Pharmazeutische Zeitung online

Unterschenkelgeschwür: Liegt eine Hypertonie vor?

Datenschutz bei der PZ

Wenn Patienten mit langjähriger Hypertonie eine Hautnekrose am rückseitigen Unterschenkel oder über der Achillessehne entwickeln, kann es sich um ein sogenanntes Ulcus hypertonicum Martorell handeln. Diese sei eine eigene Entität und eine häufige Ursache für chronische Wunden am Unterschenkel, berichtete Professor Dr. Karin Scharffetter-Kochanek, Ärztliche Direktorin der Universitätshautklinik Ulm, bei der Fortbildungswoche für praktische Dermatologie in München. „Es handelt sich um eine Sklerose der subkutanen Arteriolen.“ Benannt ist die Erkrankung nach dem spanischen Angiologen Fernando Martorell, der das Ulcus 1945 beschrieben hat.

 

Die Patienten hätten immer eine arterielle Hypertonie, mehr als die Hälfte von ihnen auch einen Diabetes mellitus, informierte die Dermatologin. „Die subkutanen Arteriolen gehen in morphologisch fixierten Zustand über, selbst wenn die Patienten gut medikamentös eingestellt sind.“ Die Arteriolosklerose kann zu einem „Hautinfarkt“ führen. Das Ulcus cruris hypertonicum kann aus einem Bagatelltraumata heraus entstehen. Die Patienten leiden an sehr starken ischämischen Schmerzen.

 

Oft erhalten die Betroffenen die Fehldiagnose eines Pyoderma gangraenosum und in der Folge eine falsche Therapie mit Immunsuppressiva und Vermeiden jeglicher Chirurgie. Beim Ulcus hypertonicum Martorell erfolge die Therapie primär chirurgisch mit Abtragung der Nekrose, lokaler Unterdrucktherapie und Spalthautverpflanzung, sagte Scharffetter-Kochanek. Abzugrenzen ist laut der Dermatologin unter anderem die Calciphylaxie mit einer begrenzten progredienten Nekrose an der Wadenrückseite; die Patienten leiden häufig an einer Niereninsuffizienz und einem sekundären Hyperparathyreoidismus. Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit seien größere Blutgefäße betroffen. (bmg)

  

23.08.2018 l PZ

Foto: Fotolia/LUMIERES