.

Die Rückfallquote unter Imiquimod liegt mit 10 bis 15 Prozent deutlich unter der teils bis 70prozentigen Rezidivrate anderer Therapieansätze. Allerdings liegen keine direkten Vergleichsstudien beispielsweise mit Podophyllotoxin vor.

Placebokontrollierte Studien belegen die Wirksamkeit einer fünfprozentigen Imiquimod-Creme. "Innerhalb von 16 Wochen läßt der neue Arzneistoff bei mehr als jedem zweiten Patienten die Feigwarzen komplett abheilen", sagte Professor Dr. Harald Gollnick, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, Magdeburg, auf einer Pressekonferenz. In der Placebogruppe bildeten sich die Warzen nur bei elf Prozent zurück.

Anders als bisherige Behandlungsverfahren zielt Imiquimod nicht auf eine chemische oder mechanische Beseitigung der Kondylome ab. Es wirkt auch nicht direkt antiviral, sondern vielmehr immunmodulierend. Es aktiviert das lokale kutane Immunsystem, das dann die zugrundeliegende Papillomavirus-Infektion bekämpft. Dazu stimuliert Imiquimod die Interferon-a-Synthese und die Produktion der Interleukine IL-1, IL-6, IL-8 Produktion und steigert die zelluläre Immunantwort. Die Antwort der T-Helfer-Zellen vom Subtyp 1 (Th1) gegen intrazelluläre Pathogene wird verstärkt, die durch Th2-vermittelte IgE-Produktion und Antwort der Eosinophilen vermindert.

Als Ausdruck der Zytokininduktion kommt es zu lokalen Entzündungsreaktionen. Diese korrelierten eng mit der Heilungstendenz und seien als Zeichen der pharmakologischen Wirkung zu interpretieren, erklärte Gollnick. Das verunsichere aber Patienten, und um die Nebenwirkungsrate möglichst niedrig zu halten, appellierte Gollnick an Ärzte und Apotheker, den Patienten die Anwendung genau zu erklären.

Die Creme wird dreimal wöchentlich vor dem Schlafengehen aufgetragen, und zwar nur direkt auf die Warzen. Das Präparat muß sechs bis zehn Stunden einwirken, bevor sie mit Wasser und einer milden Seife abgewaschen wird. Deshalb darf sie auch nicht vor dem Geschlechtsverkehr angewandt werden. Die Creme ist sinnvoll verpackt. Die jeweils passende Menge für die einmalige Anwendung befindet sich in Ein-Dosen-Sachets; so werden Kontaminationen der Behältnisse vermieden.

Vorteil der neuen Substanz ist ihre einfache Anwendung; der Patient kann die Behandlung gut zu Hause durchführen. In der Tat: Bisher standen unter anderem chirurgische Maßnahmen im Vordergrund. Sowohl bei der Kälte-, der Lasertherapie als auch der Elektrokauterisation, bei der das infizierte Gewebe mit einer Schlinge unter Hitzeanwendung entfernt wird, sind meist mehrere Arztbesuche notwendig. Außerdem muß das zu behandelnde Hautareal zuvor betäubt werden.

Auch die bisher übliche medikamentöse Therapie sei ohne den Arzt nicht denkbar. Podophyllotoxin und Podophyllin sind derart ätzend, daß sie nur vom Fachmann aufgetragen werden dürfen. Gleiches gilt für Trichloressigsäure.

PZ-Artikel von Elke Wolf, Dresden

PZ-Hintergrund

Warzen werden nicht durch ein einziges Virus, sondern durch 77 verschiedene   inzwischen identifizierte humane Papillomaviren (HPV) ausgelöst. Wiederum nur bestimmte Subtypen wie HPV6 und 11 sind für die anogenitalen Warzen verantwortlich. Andere wie HPV 16, 18, 45 oder 56 sind Hochrisikoviren für eine maligne Transformation.

Genitalwarzen nehmen weltweit zu. Ein Anstieg der Infektionsrate von den 50er zu den 70er Jahren um das 15fache gilt als sicher, informierte Gollnick. Grund sei die zunehmende sexuelle Freizügigkeit. In der Altersgruppe der sexuell aktiven Frauen seien die HP-Viren Typ 16 und 18 mit onkogener Potenz bei rund ein bis zwei Prozent dieser Altersgruppe vertreten. Jedoch nur bei zehn bis zwanzig Prozent dieser Frauen zeige der Abstrich zytologische Abnormitäten, sagte Gollnick. Bisherige Therapien scheiterten am Versteckspiel des Erregers.

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