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PZ Nachrichten

04.01.1999  00:00 Uhr
PZ Pharmazeutische ZeitungGovi-VerlagPZ +++ Nachrichten +++   05.01. Finasterid gegen Haarausfall
dpa. Die "erste Tablette gegen den männlichen Haarausfall" wird vom 18. Januar an in deutschen Apotheken verkauft, teilte das Pharmaunternehmen MSD Sharp & Dohme am Dienstag in Haar bei München mit. Im Gegensatz zu vielen bisher erhältlichen Mitteln gegen Haarausfall sei das Medikament Propecia vom Bundesinstitut für Arzneimittel zugelassen und verschreibungspflichtig. In einer klinischen Studie mit 1215 Männern habe das neue Mittel den Haarausfall bei sechs von sieben Männern gestoppt. Für viele Männer kommt Propecia allerdings zu spät. "Bei einer Totalglatze hilft es nicht mehr", sagte MSD-Sprecher Ottfried Zierenberg. Wenn sich die Haarwurzeln noch nicht vollständig zurückgebildet haben, kann der Wirkstoff Finasterid die weitere Rückbildung stoppen und den weiteren Haarausfall so verhindern. Finasterid blockiert die Entstehung des Hormons Diyhydrotestosteron, das für das Schrumpfen der Haarwurzel verantwortlich ist. Das Medikament muß täglich eingenommen werden. Pro Monat kostet die Haarkur rund 114 Mark. Die Haarpracht hält nur so lange wie die Tabletten: Sobald die Einnahme beendet wird, fallen die Haare weiter aus. Die Nebenwirkungen sind nach Angaben von MSD gering. 1,8 Prozent der behandelten Männer klagten während der Behandlung über einen Verlust der Libido. Bei den Männern, die Placebos geschluckt hatten, waren es 1,3 Prozent.

04.01. Melanom-Risiko auch durch UV-A-Strahlung
PZ. UV-A-Strahlung induziert die Expression bestimmter Zytokine und Adhäsionsmoleküle. Die dadurch ausgelöste Immunsuppression kann zur Pathogenese des malignen Melanoms beitragen. Während kurzwelliges UV-B-Licht DNA-Schäden und defekte DNA-Reparatursysteme zurückläßt, kommen durch langwellige UV-A-Strahlung oxidative Prozesse mit freien Radikalen in Gang. Diese aggressiven Spezies, allen voran Singulettsauerstoff, aktivieren den Transkriptionsfaktor AP2. Dieser sorgt wiederum für eine verstärkte Expression von Zytokinen und Adhäsionsmolekülen wie ICAM-1. ICAM-1 gilt als Schlüsselmolekül bei der Immunsuppression. Kinetikstudien weisen UV-induzierte Veränderungen bereits wenige Stunden nach Bestrahlung in Keratinozyten und Endothelzellen nach. „Bevor nicht eindeutig belegt werden kann, daß diese Befunde für den Menschen keine Gültigkeit haben, erscheint ein konsequenter UV-A-Schutz auch zur Melanomprophylaxe sinnvoll", ist die Meinung von Professor Dr. Jean Krutmann, Universitäts-Hautklinik, Düsseldorf. Er empfiehlt einen Sonnenschutz mit Breitbandwirkung, dessen UV-A-Anteil photostabil ist. Nur Mikropigmente und Mexoryl SX zeichneten sich bisher durch diese Photostabilität aus. Ab 1. Januar 1999 kommt ein neuer chemischer UV-Filter (Anthélios XL) hinzu: Mexoryl XL, die Weiterentwicklung von SX. Mexoryl XL absorbiert nicht nur die schädliche Wirkung im UV-A-Bereich, sondern filtert auch die UV-B-Strahlung.

04.01. Neuer Sachverständigenrat im BMG
PZ. Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) besetzt den Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen neu. Zum 31. Dezember vergangenen Jahres haben die sieben bisherigen Mitglieder des Rates, Professoren der Bereiche Ökonomie, Informatik und Medizin, aus Bonn ihre "Kündigungsschreiben" bekommen. Nach Angaben des Ministeriums sollen die vorwiegend schon länger dem Rat angehörenden Mitglieder noch im Januar durch neue Sachverständige ersetzt werden. Mit den Neuberufungen würden auch neue inhaltliche Akzente gesetzt, unter anderem durch Fachleute aus den Bereichen "Pflege" und "hausärztliche Versorgung", hieß es.

04.01. Neues Meßverfahren für Tumorwachstum
dpa. Die Zellvermehrung im Tumorgewebe kann jetzt genauer und zuverlässiger gemessen werden. Das interdisziplinäre PET-Zentrum der Universität Tübingen hat ein nicht-invasives, routinefähiges Verfahren zur Messung des Wachstums von Krebszellen entwickelt. Professor Dr. Hans-Jürgen Machulla und Professor Dr. Roland Bares erwarten, daß die Methode vor allem bei der Planung und Kontrolle von Tumorbehandlungen klinisch nutzbar ist. Da die Wirksamkeit der Therapie früher als bisher erfaßt werden kann, könnten Patienten mit einem resistenten Tumor rascher auf andere Medikamente umgestellt werden. Bei einem sehr guten Therapieerfolg ist es auch möglich, die Zahl der Behandlungszyklen zu reduzieren. Die Positronen-Emissions-Tomographie PET mißt die Verteilung von radioaktiv markierten Testsubstanzen im Körper und stellt sie bildlich dar. Die Wissenschaftler markierten den DNA-Baustein Thymidin mit Fluor-18 und konnten damit das Prinzip erstmals für die klinische Anwendung nutzbar machen. Das Fluoratom blockiert den Abbau der Verbindung im Körper, deren Verteilung so die Zellteilungsaktivität widerspiegelt. In einem Joint-Venture haben die PET-Zentren Seattle, Detroit und Tübingen das mit Fluor markierte Thymidin (FLT) weltweit erstmals am Menschen angewandt. Bei einem Patienten mit Bronchialkarzinom wurden die Stadien des Tumors mit Erfolg untersucht und festgelegt.

29.12. Protein steuert Fettaufnahme
dpa. Schweizer Forscher haben einen Hemmstoff entdeckt, der die Aufnahme von Fett und Cholesterin im Körper blockiert. Der Chemiker Helmut Hauser und sein Team wollen in den nächsten fünf Jahren ein Medikament entwickeln, das sowohl gegen Fettleibigkeit als auch bei Patienten mit erhöhtem Cholesterinspiegel eingesetzt werden könne, sagte Hauser am Dienstag in einem Gespräch mit der dpa. Forscher gingen bislang davon aus, daß Fette und Cholesterin auf dem Weg der Diffusion aus der Nahrung in den Körper gelangen. Hauser und Kollegen entdeckten aber an der Darmwand ein Protein, die die Fettaufnahme aktiv beeinflußt. "Diese Katalysatoren kann man blockieren", sagte der Entdecker. Er leitet eines der Laboratorien für Biochemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. "Die Katalysatorendichte ist von Mensch zu Mensch verschieden", sagte Hauser. Dies erkläre auch, warum manche Menschen zu Fettleibigkeit und erhöhtem Proteinspiegel neigen und andere nicht. "Wir vermuten aber, daß auch fettlösliche Vitamine wie A,D,E und K über diese Katalysatoren aufgenommen werden", sagt Hauser. Deshalb darf die Fettaufnahme nicht vollständig blockiert werden. Hausers Team hat einen synthetischen Hemmstoff entwickelt. Dessen Verträglichkeit müsse noch nachgewiesen werden.

29.12. Etopsid statt Procarzabin bei M. Hodgkin
dpa. Kinder und Jugendliche, die am Hodgkin-Lymphom sind, können künftig mit einer sanfteren Chemotherapie behandelt werden. Nach einer neuen Studie des Kinder-Onkologen Professor Dr. Günther Schellong von der Universitäts-Kinderklinik Münster haben die am Hodgkin-Lymphom erkrankten Patienten auch bei einer schonenderen Behandlung eine Überlebenschance von 97 Prozent. Der Einsatz von weniger giftigen Substanzen und geringer dosierten Strahlungen könne die Nebenwirkungen deutlich senken, teilte am Dienstag die Deutsche Krebshilfe in Bonn mit. Die Forscher um Professor Schellong ersetzten bei erkrankten Jungen die hodenschädiqende Substanz Procarbazin durch den weniger giftigen Stoff Etoposid. Außerdem wurden die Bestrahlungsfelder verkleinert und die Strahlendosis gesenkt. Dies habe sich nicht negativ auf den Behandlungserfolg ausgewirkt, erklärte Schellong: "Die Überlebensrate der betroffenen Kinder und Jugendlichen sind mit der weniger intensiven Behandlung ebenso hoch wie mit der herkömmlichen Therapie." Das in Münster erarbeitete Konzept werde jetzt in ganz Deutschland angewendet.

29.12. Boehringer heißt bald Roche Diagnostics
dpa. Der 1997 vom Schweizer Pharmakonzern Roche übernommene Pharmahersteller Boehringer Mannheim heißt seit 1. Januar Roche Diagnostics GmbH. Damit solle die Einbindung des Unternehmens in die Roche-Struktur abgeschlossen werden, teilte die Boehringer Mannheim GmbH mit. Der Roche-Konzern hatte Boehringer 1997 für knapp 18 Milliarden DM übernommen. Im Juli verständigte sich das Unternehmen mit dem Betriebsrat auf ein neues Standortkonzept und auf einen Sozialplan. In Mannheim, wo bislang Therapeutika und Diagnostika hergestellt worden waren, soll der Schwerpunkt künftig auf Diagnostika liegen. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht geplant. Bis zum Jahr 2000 sollen in Mannheim aber etwa 800 von 6600 Stellen wegfallen. Da zugleich an anderen Standorten neuen Stellen entständen, sei von einem Per-Saldo-Verlust von 655 Stellen auszugehen. Von Juli bis November 1998 konnten 250 Beschäftigte auf andere Stellen in der GmbH vermittelt werden.

23.12. Koma statt Rausch mit Liquid Ecstasy
dpa. Polizei und Inhaber von Diskotheken warnen vor der gefährlichen Wirkung von Liquid Ecstasy. Der erwünschte Rausch bleibe meistens aus. Statt dessen seien Erbrechen, Atemnot und ein plötzliches Koma die häufigsten Folgen des Konsums. Kein Wunder: Gamma-Hydoxybutyrat (GHB), so der offizielle Name des Wirkstoffes, ist ein Narkosemittel für den Einsatz in Arztpraxen. Bei Überdosis besteht Lebensgefahr. Liquid Ecutasy, in der Szene auch als "Soap" oder "Pearl" bekannt, ist eine durchsichtige Flüssigkeit und von Wasser oder Wodka mit bloßem Auge kaum zu unterscheiden. Mit der besonders bei Jugendlichen verbreiteten Partydroge Ecstasy hat Liquid Ecstasy nur den Namen, nicht aber die chemische Zusammensetzung gemein. Gamma-Hydoxybutyrat fällt als rezeptpflichtiges Arzneimittel bisher nicht unter das Betäubungsmittelgesetz "Die Leute denken, sie machen sich nicht strafbar und unterschätzen die Wirkung der Droge", warnt Bubbi Schuster, Inhaber eines der bekanntesten House-Clubs in Deutschland, des "M1" in Stuttgart. Abgeschreckt hatte Schuster der Anblick eines leichenblassen Koma-Opfers vor seiner Diskothek, das zuvor Liquid Ecstasy genommen hatte. Der Club-Manager hängte daraufhin am Eingang des "M1" ein Schild auf, um Besucher über die gefährliche Droge aufzuklären. Händler würden konsequent angezeigt.

23.12. Fischer diskutiert freien Haschisch-Verkauf
dpa. Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) hat sich hinter den Vorschlag der schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) gestellt, kleine Mengen Haschisch in einem Modellversuch in ausgewählten Apotheken frei zu verkaufen. Dies sei "eine interessante Überlegung, die man nicht sofort von der Hand weisen sollte", sagte sie in einem vorab veröffentlichten Interview der Zeitschrift "Super Illu". Durch ein solches System könnten die Märkte für weiche und harte Drogen getrennt werden. Fischer sprach sich erneut für eine Reform der Drogenpolitik aus. Die bisherige "Knüppel drauf"-Politik habe nicht zu einer, Verringerung des Drogenkonsums geführt. Es sei jahrelang so getan worden, "als würde es keine Drogen geben". Dabei komme es darauf an, den Betroffenen zu helfen. Haschisch-Raucher kämen etwa bei einer Freigabe der weichen Droge nicht so leicht in das Milieu, "wo es viel schlimmeren Stoff zu kaufen gibt". Die Drogendiskussion müsse unaufgeregter werden.

22.12. Impfaktion wird schlecht angenommen
dpa.Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg beklagt eine nur geringe Beteiligung an der diesjährigen Impfaktion gegen gefährliche Grippe-Virusinfektionen. Die Behörde warb am Montag in Stuttgart dafür, die Impfangebote und damit den verbesserten Impfschutz stärker anzunehmen. Das Landesgesundheitsamt stützte sich bei seiner Einschätzung auf eine telefonische Umfrage von Mitte November unter 550 Erwachsenen im Raum Stuttgart. Dabei gab nur jeder zehnte Befragte an, daß er sich gegen den Erreger der Influenza impfen ließ. Der Präsident des Landesgesundheitsamtes, Professor Dr. Volker Hingst, betonte, da die jährliche Grippewelle im Land noch nicht begonnen habe, sei es auch jetzt für eine Impfung noch nicht zu spät.

22.12. Boehringer: Neues Sartan zugelassen
vwd. Die Europäische Kommission hat das Bluthochdruckmittel Telmisartan der Boehringer Ingelheim Pharma KG, Ingelheim/Rhein, zugelassen. Das Präparat mit dem Handelsnamen Micardis gehört nach Erläuterung des Unternehmens vom Montag zur neuesten Klasse der Antihypertensiva, die als Angiotensin-II-Rezeptor-
Antagonisten bekannt sind. Der neue Bluthochdrucksenker soll schrittweise in allen europäischen Ländern eingeführt werden. Boehringer Ingelheim und Glaxo Wellcome haben Co-Marketing und Co-Promotion in einer Reihe von Ländern, ausgenommen Nordamerika und Japan, vereinbart.

21.12. Hilfsprojekt in den Tropen ausgeweitet
PZ. Das Anthelmintikum Ivermectin soll nun auch kostenlos an Patienten verteilt werden, die an der Lymphatischen Filariose erkrankt sind, meldet MSD Sharp & Dohme in einer Pressemitteilung. In einem Hilfsprogramm der WHO und MSD Sharp & Dohme wurde das Medikament bisher zur Bekämpfung der Flußblindheit eingesetzt. In klinischen Studien wirkte Ivermectin auch gegen die Larven der Erreger der Lymphatischen Filariose. Daher soll es nun auch zur Bekämpfung dieser Tropenkrankheit in größerem Maßstab eingesetzt werden. An dem Programm beteiligen sich auch die Weltbank, Unicef und weitere internationale Hilfsorganisationen. Weltweit sind 120 Millionen Menschen in den Tropen und Subtropen mit den Erregern der Lymphatischen Filariose infiziert; eine Milliarde Menschen leben in Gebieten, in denen sie einer Infektion ausgesetzt sind. Die Elephantiasis - groteske irreversible Schwellungen der Extremitäten - ist die auffälligste Erscheinungsform der Erkrankung. Die Krankheitserreger gehören zu den Fadenwürmern und leben im Lymphgefäßsystem des Menschen; übertragen werden die Parasiten durch verschiedene Stechmückenarten. Da die Betroffenen in der Regel jedoch zu den Ärmsten der Armen gehören, können sie sich die medikamentöse Therapie normalerweise nicht leisten.

21.12. EU vertagt Beschluß zu BSE
PZ. Die Entscheidung der Europäischen Kommission über ein Verwendungsverbot bestimmter tierischer Materialien aus Angst vor der Seuche BSE ist von den EU-Landwirtschaftsministern erneut ausgesetzt worden. Nach dieser Entscheidung hätten rund 80 Prozent aller Arzneimittel vom Markt genommen werden müssen. Dies berichtet der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI). Erst am 1. Januar 2000 soll die Kommissionsentscheidung 97/534/EG in Kraft treten. Dies haben die Landwirtschaftsminister der EU bei ihrem im Dezember beschlossen. Die erneute Verschiebung des Verbots, spezifiziertes Risikomaterial vom Rind in Arzneimitteln zu verwenden, sei erwartet worden, teilte der BPI mit. Schon im Vorfeld habe sich die Kommission auf keine gemeinsame Vorgehensweise einigen können.

21.12. Neue Studie zum Plötzlichen Kindstod
dpa. An 13 deutschen Hochschulen unter Leitung der Universität Münster wollen nun Mediziner die Gründe für die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr erforschen. "Bisher ist es nicht gelungen, die Ursachen des Krippentodes zu ergründen", bedauert Mechtild Vennemann vom Koordinationsstab des bundesweiten Projekts. "Besonders wichtig ist für uns die Mitarbeit der Bevölkerung, wenn wir demnächst nach dem Zufallsprinzip beginnen, 1800 Eltern mit einem Baby in ganz Deutschland telefonisch zu befragen." Daneben sollen 600 Eltern befragt werden, deren Baby am plötzlichen Kindstod gestorben ist. "Immerhin konnten wir bislang einige wichtige Risikofaktoren entlarven", berichtet die Ärztin von der Universität Münster. Danach sind in der Bauchlage schlafende Kinder besonders gefährdet. Die Gefahr wächst, wenn Mütter während der Schwangerschaft rauchen und nicht stillen. Treffen mehrere Faktoren zusammen, kann sich das Risiko um das zu Zehnfache erhöhen. Viele Eltern haben die Warnungen ernst genommen: Seit 1990 ist die Todesrate in den Bundesländern deshalb um bis zu 40 Prozent zurückgegangen. Nach mehreren Voruntersuchungen beginnt in diesen Tagen die auf drei Jahre befristete Hauptphase der fachübergreifenden Studie, die das Bundesforschungsministerium mit 7,2 Millionen Mark fördert.

18.12. Pharmaindustrie kritisiert Arzneireport
PZ. Die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) haben die am Donnerstag erschienene Neuauflage des Arzneiverordnungs-Reports begrüßt. Von den Verbänden der Pharmahersteller kam dagegen Kritik. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) widersprach der Auffassung, die Kostensteigerungen durch neue Arzneimittel seien zu einem erheblichen Teil auf sogenannte Molekülvariationen zurückzuführen, die für den Patienten keinen therapeutischen Vorteil brächten. Es werde immer Parallelentwicklungen geben, da weltweit bis zu 20 Unternehmen eine Indikation gleichzeitig beforschten. Dadurch kommt es zu einer rascheren Entwicklung von Innovationen und damit zur Beschleunigung des therapeutischen Fortschritts. Der Bundesfachverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) kritisierte, daß der Report behauptet, bei den sogenannten "umstrittenen" Präparaten bestehe ein weiteres Einsparvolumen von etwa drei Milliarden DM, wenn diese durch "wirksame" Medikamente oder andere Behandlungsmethoden ersetzt würden.  Kriterium für die Wirksamkeit und Sicherheit könne nur die Arzneimittelzulassung sein. Wirksamkeitsnachweise lägen für viele "umstrittene" Präparate vor, insbesondere für Husten-, Grippe- und Rheumamedikamente. Diese Arzneien gehörten oft zu bewährten Therapiekonzepten niedergelassener Ärzte, betont der BAH.

18.12. Krätze breitet sich aus
PZ. Infektionen durch Krätzmilben breiten sich in Deutschland wieder aus. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) meldet eine Zunahme von Krätzeinfektionen in Alten- und Behindertenheimen sowie in Krankenhäusern. Die Betroffenen würden oft aus Scham die ansteckende Krankheit verschweigen und damit ihre Umgebung gefährden. Krätze ist eine ansteckende Hautkrankheit, die durch Milben hervorgerufen wird. Die Parasiten bohren winzige Gänge in die oberen Hautschichten und legen dort ihre Eier ab. Betroffen sind vor allem die Bereiche zwischen den Fingern, an Hand- und Fußgelenken und im Genitalbereich. Die Infektion führt zu starkem Juckreiz und verursacht Entzündungen beim Aufkratzen der Haut. Die ansteckende Hautkrankheit werde zunächst oft als Allergie oder Ekzem fehlgedeutet, so die BGW in einer Pressemitteilung. Der Nachweis der Infektion sei schwierig. Bleibt die Erkrankung längere Zeit unerkannt, droht gerade dort, wo viele Menschen auf relativ engem Raum leben, die Gefahr einer Epidemie. Besonders gefährdet seien Krankenhäuser, Altenheime, Schulen, Jugendherbergen, Kindergärten und Gemeinschaftsunterkünfte.

18.12. Fonds zur Erforschung der Myasthenia gravis
dpa. Der neu gegründete Brunhilde-Stotz-Forschungsfonds soll dazu beitragen, den Ursachen der schweren Muskelschwäche auf die Spur zu kommen. An der Myasthenia gravis starb einst Aristoteles Onassis. In Deutschland leiden an dieser seltenen Krankheit etwa 10.000 Menschen. Erstmals wird im Jahr 2000 ein Forschungspreis in Höhe von 20.000 Mark an Wissenschaftler verliehen, teilten die privaten Gründer am Donnerstag in Göppingen mit. Ausgelöst durch eine Autoimmunreaktion, bei der der Körper Abwehrstoffe gegen die Verbindung der Nerven zum Muskel bildet, leiden die Patienten zunächst an Seh-, Schluck- und Kaustörungen. Im weiteren Verlauf können weitere Schwächen bis zur Lähmung der Atemmuskulatur hinzukommen. Die Krankheit kann in jedem Lebensalter auftreten. Frauen erkranken allerdings früher und oft schwerer. Mit Geldern aus dem Fonds sollen auch Forschungsprojekte gefördert werden.

17.12. Grippewelle rollt an
dpa. Grippe und Husten drohen vielen Bundesbürgern die Feiertage zu vermiesen. Bei jedem siebten ihrer Patienten diagnostizierten Ärzte in der vergangenen Woche eine akute Atemwegserkrankung, teilte die Arbeitsgemeinschaft Influenza in Marburg am Donnerstag mit. "Das sind rund 30 Prozent mehr als normalerweise zu dieser Jahreszeit", sagte der Mediziner Helmut Uphoff. Auch ein Aufschaukeln der Grippe-Welle noch vor Weihnachten kann nach Einschätzung des Experten nicht ausgeschlossen werden. Es sei aber noch nicht zu spät, sich impfen zu lassen. Insbesondere Menschen aus Risikogruppen sollten sich schützen, riet Uphoff. Die Arbeitsgemeinschaft rechnet mit vermehrten Erkrankungen vor allem älterer Patienten. Bei ihnen sei derzeit auch der Anstieg der Atemwegserkrankungen am deutlichsten. Als besonders auffällig wertete Uphoff die bundesweit vermehrten Meldungen von Magen-Darm-Erkrankungen. Darüber hinaus würden etwas häufiger schwere, hochfieberhafte Atemwegserkankungen gemeldet.

17.12. Vitamine: EU kritisiert Deutschland
PZ. Die Europäische Kommission hat ein Verfahren gegen die Bundesregierung wegen Behinderung des Handels von mit Vitaminen angereicherter Spezialnahrung eingeleitet. Wegen des hohen Vitamingehalts würden bestimmte Produkte von den deutschen Behörden als Medikamente eingestuft. Der Vitamingrenzwert liege dabei bei der dreifachen Höhe der empfohlenen täglichen Einnahmemenge. Die Wettbewerbshüter wünschen nach Angaben vom Mittwoch in Brüssel eine elastischere Anwendung des Grenzwerts je nach Vitamin und Risiko einer Überdosierung. Im jetzt laufenden Verfahren werde zwischen Bundesregiergung und Kommission zum Teil mit den Herstellern jedes einzelne Produkt durchgesprochen. Die betreffenden Produkte sind nach Einschätzung des Ministeriums bei einer theoretisch möglichen Zulassung als Medikamente auf dem Markt wegen des dann zu erwartenden Preises kaum erfolgversprechend absetzbar.

17.12. Neuer Arzneimittelreport vorgestellt
PZ. Nach Angaben des neuesten Arzneimittel-Reports wurden 1997 genau 11,3 Prozent weniger Arzneimittel durch Ärzte verordnet. Der Umsatz ging dennoch nur um 1,7 Prozent auf 34,1 Milliarden DM zurück. Damit konnten die Krankenkassen gegenüber dem Vorjahr insgesamt 580 Millionen DM einsparen. Der Trend geht seit Jahren hin zu teureren Produkten. Durch diese Verschiebung ist eine Mehrausgabe von 3,7 Milliarden DM notwendig geworden. Insgesamt haben die Neueinführungen der letzten zehn Jahre einen Umsatzanteil von 20 Prozent erreicht. Der Anteil der sogenannten umstrittenen Arzneimittel, Streitpunkt in den vergangenen Jahren, sank von 9,4 auf 5,5 Milliarden DM Umsatz. Allein 1997 gab es einen Rückgang von 20,7 Prozent. Die beiden Herausgeber kritisieren, daß es zwar ein breites gesetzliches Instrumentarium zum Ausschluß von Arzneimitteln gebe, deren Wirksamkeit aber zweifelhaft sei. Hier sei noch ein Einsparpotential von drei Milliarden DM zu erreichen.

16.12. BPI befürchtet Rationierungen
PZ. Vor einer "klammheimlichen" Ausdünnung des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) gewarnt. Das Solidaritätsstärkungsgesetz, die Neufassung der Arzneimittel-Richtlinien und die von der Bundesregierung geplante Positivliste empfänden viele Firmen als existenzbedrohend, sagte BPI-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Weng gestern abend im Hintergrundgespräch mit Journalisten in Bonn. Durch das Solidaritätsstärkungsgesetz sollen die GKV-Ausgaben für Arzneimittel gegenüber dem laufenden Jahr um eine Milliarde DM reduziert werden. Das Arzneibudget werde damit 1999 nicht einmal das Niveau des Jahres 1992 erreichen, kritisierte Weng. Der Verband erwartet daher - ebenso wie die Ärzte -, daß die Arzneiversorgung Ende nächsten Jahres gefährdet ist. Rationierungen seien wahrscheinlich.Top

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