Pharmazeutische Zeitung online

Alkohol in der Schwangerschaft: Studie findet 428 Symptome

Das Symptomspektrum der fetalen Alkoholspektrum-Störung (FASD) ist wesentlich breiter gefächert als bislang angenommen. Das ergab nun eine Meta-Analyse in der Fachzeitschrift «The Lancet», die 428 komorbide Störungen diesbezüglich auflistet.

 

In ihrer Studie werteten Forscher um Svetlana Popava vom Zentrum für Sucht und psychische Gesundheit in Toronto 127 Studien aus und verglichen Kinder mit FASD mit gesunden Kindern. Das Ergebnis: Bei FASD assoziierten sie 428 Störungen, die 18 der 22 Kapitel des ICD-10-Katalogs betreffen. Die Krankheitszustände beeinflussten nahezu jede Funktion des Körpers: das zentrale Nervensystem, Sehen und Hören, das Herz-Kreislauf-System, die Verdauung, Muskeln, das Skelett und die Atmung. Beim klinischen Vollbild des fetalen Alkoholsyndrom (FAS), der schwersten Form der FASD, fanden die Forscher 183 verschiedene Krankheitszeichen.  

 

«Alkohol kann jedes Organ oder System in dem sich entwickelnden Fötus beeinflussen», sagt Popava. Schweregrad und Symptome variierten je nach Menge und Zeitpunkt des Alkoholkonsums. Auch Faktoren wie Stress, Ernährung und Umwelteinflüsse spielten eine Rolle, ebenso genetische Faktoren sowie die Fähigkeit des Körpers, Alkohol abzubauen – sowohl beim Kind als auch bei der Mutter.

 

Kinder mit FASD entwickeln sich nur langsam und weisen ein gestörtes Sozialverhalten auf. Sie sind arglos und naiv, entwickeln wenig soziales Feingefühl. Abstraktes Denken, Lernen, Aufmerksamkeit und Konzentration fallen ihnen schwer. In der Schule gelten sie oft als hyperaktiv und sind gleichzeitig schlechte Lerner, da sie einen durchschnittlichen IQ von 70 aufweisen.

 

Typische Merkmale der schweren Form FAS sind geringes Geburtsgewicht, körperliche Missbildungen wie Nierenschäden und Herzfehler, sichtbare Auffälligkeiten im Gesicht und Verhaltensstörungen wie geringer Saugreflex, Ruhelosigkeit und erhöhte Reizbarkeit. Defizite in der geistigen Entwicklung prägen das ganze Leben des Kindes.

 

Durch die Kenntnis der zahlreichen Symptome von FASD könnte die Früherkennung verbessert und die betroffenen Kinder rechtzeitig gefördert und somit zahlreiche Spätfolgen der Erkrankung verhindert werden. Nach Schätzungen von Experten kommen in Deutschland jedes Jahr bis zu 10.000 Kinder mit FASD zur Welt – eine Behinderung, die zu 100 Prozent vermeidbar ist. (ke)

 

Mehr zum Thema Schwangerschaft

 

07.01.2016 l PZ

Foto: Fotolia/laboko