Pharmazeutische Zeitung online

Relationen

11.01.1999  00:00 Uhr

-EditorialGovi-Verlag

Relationen

von Gisela Stieve,
stellvertretende Chefredakteurin

Alles ist relativ. Sorgte vor einiger Zeit noch die richtige Gestaltung des Beratungsplatzes, der laut Apothekenbetriebsordnung seit dem 1. Januar 1999 in allen Offizinen eingerichtet sein soll, für Aufregung, so sind diese Überlegungen vor dem Hintergrund der Strukturreform 2000 wieder verblaßt.

Natürlich bestimmen wechselnde Themen zu unterschiedlichen Zeiten unser Handeln. Das ist bei Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer nicht anders als bei ihrem Amtsvorgänger Horst Seehofer. Nur will die rot-grüne Koalition das Gesundheitswesen unter neuen Vorzeichen ins nächste Jahrhundert schicken – Fischer hat alle Sachverständigen der Konzertierten Aktion im Gesundheitswesen entlassen –, was in der Tat auch neue Strategien der Verbände und Lobbyisten verlangt.

Überflüssig zu sagen, daß der Berufsstand mit einer Stimme sprechen muß. Dennoch scheint eine Besinnung auf dieses politische Prinzip notwendig. Es kann nicht sein, daß auf regionaler Ebene zukunftsweisende Exempel, zum Beispiel zur Pharmazeutischen Betreuung oder zur Einbindung in Strukturverträge und vernetzte Praxen statuiert werden, die die Kollegen dann als Alleingänge der Initiatoren bezeichnen. Es kann nicht sein, daß es immer noch Apotheker gibt, die ihre persönlichen Interessen vor die des gesamten Berufsstandes stellen wollen. Es kann auch nicht sein, daß das Selbstverständnis von Apothekenleitern, Angestellten, Krankenhausapothekern und Apothekern in anderen Funktionen auseinanderklafft.

Alte, selbstverständliche pharmazeutische Leistungen, wie die flächendeckende Versorgung rund um die Uhr mit Not- und Nachtdiensten sind ein wesentliches Qualitätsmerkmal des Heilberufes. Das muß der Bevölkerung immer wieder gesagt werden. Auch ist die Bedeutung des Arzneimittels als effizientes und preisgünstiges Therapeutikum nicht umstritten. Also implementieren wir dieses Vertrauen im Bewußtsein unserer Patienten – nur in Verbindung mit dem Apotheker. Machen wir diese Leistungen transparent und fügen wir ihnen die neuen hinzu.

Es reicht nicht, selbst zu wissen, daß Sachverstand und Service ein Qualitätsmerkmal deutscher Apotheken ist, wir müssen das der Öffentlichkeit vermitteln. Die Krankenkassen haben den "Mehrwert" der Apotheke in ihr Vokabular aufgenommen. Es liegt weiter an Ihnen, den Apothekerinnen und Apothekern an der Basis, den Begriff tagtäglich mit Inhalt zu füllen, so daß er nicht zur Makulatur wird.

Was wir jetzt, da die Strukturreform 2000 vorbereitet wird, brauchen, sind konstruktive Kritik, Konzepte und Initiativen. Solidarität und Beitragssatzstabilität werden die Diskussion beherrschen. Was wir dabei nicht brauchen, sind Verteilungs- und Verteidigungskämpfe. Jeder Aspekt, der die Apotheke und den Apotheker zu dem gemacht hat und was sich auch im Sinne der Arzneimittelsicherheit bewährt hat, muß gestärkt und publik gemacht werden. Das ruft die Basis ebenso auf den Plan wie die Kammern und Verbände.

Alles ist relativ. Auch der Mehrwert Apotheke, der in diesem Jahr in Relation zu den neuen politischen und gesellschaftlichen Anforderungen gesetzt werden muß. Top

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