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Lungentransplantierte: Mit der Therapietreue hapert`s

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Rund ein Viertel der Patienten nach Lungen-Transplantation nimmt die Immunsuppressiva nicht wie vorgeschrieben ein. Dies ergab eine Befragung von allen 504 Patienten, die zwischen Juli 2013 und Mai 2014 an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eine neue Lunge bekommen haben.

 

Mithilfe des BAASIS-Fragebogens (Basel Assessment of Adherence with Immunosuppressive Medication Scale) erhob ein Forscherteam um Dr. Nora Drick von der MHH die Therapietreue in den letzten vier Wochen und fragte nach Gründen für eine mangelnde Adhärenz. Bei allen Patienten lag die Operation mindestens sechs Monate zurück. 27 Prozent, genauer: 138 der 504 Befragten, hielten sich nach eigenen Angaben in mindestens einem Punkt nicht an den vorgegebenen Therapieplan; 75 Prozent davon nahmen die Medikamente nicht zum richtigen Zeitpunkt ein. Je länger die Transplantation zurücklag, umso mehr litt die Adhärenz. Andere reduzierten eigenmächtig die Dosis oder ließen einzelne Einnahmen aus. Jeder Zehnte gab auch «drug holidays», also Therapiepausen an.

 

Als Begründung nannten die Befragten vor allem Probleme mit der eigenen Organisation und Schwierigkeiten, die Therapie in den Alltag zu integrieren. Andere sagten, es seien zu viele Tabletten oder zu viele Einnahmezeitpunkte pro Tag.

 

Organtransplantierte Patienten müssen lebenslang Immunsuppressiva einnehmen, um eine Abstoßung des fremden Organs zu verhindern. Die Therapietreue trägt entscheidend zum Langzeiterfolg der Transplantation bei. Die Autoren der Studie empfehlen daher, die Patienten intensiver zu beraten, wie sie die immunsuppressive Therapie in den Tagesablauf einbauen können und wie wichtig die Medikation ist. Wenn möglich, sollten auch Angehörige einbezogen werden. (bmg)

 

DOI: 10.1111/ctr.13214

 

05.04.2018 l PZ

Foto: Fotolia/yodiyim